Elternblog

Eltern-Burnout: Wie ich hinein gerutscht bin und was mir geholfen hat

«Wenn Sie Managerin wären, würde ich Sie jetzt wegen Burnout krankschreiben», sagte die Ärztin zu unserer Autorin Ulrike Légé vor drei Jahren. Aber wie kommt man als Mutter aus der Erschöpfung wieder raus? Ein ehrlicher Erlebnisbericht.
Text: Ulrike Légé
Bild: Photocase
Die nächste Stufe komme ich nicht mehr hoch, dachte ich. Mit bleischweren Beinen, todmüde und gleichzeitig zum Zerreissen angespannt stand ich im Frühling 2016 auf der Treppe in unserem Haus. Und plötzlich war klar: Ich schaffe das alles nicht mehr. 

Erst anderthalb Jahre zuvor waren wir zurück in die Schweiz gezogen, unser fünfter Umzug innerhalb weniger Jahre und zwischen mehreren Ländern. Ich kümmerte mich hautpsächlich um unsere drei Kinder, damals 5, 8 und 11 Jahre alt. Alle drei leiden unter einer chronischen Infektanfälligkeit und sind jeden Winter wochenlang krank. Ich arbeitete zu etwa 30 Prozent als freie Journalistin und Kommunikations-Beraterin, bloggte und engagierte mich ehrenamtlich. Unter der Woche war ich alleinerziehende Mutter. Mein Mann war 60 Stunden und mehr im Büro und ganze Wochen auf Dienstreisen.

Seit Jahren schon stand ich unter Strom, schlief schlecht, wurde dauernd krank, hatte überall Schmerzen und Verspannungen, entzündete Haut und einen verkrampften Magen.

Nach der Treppenkrise ging ich in die Akut-Ambulanz der psychiatrischen Klinik in Basel. «Wenn Sie Managerin wären, könnte ich Sie wegen Burnout ein paar Monate krankschreiben», meinte die Ärztin hilflos. «Aber wie Sie da als freiberuflich arbeitende Mutter herauskommen, weiss ich nicht.» Sie verschrieb mir ein Beruhigungsmittel und gab mir die Adresse einer Therapeutin.

Zum Glück konnte ich die Verhaltenstherapie sofort beginnen. Mit Hilfe meiner Psychologin fing ich an, den Knoten in meinem Inneren zu entwirren. Als ich meine Krankenkasse anrief, um die Kostenerstattung zu klären, schickte diese mir sofort eine «Care Managerin» nach Hause. Sie half mir, die dringend nötige praktische Unterstützung zu organisieren: Entlastung mit den Kindern, in Haushalt und Garten – und eine dreiwöchige Kur zur Erholung. Schon die Aussicht darauf gab mir Auftrieb.

Und doch schleppte ich mich wie eine Schwerkranke durch den Alltag. Irgendwie musste es weitergehen. Eltern können ja nicht einfach so alle Verantwortung abgeben. Immerhin gestand ich mir jetzt Ruhepausen zu, auf dem Sofa, in der Hängematte. Zeit, mich zu fragen: Was hat mich denn so ausgebrannt? 

Was mich in das Eltern-Burnout trieb

1. Überforderung: 
Das Gefühl, hilflos immer neuen und steigenden Anforderungen ausgeliefert zu sein. Wenn mein Mann viel arbeitete und reiste, hing zu Hause alles an mir. Wenn die Kinder im Winter krank zu Hause blieben, fiel das mit stressigen Deadlines im Job zusammen. Und dann ging plötzlich etwas in unserem Haus oder Obstgarten zu Bruch und ich musste eine Schar Handwerker organisieren. Alles unvorhersehbar und jenseits meiner Kontrolle.

2. Einsamkeit:
Das Gefühl alles allein bewältigen zu müssen. Nach jedem unserer beruflichen Umzüge hatte ich zwar aktiv neue Kontakte geknüpft, aber diese Freundschaften waren so frisch, dass ich sie nicht sofort damit belasten wollte, wie überfordert ich mich fühlte und wo ich praktische Hilfe brauchte. Das Dorf, dass es braucht, wenn man eine Familie aufzieht, fehlte mir. Immer, wenn ich es mir aufgebaut hatte, zogen wir weiter. Traurigkeit, Angst und zunehmend auch Wut darüber stauten sich in mir auf.

3. Hohe Ansprüche an mich und ein dauerhaft schlechtes Gewissen:
Ich vermisste meinen arbeitenden Mann und die Umzüge fielen mir schwer. Schlimmer aber noch war die Angst davor, wie es damit erst meinen Kindern gehen müsse. Ich setzte mich unter Druck: Irgendwie müsste ich es schaffen, ihnen trotzdem eine heile, sonnige Kindheit zu kreieren – die fehlenden Wurzeln für sie zu kompensieren. Ich wollte ihnen im Alltag Mutter sein, aber auch Vater, Grosseltern, Paten, langjährige Freunde und Nachbarn ersetzen. 

Anzeige
0 Kommentare

Zugehörige Tags

Hat Ihnen unser Artikel gefallen? Unterstützen Sie unser Engagement für Eltern mit einer Spende!

Diesen Artikel kommentieren

Diese Webseite nutzt Cookies. Cookies werden zur Benutzerführung und Webanalyse verwendet und helfen dabei, diese Webseite zu verbessern. Durch die weitere Nutzung dieser Webseite erklären Sie sich mit unserer Cookie-Police einverstanden. Mehr Infos hier.