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Elternblog

So viel mehr als nur ein Hund

Sunny feiert seinen ersten Geburtstag. Also eigentlich feiern nur die anderen. Sunny weiss kaum, wie ihm geschieht, denn er ist ja «nur ein Hund». Aber sagen Sie das ja nicht zu laut, wenn Hundemama Ulrike Légé in der Nähe ist. Sie hat da nämlich eine ganz andere Theorie.
Text: Ulrike Légé
Bilder: zVg
Ich hatte mir immer geschworen, nie würde ich so ein vermenschlichendes Gedöns um unseren Hund machen. Schon gar nicht zu seinem Geburtstag. Wie albern – so ein Tier kapiert das doch gar nicht! Unser Hund würde einfach nur ein Tier sein. Ein pupsendes, schwanzwedelndes, felliges Tier. Nie würde ich ihn «Schatzeli» nennen. Oder «Schnuffelwuff». Am allerwenigsten «Fellnase» – wo doch die Nase ganz eindeutig eins seiner wenigen Teile ohne Fell ist.

Das war bevor wir Sunny, unseren karamellfarbenen Labradoodle, bekamen. Jetzt, ein knappes Jahr später, stehe ich in der Küche und von meinen Händen tropft ein klebriger, glibberiger Pamps. Hundefutter aus der Dose. Ich würde das gerne in einen schönen runden Kuchen verwandeln, mit herzigen knochenförmigen Biskuits zur Deko rundherum. Ohne Kerze, denn pusten kann er ja nicht. Ein Geburtstagskuchen, denn unser Sunny wird ein Jahr alt. 
Happy Birthday Sunny. Dein Kuchen sieht zwar nicht so schön aus, aber lecker ist er!
Happy Birthday Sunny. Dein Kuchen sieht zwar nicht so schön aus, aber lecker ist er!
Leider stürzt der Kuchen immer wieder zu einem Wabbelhaufen zusammen. Dafür haben aber wir ein wunderschönes Geschenk für ihn: Eine Schnüffeldecke, die unsere Freundin Regine selbstgenäht hat. Aus festem Stoff und alten Jeans, mit vielen Taschen zum Gudeli-Verstecken und Suchen. Singen werden wir natürlich auch. Ja, hallo - so einen besonderen Tag muss man schon richtig feiern!

Ich könnte ja behaupten, nur die Kinder hätten auf der Hunde-Geburtstagsfeier bestanden. Aber das wäre nur die halbe Wahrheit. Fakt ist: Wir haben alle dazugelernt. Sunny wedelt und pupst sich seit letztem Jahr fellig durch unser Familienleben, er ist also ein echter Hund. Und gleichzeitig ist er noch so viel mehr geworden für uns als «einfach nur ein Tier»

1. Unser Hund, der Ehetherapeut

Wir haben durchaus unsere Höhen und Tiefen, mein Mann und ich. Aber als ich das erste Mal sah, wie er seine 1,90 Meter in die Hundebox faltete, um sich zu einem heulenden Welpen zu legen, da habe ich mich erneut verliebt. Er macht das jetzt jeden Abend und schwört, dass der Hund viel besser schläft, wenn er ihm vorher «Schlaf Sunny, schlaf» singt. Ich habe einen wunderbaren Mann geheiratet! Unsere allabendlichen Hundespaziergänge sind an Romantik nicht zu übertreffen: Nur er und ich und ein selig-schnüffelnder Sunny laufen bei Sonnenuntergang über die Felder … über die Gaggibeutel und das nötige Aufsammeln kann man ja hinwegsehen.

2. Unser Hund, der Seelentröster

Wer immer in unserer Familie grossen Kummer hat, fängt nicht mehr an zu heulen, zu brüllen, Spielsachen zu schmeissen oder Frust-Schoggi zu essen. Nein, wir alle gehen direkt zu dem grossen grauen Hunde-Tagesbett. (Eine unserer vielen Neuanschaffungen für den Hund, denn natürlich braucht er so etwas). Dort vergraben wir unsere Nase in das seidigweiche goldene Lockenfell von Sunny. Wir schauen in seine verständnisvollen grünbraunen Augen. Lassen uns von ihm über die Wange schlecken. (Eine der vielen Hunde-Regeln, die wir brechen, denn natürlich hat er keine Würmer. Sunny doch nicht.) Und wir wissen: Alles wird wieder gut.
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3. Unser Hund, der Staubsauger

Nie war es unter unserem Esstisch so sauber wie jetzt. Wir haben uns wirklich Mühe gegeben, unsere Kinder zu manierlichen Essern zu erziehen, die nicht kleckern und nichts fallen lassen. Und sind damit, wie mit so vielen anderen Zielen, gescheitert. Unter unserem Tisch hätte man nach jeder Mahlzeit wischen können, aber dazu hat niemand Lust oder Zeit. Jetzt hat Sunny den Job übernommen und macht ihn so fantastisch wie das nur ein Labbi-Mix kann. Es sieht aus wie geschleckt bei uns, ehrlich. Man könnte vom Boden essen. Wenn Sunny nicht schneller wäre. 
Ein Blick in diese Augen ... und alle Sorgen sind plötzlich weit weg!
Ein Blick in diese Augen ... und alle Sorgen sind plötzlich weit weg!

4. Unser Hund, der Aufräum-Coach

Eine Brille, so säuberlich in die Einzelteile zerlegt, als wäre ein Optiker am Werk gewesen. Wobei Optiker keine Schräublein fressen. Mimi, die Kuschelmaus, ohne ihren langen Mäuseschwanz. (Wie kann Sunny bloss Plüsch verdauen?) Meine Lieblings-Flip-Flops verwandelt in einen Haufen ausgekötzelter Stücke. (Kautschuk verdaut Sunny offenbar nicht.) Noch nie war unser Haus so gut aufgeräumt wie jetzt, wo Sunny auf der Suche nach Beschäftigung durch die Räume tigert. Zumindest wird alles hochgeräumt. Wir lernen eben dazu.

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