Desktop aufschieben organistaion post it
Lernen

Vier Tipps gegen das Aufschieben

Schieben Sie wichtige Aufgaben vor sich her, weil Sie einen riesigen Berg vor sich sehen? Legen Sie sich alle möglichen Ausreden zurecht? Sie sind nicht allein. Und bereits ein paar einfache Kniffe können helfen, ins Tun zu kommen.  
Text: Fabian Grolimund
Der Anfang ist immer am schwersten. Das weiss jeder, der vor einer schwierigen Aufgabe steht. Haben wir den Einstieg einmal gefunden, wird alles leichter. Und manchmal fragen wir uns hinterher, weshalb wir diese Kleinigkeit so lange vor uns hergeschoben haben.
Es gibt daher einen einfachen Trick, um unserem inneren Schweinehund ein Schnippchen zu schlagen: Machen Sie sich den Anfang so leicht wie möglich!

Starten Sie mit einer Mini-Teilaufgabe, um einen Fuss in die Tür zu bekommen. Nehmen Sie sich nicht vor, den Dachboden auszuräumen. Nehmen Sie sich lediglich vor, 15 Minuten die alten Bücher oder Zeitschriften zu sortieren und ein paar Sachen ins Altpapier zu werfen. Oder füllen Sie lediglich die erste Seite der Steuererklärung aus, indem Sie Ihre Personalien eintragen.
 
Sobald Sie den ersten Schritt gemacht haben, bekommen Sie einen kleinen Energieschub, der Ihnen hilft, mit der Aufgabe fortzufahren – noch am gleichen Tag oder am nächsten.

Tipp 1: Würdigen Sie die kleinen Schritte

Einen der häufigsten Sätze, die ich von Menschen höre, die oft aufschieben, lautet: Das lohnt sich doch gar nicht! Schülerinnen und Schüler meinen: «In einer Stunde kommt der Bus – da lohnt es sich nicht mehr, noch mit dem Lernen zu beginnen», und Studierende sind der Überzeugung: «Wenn ich nicht einen ganzen Nachmittag Zeit habe, um an der Bachelorarbeit zu schreiben, komme ich sowieso nicht mehr in den Schreibprozess rein.» 

Das stimmt nicht. Sich für kurze Zeiträume mit einer Arbeit auseinanderzusetzen, ist ausgesprochen effektiv. Eine Schülerin, die im Laufe einer Woche viermal für zehn Minuten Französischvokabeln ge­­lernt und wiederholt hat, hat sich besser auf die Vokabelprüfung vorbereitet als ihre Kollegin, die einmalig eine Stunde damit zugebracht hat. Und der Student, der sich im Vorfeld 20 Minuten Zeit genommen hat, um sich ein paar Gedanken über die nächsten Absätze seiner Seminar­arbeit zu machen und seine Überlegungen in Form einiger Notizen festgehalten hat, wird danach viel leichter den Einstieg ins Schreiben finden als sein Kollege, der auf ein leeres Blatt starrt. 

Tipp 2: Freuen Sie sich über Fortschritte

Je unangenehmer eine Arbeit ist, desto eher schieben wir sie auf. Oft sorgt aber nicht die Tätigkeit selbst für unsere negativen Gefühle, sondern unsere Gedanken darüber. Menschen, die häufig aufschieben, neigen dazu, sich für ihre Arbeit selbst abzuwerten. Sie beschimpfen sich, weil sie «wieder nicht das geschafft haben, was sie sich vor­genommen haben», weil «alles Mist ist», was sie schreiben, oder weil sie zu langsam und «alle anderen eh viel schneller» sind.
 
Je mehr wir lernen, uns über unsere Arbeit und auch kleine Fortschritte zu freuen, desto leichter fällt es uns, beim nächsten Mal den Einstieg zu finden. Eine Studentin, die eine halbe Seite für ihre Bachelorarbeit geschrieben hat, könnte sich dafür schelten, dass sie wieder nur eine halbe Seite geschafft hat. Sie könnte aber auch denken: «Super, eine halbe Seite weiter. Wenn ich in diesem Tempo weiterschreibe, schaffe ich die gesamte Arbeit in 80 Tagen!» Welcher Gedanke wird wohl eher dafür sorgen, dass sie am nächsten Tag weiterschreibt?

Wer das Aufschieben überwinden möchte, sollte sich schon alleine dafür, dass er sich für eine kurze Zeit seinem inneren Gegner gestellt hat, selbst auf die Schulter klopfen. Sie haben sich auf den Dachboden gewagt und ein paar Sachen aufgeräumt, anstatt gleich klein beizu­geben? Geniessen Sie es und seien Sie stolz darauf – und schon fühlen Sie sich beim nächsten Anlauf zuversichtlicher.

Anzeige
0 Kommentare

Zugehörige Tags

Hat Ihnen unser Artikel gefallen? Unterstützen Sie unser Engagement für Eltern mit einer Spende!

Diesen Artikel kommentieren