Elternblog

Es braucht ein Dorf: Wie wichtig die Beziehung zum Nachbarn ist

«Es braucht ein Dorf, um ein Kind zu erziehen.» Unsere Autorin Ulrike Légé hatte das bisher für einen netten Spruch gehalten. Dann geriet sie in eine Notlage. Und das Dorf fing sie auf. Hier gibt sie Tipps, wie man gute Nachbarschaft pflegt.
Text: Ulrike Légé
Bilder: Pexels und zVg
Abends hatten unsere Kinder noch wunderschöne Kinderzimmer mit Stäbchen-Parkett. Am nächsten Morgen sah der Boden plötzlich aus, «als hätte ein Riese Jenga gespielt!», wie meine Tochter anmerkte. Im gesamten Geschoss lagen die Parkett-Latten wüst verteilt, grauer Beton mit gelben Klebeflecken schimmerte hindurch, überall roch es muffig-feucht.

Was war passiert? Unser handwerklich erfahrener Nachbar René suchte stundenlang mit uns nach der Ursache: Oben im Wohnzimmer leckte, gut versteckt hinter Einbaumöbeln, die Steigleitung aus Kupfer. Unten folgte: Ein riesiger Wasserschaden.

Meine erste Reaktion: Schockstarre. Ich wollte einfach die Bettdecke über den Kopf ziehen und alles ausblenden. Aber unzählige Telefonate mit Versicherungen und Handwerkern mussten sofort geführt, Entscheidungen getroffen werden: Wer repariert was? Wie umfassend sanieren wir? Wer übernimmt welche Kosten?

Und die wichtigsten Fragen: Wohin gehen wir? Was packen wir noch schnell ein, bevor das Umzugs-Unternehmen alles einlagert? Plötzlich fühlten wir uns wie Flüchtlinge. 
«Als hätte ein Riese Jenga gespielt!»  Zuerst entdeckte Familie Légé das kaputte Parkett. Dann die Wasser- und Schimmelflecken im gesamten Stockwerk. Bild: Légé
«Als hätte ein Riese Jenga gespielt!»  Zuerst entdeckte Familie Légé das kaputte Parkett. Dann die Wasser- und Schimmelflecken im gesamten Stockwerk. Bild: Légé
Diesmal half Jacques von nebenan. Er vermietet Zimmer als Bed & Breakfast – für uns zog er aus und überliess uns grosszügig sein gesamtes Haus zur Zwischenmiete. Ich weiss nicht, wo wir ohne ihn zu fünft und mit jungem Hund so kurzfristig untergekommen wären. Noch dazu an einen Ort, von dem aus die Kinder wie gewohnt zur Schule gehen können.

Meine Freundin Moni lud uns alle zum Essen ein. Sogar unser vor Stress kötzelnder Labradoodle Sunny konnte sich unter ihrem Tisch wieder entspannen. Freundin Jasmine brachte uns Pflaumen-Wähe und einen riesigen Topf Ratatouille – Trost und Nervennahrung vom Feinsten.

Unser Nachbar René und seine Frau Ruth, die unsere Kinder als ihre «Extra-Nonno und Nonna» ins Herz geschlossen hatten, kümmerten sich um die Kinder und Sunny während ich zu Terminen hetzte. Aus Schule, Gemeinde, Vereinen, unserem Quartier, ja dem ganzen Dorf – überall her kamen Hilfs-Angebote und guter Rat, Umarmungen, Mut machende Worte.

Diese Nachbarschaftshilfe berührt und beeindruckt uns. Klar, als Biologin hat es mich intellektuell immer überzeugt, dass Menschen gemeinschaftliche «Allo-Parents» sind. Mit dem tief verankertem Bedürfnis und Wissen, dass wir unsere Kinder nur aufziehen können, wenn wir in grössere Gruppen eingebunden sind.

Trotzdem schien es mir oft so, dass im Alltag die Kleinfamilie auf sich allein gestellt ist. «Es braucht ein Dorf  …»? Nur so ein Spruch. Aber in unserer schwierigen Lage, wurde die Nachbarschaftshilfe für uns plötzlich real: Wir könnten all das nicht bewältigen ohne dieses Dorf, das uns trägt.

Ein solches Dorf wünsche ich jedem und habe deshalb einige Tipps für gute Nachbarschaft gesammelt:

Anzeige
0 Kommentare

Zugehörige Tags

Hat Ihnen unser Artikel gefallen? Unterstützen Sie unser Engagement für Eltern mit einer Spende!

Diesen Artikel kommentieren

Diese Webseite nutzt Cookies. Cookies werden zur Benutzerführung und Webanalyse verwendet und helfen dabei, diese Webseite zu verbessern. Durch die weitere Nutzung dieser Webseite erklären Sie sich mit unserer Cookie-Police einverstanden. Mehr Infos hier.