Mein Lehrer, das Baby

Die kanadische Organisation «Roots of Empathy» möchte Primarschülern mehr Einfühlungsvermögen vermitteln und dadurch Aggressionen abbauen. 
Mit Erfolg, wie eine Schweizer Studie belegt. Doch einen Haken hat die Sache, 
sagt Studienleiter und Autor David Lätsch. 
Das Spiel geht in die zweite Runde. Es ist der entscheidende Moment: Wie verhalten sich die Kinder, fair oder egoistisch? Die Fünftklässler sind aufgeregt, reden durcheinander. Als Studienleiter haben wir unsere liebe Mühe, für Ruhe im Klassenzimmer zu sorgen. Ein Bub in der ersten Reihe schaut auf das Blatt seines Nachbarn, während hinten zwei Mädchen tuscheln. «Jeder für sich, bitte!», ruft meine Kollegin in die Klasse und stellt sich vor den Buben, der den Wink versteht: Er blickt geradeaus auf sein Pult, auf die Blätter, die vor ihm liegen. Es kehrt Ruhe ein.

Was hier gespielt wird, nennt sich «Trust Game», Vertrauensspiel. Es wurde von Ökonomen erfunden, überall auf der Welt hat man es eingesetzt, allerdings erst selten bei Kindern. Zunächst geht es darum, das Vertrauen der Mädchen und Buben in die Uneigennützigkeit ihrer Mitspieler zu testen. Dann erhalten alle Kinder 20 Taler. Jetzt steht ihre eigene Uneigennützigkeit auf dem Prüfstand: Behält ein Kind den Grossteil der Taler für sich oder teilt es die Taler zwischen seinem Mitspieler und sich selbst gerecht auf? Ihre Entscheidung teilen uns die Kinder anonym auf den ausgeteilten Blättern mit. Konzentriert machen sie ihre Kreuze.
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