Wenn die Schul-Software Schwänzer verrät... - Das Schweizer ElternMagazin Fritz+Fränzi

Wenn die Schul-Software Schwänzer verrät…

Unsere Autorin, eine angehende Sek-II-Lehrerin, schreibt eine Polemik darüber, wie Kinder mit einer neuen Administrations-Software im Kanton Baselland in der Schule an ein Leben in totaler Überwachung gewöhnt werden. Eine gute Nachricht für alle Helikoptereltern?
SAL, die Schuladministrationslösung:  Was Lehrpersonen eine Lösung verspricht, kann auch zur Überwachung der Schülerinnen und Schüler dienen und verleitet zu professionellem Rätschen. Das Administrationstool, welches seit rund einem Jahr an den Baselbieter Sekundarschulen obligatorisch ist, verlangt von den Lehrerinnen und Lehrern, dass sie alle Noten und Absenzen der Schülerinnen eintragen. Und: Die Eltern haben Zugriff auf diese Daten.

Klar, so eine SAL kann man praktisch finden, und mit solchen Argumenten wurde es auch eingeführt: «Schaut her, nun könnt ihr online den Computerraum reservieren! Toll!» 

Aber Überwachung kommt immer freundlich daher und die Freundlichkeit kann sich als Trojanisches Pferd erweisen. SAL enthält nämlich auch eine besonders fragwürdige Spalte: Beobachtungen. Darin können Lehrkräfte vermerken, wie sich Jan heute so angestellt hat in der Schule. Wenn die Lehrperson das freigibt, können die Eltern von Jan auch diese Spalte lesen. «Du hast mit deinem Banknachbar geredet?! Pfui! Du hast statt effizient zu arbeiten ein bisschen zu lange aus dem Fenster geschaut? Wehe Dir, das schreib ich auf!»

Lehrpersonen, die schon immer lieber über ihre Schülerinnen und Schüler gelästert haben, als deren guten Ruf zu verteidigen, haben nun das passende Tool und die Legitimation von ganz oben dafür. Noch ist das Ausfüllen der Beobachtungsspalte  freiwillig und nur die besonders rätschigen und zum Denunziantentum neigenden Lehrpersonen schreiben bisher da was rein. Lehrpersonen, die in vorauseilendem Gehorsam jede Spalte ausfüllen, würden das wahrscheinlich auch dann tun, wenn nach der vermuteten sexuellen Orientierung gefragt würde. Diese dürfte die Eltern schliesslich auch brennend interessieren.
 
Die mühsamen Seiten der Schüler werden nun also nicht mehr im Lehrerzimmer besprochen, und gehen dann  wieder vergessen. Nein, jetzt kann es einen offiziellen Eintrag geben, den Mama und Papa auch sofort per Mausklick anschauen können. Liebloser geht immer. 
Artikel kostenlos weiterlesen

Registrieren Sie sich gratis und profitieren Sie:

  • Begrüssungsgeschenk: Wahl aus 150 Angeboten
  • Unbegrenzter Zugriff auf über 2’000 Artikel
  • Artikel merken und Lesezeichen speichern
  • Elterntipps und wertvolle Unterstützung
  • 100% kostenlos für Sie
Jetzt Registrieren