«Satt, entspannt und nicht zu müde – dann lernt es sich am besten» - Das Schweizer ElternMagazin Fritz+Fränzi

«Satt, entspannt und nicht zu müde – dann lernt es sich am besten»

Lesedauer: 2 Minuten

Friederike Rieder, 41 Jahre, Universitätsmitarbeiterin, lebt mit ihrem Mann Philippe, 43, und ihren Kindern Elena, 8, und Henry, 6, in St. Gallen. Sie hilft Elena vor allem, sich beim Lernen zu konzentrieren.

Text: Claudia Füssler
Bilder: Raffael Waldner  / 13 Photo

«Wir mussten uns als Familie erst einmal an die neue Situation gewöhnen, als Elena vor bald zwei Jahren in die Schule kam. Sie hatte sich darauf gefreut, vor allem auf die Hausaufgaben. Doch das ist recht schnell vorbei gewesen. Es ist ihr nicht leichtgefallen, sich auf die Aufgaben zu fokussieren, das war für sie enorm frustrierend.

Wir haben uns in einem Balanceakt versucht: Elena motivieren und bei der Stange halten, uns aber gleichzeitig nicht zu sehr in die Aufgaben einmischen und helfen. Nach einem Eltern­gespräch war klar, dass Elena vor allem mit der Konzentration Mühe hatte. Wir haben daraufhin überlegt, wie wir ihr helfen können, und ein paar Regeln aufgestellt, damit sie in Ruhe ihre Aufgaben machen konnte. Dazu gehörte etwa, dass niemand reden durfte, wenn Elena am Esstisch in der Küche sass und Schreiben oder Rechnen übte. Das war eine Herausforderung, vor allem für ihren zwei Jahre jüngeren Bruder Henry oder auch den telefonierenden Vater. Elena aber half das. Dann machte sie einen Entwicklungssprung und plötzlich lief alles viel besser. Vielleicht musste sie erst einmal richtig ankommen in der Schule.

Jetzt, in der zweiten Klasse, hat der Aufwand an Hausaufgaben zugenommen und wir begleiten Elena so eng, wie es eben geht, wenn beide Eltern berufstätig sind. Es gibt nun häufiger Hausaufgaben, die längerfristig sind. Das gibt ihr bestimmte Freiheiten, sich das einzuteilen, setzt aber auch ein gewisses Mass an Selbständigkeit voraus, da lernen wir gerade alle noch. Elena hat aber auch schon verstanden, dass sie lieber frühzeitig alles fertig macht, damit sich nicht im Laufe der Woche alles ansammelt und sie dann unter Druck kommt.

«Elena zu helfen, sich als Eltern aber doch nicht zu sehr einzumischen, ist ein Balanceakt.»

Zusätzlich zu den Hausaufgaben üben wir manchmal mit Elena. Lesen zum Beispiel. Vergangenes Jahr hatte sie wohl einige Wachstumsschübe und war oft müde, da war Lesen einfach nur anstrengend und sie hatte keine Lust. Also habe ich ein spannendes Buch genommen und einen Deal mit ihr gemacht: Elena konnte sich jeweils ein neues vorgelesenes Kapitel ‹erkaufen›, indem sie vorher selbständig etwas las. Sind Lernkontrollen angekündigt, üben wir vorher ebenfalls zu Hause. Vor allem Rechnen macht Elena aktuell Spass, sie hat dabei schneller sichtbare Erfolgserlebnisse als beim Lesen oder Schreiben. Es motiviert sie, wenn im Rechentraining auf Zeit gerechnet wird und danach die Punkte eingetragen werden. Sie ist nach jedem Üben besser. Dass man sich auch anstrengen muss, um gut zu werden, lernen wir gerade. Wir achten zudem möglichst darauf, dass die körperlichen Voraussetzungen stimmen: satt, entspannt und nicht zu müde – dann lernt es sich am besten.»

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Claudia Füssler
arbeitet als freie Wissenschaftsjournalistin. Am liebsten schreibt sie über Medizin, Biologie und Psychologie.

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