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Mediennutzung

Wenn Jugendliche im Internet hassen

Beschimpft, ausgeschlossen, ausgelacht: Mobbing ist für jedes Kind, für jeden Jugendlichen ein Trauma – besonders wenn es online und in den sozialen Netzwerken stattfindet. Dort entfaltet Mobbing eine neue Dimension: Psychoterror, der Kinder in den Suizid treiben kann. Prävention und ein frühes Eingreifen sind entscheidend. 
Text: Irena Ristic
Der Satz im Whats-App-Gruppenchat tut beim Lesen weh: «Ach leg dich einfach untern Zug, hilfst uns allen damit», schreibt Luca seinem Mitschüler Marius. «Da würde er sich selber und der Welt einen Gefallen tun», doppelt Luca nach. «Von der Brücke springen wär auch ok. Aber dafür hat der auch nicht die Eier». Der Grund für diese Hetze ist banal. Offenbar hat sich Marius zu oft im Unterricht gemeldet. Der Satz hat nur ein Ziel: Marius fertigzumachen. «
Wie beim Mobbing im Klassenzimmer oder auf dem Schulhof besteht das Ziel der Cybermobber darin, ihr Opfer über einen längeren Zeitraum hinweg zu zer stören », sagt Cybermobbing-Expertin Catarina Katzer. Sie ist eine der führenden Forscherinnen auf dem Gebiet der Cyberpsychologie.

Jeder vierte Jugendliche wurde schon Opfer von Cybermobbing

Cybermobbing gehört zu den am meisten diskutierten Themen in den Medien. Weil es keine allgemeingültige Definition von Cybermobbing gibt, variieren die Angaben über die Zahl der Betroffenen stark. Die aktuellsten Zahlen liefert die JAMES-Studie von 2016, die sich seit vielen Jahren mit dem Medienumgang von Schweizer Jugendlichen beschäftigt. «Ist es schon vorgekommen, dass über dich Falsches oder Beleidigendes im Internet verbreitet wurde?», wollten die Macher der Schweizer Studie im letzten Jahr von Jugendlichen zwischen 12 und 19 Jahren wissen. Und: «Ist es schon vorgekommen, dass Dich jemand im Internet fertigmachen wollte?» Laut Gregor Waller, Projektleiter der JAMES-Studie, haben 24 Prozent eine der beiden Fragen mit Ja beantwortet. Das bedeutet: Jeder vierte Jugendliche in der Schweiz wurde schon Opfer von Cybermobbing.
Wie beim «klassischen» Mobbing sind mehrere Personen oder Gruppen am Cybermobbing beteiligt, die sich aus den Tätern, dem Opfer und den Bystandern (den Zuschauern, Duldern) zusammensetzen. Die Auslöser für den gruppendynamischen Prozess Mobbing sind vielfältig: «Aus einer harmlosen, online geposteten Neckerei kann sich eine Hassposting-Lawine entwickeln, die gar nicht im Sinne des Absenders war», sagt Medienwissenschaftler Martin Hermida. Die Motivation der Mobber ist jedoch oft dieselbe: «Ob online oder offline – Täter wollen Anerkennung», sagt Catarina Katzer. Auch Spass und Langeweile seien häufige Motive für Cybermobbing.
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Bei manchen Jugendlichen ist die Verzweiflung so gross, dass sie nicht mehr leben wollen. Der Suizid der 15-jährigen Kanadierin Amanda Todd ist ein tragischer Fall von vielen. Das Mädchen nahm sich das Leben, nachdem es wegen eines im Netz verbreiteten Nacktfotos über Monate hinweg online gemobbt worden war.

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