Wenn die Schulbank drückt

Jeden Morgen Bauchschmerzen, Kopfweh, Übelkeit – Kinder mit Schulangst leiden. Die gute Nachricht: Werden die Alarmsignale rechtzeitig erkannt und richtig gedeutet, ist in drei von vier Fällen schnelle Besserung möglich.  
Als ihn der Lehrer vor der ganzen Klasse einen Hohlkopf schimpfte, hatte Thomas endgültig die Nase voll. Der Achtjährige rannte aus dem Unterricht schnurstracks zur Mutter nach Hause und schwor, nicht in die Schule zurückzukehren. Und so kam es. Er besuchte nie wieder eine der üblichen Bildungseinrichtungen – weder die Dorfschule noch ein Gymnasium oder gar eine Universität – und wurde dennoch einer der genialsten Erfinder aller Zeiten: Thomas Alva Edison (1847–1931).
Viele Kinder wären froh, wenn sich ihre Mütter ein Beispiel an Frau Edison nähmen und ihre Schulverweigerung einfach akzeptierten. Einen Gefallen täten die Eltern ihnen mit einer Ausschulung jedoch nicht. Einmal abgesehen davon, dass Heimunterricht in Deutschland und in manchen Schweizer Kantonen gar nicht erlaubt ist, bleibt eine Karriere vom Tellerwäscher zum Mil­lionär à la Edison ein Wunschtraum – auch in Ländern wie den USA oder Österreich, wo nur Unterrichts- statt Schulpflicht besteht. In der Schweiz kann nicht jeder, der will, seine Kinder zu Hause unterrichten. Jeder Kanton hat variierende Auflagen. Im Kanton Zürich muss man ausgebildeter Lehrer sein, im Tessin ist es wiederum gar nicht erlaubt. In Bern, dem Aargau, der Waadt oder Appenzell Ausserrhoden dürfen auch Eltern ohne Lehrdiplom unterrichten.

Geschätzte fünf bis zehn Prozent aller Kinder und Jugendlichen in Deutschland leiden unter allgemeiner Schulangst. Das entspricht 600.000 bis 1,2 Millionen Schülern. In der Schweiz will gemäss einer Studie aus dem Jahr 2009 jedes zehnte Kind nicht in die Schule, weil es sich vor Leistungsdruck und Mobbing fürchtet – Tendenz steigend. Insgesamt sind mehr Jungen als Mädchen betroffen. Unter den Kindern, die vom Kindergarten in die Primarschule und später auf weiterführende Schulen wechseln tritt das Phänomen besonders häufig auf. Nicht alle stecken einen neuen Lebensabschnitt mit neuen Herausforderungen leicht weg.
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