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Kindergarten

Kindergartenkinder und Medien: 6 Fragen und Antworten

Die digitale Welt ist längst Teil unseres Erwachsenenlebens. Für Kindergartenkinder ist der Medienkonsum jedoch keineswegs selbstverständlich. Eltern sollten den Umgang ihrer Kinder mit Handy und Co. regelmässig überdenken und überprüfen. Die Medienpädagoginnen Eveline Hipeli und Bo Reichlin liefern Denkanstösse für sechs konkrete Situationen.
Text: Florina Schwander
Bild: Niki Boon

1. Darf das Handy als Zeitfüller benutzt werden?

«Ich fahre mit meiner Tochter, 4, und einer befreundeten Mutter Tram. Während der Fahrt schaut sich ihr gleichaltriger Sohn auf dem Handy der Mutter Familienfotos und -videos an. Er war damit so beschäftigt, dass er mit uns kein Wort mehr gesprochen hat. Seitdem verlangt meine Tochter im Tram jedes Mal auch mein Handy. Soll man einem Kind das Handy als Zeitfüller geben?»

Eveline Hipeli antwortet:

Grundsätzlich gilt: Je jünger das Kind, desto unwichtiger sollten digitale Geräte sein. Bei Kindern unter 10 Jahren sollten sie im Alltag nur eine geringe Rolle spielen. Kinder haben in diesem Alter andere Bedürfnisse.

In der beschriebenen Situation im Tram hätte ich dem Bub kein Handy zur Ablenkung gegeben, da noch ein anderes Kind dabei war. Auch wenn es anstrengend ist: Eltern sollten dafür sorgen, dass die Konkurrenzangebote interessanter sind als das Handy. Aus dem Fenster schauen oder «Ich sehe was, was du nicht siehst» spielen zum Beispiel. Kinder im Tram sollen miteinander interagieren. Und nicht jedes für sich in ein Handy starren.

2. Bei einer Party mit Kindern: ein Spielfilm als Babysitter

«An einem Brunch bei Freunden durften die Kinder einen Pixar-Film (FSK 0) schauen. Die anderen Eltern unterhielten sich am Tisch. Unsere Kinder (3 und 6 Jahre alt) haben den Film nicht verstanden und kamen mit Fragen zu uns. So setzten wir uns schliesslich mit ihnen hin, statt in Ruhe zu essen und mit unseren Freunden zu plaudern. Das hat uns sehr geärgert. Ab wann können Kinder längere Filme schauen? Und sollen Kinder diese ohne Begleitung schauen dürfen?»

Eveline Hipeli antwortet:

Ein klassischer Fall von «gut gemeint, aber schlecht umgesetzt». Die Gastgeber hätten die Eltern im Vorfeld über den Film informieren müssen. Zudem wird die Altersfreigabe oft missverstanden. Die freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft FSK sagt nichts über die pädagogische Eignung eines Films aus und heisst nicht, dass Kinder ab 0 Jahren diesen Film sehen sollen. Bei FSK geht es nur um den rechtlichen Rahmen. Auch mit FSK 0 gekennzeichnete Filme können «gfürchige» oder missverständliche Inhalte beinhalten, die ein Kind nicht verarbeiten kann. 
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Lange Filme sind für kleine Kinder völlig ungeeignet. Auch wenn Kindergartenkinder bei einem Trickfilm sitzen bleiben, heisst das noch nicht, dass sie alles verstanden und verarbeitet haben. Je jünger ein Kind, desto wichtiger ist es, dass eine erwachsene Bezugsperson mitschaut und bei Fragen zur Stelle ist. Kinder im fortgeschrittenen Primarschulalter können längere, von Eltern ausgewählte Filme alleine oder mit Freunden anschauen – und diese ganz anders entschlüsseln.

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3. Fernsehen bei der Tagesmutter

«Wir hüten in der Nachbarschaft als informelle Tagesmütter gegenseitig die Kinder. So geht meine Tochter, 5, einmal die Woche zu einer Freundin. Diese hat eine ältere Schwester, die regelmässig fernsehen darf. Nur zu gern schaut meine Tochter mit. Eigentlich möchte ich das nicht, weil ich aber auf diese Betreuung angewiesen bin, schweige ich. Ist das klug?»

Eveline Hipeli antwortet:

Ich rate, das Thema TV auf jeden Fall anzusprechen. Im Bewusstsein, dass in anderen Haushalten andere Regeln gelten können. Eventuell kann die ältere Schwester ihre Sendung in einem anderen Raum ansehen, damit die jüngeren Mädchen ohne Ablenkung etwas anderes spielen können? Andernfalls gibt es die Möglichkeit, gemeinsam mit den drei Kindern in die Bibliothek zu gehen und eine altersgerechte DVD auszuleihen.

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