«Ich bin da, wenn ihr eine Frage habt» - Das Schweizer ElternMagazin Fritz+Fränzi

«Ich bin da, wenn ihr eine Frage habt»

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Annyett König, 45 Jahre, Expertin Intensivpflege, lebt mit ihren Kindern Aline, 11, und Rafael, 15, in Bern. Sie macht mit ihren Kindern sehr unterschiedliche Erfahrungen beim Lernen.

Text: Claudia Füssler
Bilder: Raffael Waldner  / 13 Photo

Annyett: «Der Einstieg ins schulische Lernen war für Aline nicht einfach. Auch, weil ich mit ihrem Bruder ganz andere Erfahrungen gemacht hatte. Rafael lernt ähnlich wie ich, ich konnte mit ihm also so lernen, als ob ich selbst etwas lernen müsste. Wenn Rafael eine Woche Zeit hatte, um fünfzehn Vokabeln zu lernen, gelang ihm das, indem er sie immer wieder repetierte. Bei Aline hat das nicht funktioniert. Sie lernt in Häppchen besser, übt also zum Beispiel am Montag, Mittwoch und Donnerstag jeweils fünf Vokabeln. Rafael organisiert sein Lernen inzwischen komplett allein. Wenn er Unterstützung in Mathe braucht, bucht er sich ein paar Nachhilfestunden mit dem Sohn der Nachbarn und ich erfahre davon nur, wenn ich das Geld überweisen soll.»

Aline: «Sport, Deutsch, Englisch, NMG – da freue ich mich immer besonders drauf. Mir macht Schule grundsätzlich schon Spass, nur das Lernen fällt mir in manchen Fächern leichter als in anderen. Ich mag zum Beispiel Englisch sehr viel lieber als Französisch.»

Annyett: «Aline und ich, wir haben uns einfach nicht gefunden beim Lernen. Ich mit meinen Vorstellungen, wie sie da herangehen sollte, sie, die meine Ideen – die für sie ja nicht funktioniert haben – nicht nachvollziehen konnte. Das war ein ziemlicher Kampf, wir gerieten uns oft in die Haare. Ich habe dann beschlossen, dass es so nicht weitergehen kann. Ich wollte etwas ändern, damit Aline das Lernen leichter fällt. Mir war und ist dabei die intrinsische Motivation sehr wichtig. Sie hat festgestellt, dass dabei ganz unterschiedliche Faktoren eine Rolle spielen können. Ob eine Lehrperson Freude am Stoff selbst und am Vermitteln hat zum Beispiel, oder mit welchen Materialien gearbeitet wird.»

Aline: «Ich habe keinen festen Platz fürs Lernen. Ich mache die Aufgaben gern am Pult in meinem Zimmer oder am Esstisch. Ich schaue meist, dass Annyett in der Nähe ist, so dass ich sie fragen kann, wenn ich etwas nicht verstehe. Manchmal sitzen wir auch zusammen am Esstisch, Mami arbeitet, ich lerne. Das ist ganz schön.»

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Annyett: «Ich versuche, meine Kinder zu motivieren, selbständig zu denken und sich Dinge zu erarbeiten, und halte mich entsprechend mit Einmischen sehr zurück. Gleichzeitig signalisiere ich: Ich bin da, wenn ihr Hilfe braucht, ihr müsst mir nur sagen, wobei ich helfen soll. Aline könnte mit etwas mehr Mühe mehr erreichen. Ich versuche aber, das so zu akzeptieren. Das gelingt mir, weil Aline trotzdem noch gut in der Schule ist. Um zusätzliche Lernanreize zu schaffen, arbeite ich gern mit Belohnungen. Rafael und Aline haben ein bestimmtes Kontingent an täglicher Medienzeit. Wenn sie besonders motiviert sind, über die Schulaufgaben hinaus etwas zu üben, etwa Vokabeln zu lernen, können sie sich damit einige Minuten dazuverdienen. Das funktioniert mal gut und mal überhaupt nicht.»

Claudia Füssler
arbeitet als freie Wissenschaftsjournalistin. Am liebsten schreibt sie über Medizin, Biologie und Psychologie.

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