Sorgen oder Freude vor dem Schulstart
Familienleben
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Ellen: Das wird eine sehr grosse Herausforderung in der Schule. Meine Stellen-Partnerin und ich haben das Schulzimmer total umgestellt, so dass niemand zu nahe sitzt, und wir uns auch zwischen den Bänken bewegen können, ohne jemandem zu nahe zu kommen. Am Boden haben wir mit Klebband Markierungen angebracht. Zudem haben wir Böxli aufgestellt, in die die Kinder ihre Aufgaben legen, dort bleiben sie zwei Tage, bis sie korrigiert werden. Die Schule hat Visiere bestellt für den Gesangsunterricht. Nach jedem Halbtag werden die Pulte desinfiziert. Ich bin sehr froh, dass wir in Halbklassen unterrichten – nur schon, weil die zwei Lavabos in unserem Schulzimmer kaum für 24 Kinder ausreichen. Trotz all dieser Massnahmen freue ich mich sehr, wieder vor den Kindern zu stehen und direktes Feedback zu erhalten, statt Online-Monologe zu halten.

Svenja: Ich freue mich mega auf die Schule. Ich kann zwar meine Freundinnen nicht umarmen, aber nur schon, sie «live» zu sehen ist cool. Gruppenchats per WhatsApp sind halt nicht das Gleiche. Ausserdem lerne ich viel lieber im Klassenzimmer als allein in meinem Zimmer. Es ist viel einfacher, wenn man direkt eine Frage stellen kann, wenn man nicht drauskommt, statt auf eine Präsenzzeit des Lehrers zu warten. 

Lena: Das stimmt. Im Unterricht hat man den direkten Austausch mit Lehrern und Mitschülern. Zu Hause kann man sicher mal die Eltern fragen oder googeln, aber da ist man auch nicht immer sicher, ob es richtig ist.

Christoph: Ich denke, sozial gesehen, ist es für Svenja wichtiger, dass sie nochmal zur Schule kann als für dich, Lena. Sie ist in der 6. Klasse, im Sommer wird diese Klasse auseinandergehen, und es wäre traurig gewesen, hätten sie das Schuljahr im Fernunterricht beenden müssen. Zumal ja schon das Klassenlager, Ausflüge und Sporttage wegfallen.

Ellen: Ich finde es wichtig, dass wieder ein Stück Alltag zurückkehrt, besonders für Kinder. Sie brauchen Austausch mit Gleichaltrigen, ein bisschen Spass, ein Leben ausserhalb ihres Zimmers.

Svenja: Es ist ja nicht so schwierig, die Vorsichtsmassnahmen umzusetzen. Es ist eine Gewohnheitssache, zum Beispiel vor dem Znüni die Hände zu waschen. 
Als Lehrerin muss ich gestehen, dass die Krisenzeit auch Vorteile hat. 
Ellen:  Als Lehrerin muss ich gestehen, dass die Krisenzeit auch Vorteile hat. Die Eltern – und vor allem auch die Väter – bekamen einen Einblick in den Schulalltag ihrer Kinder, und viele merken, dass Kinder zu unterrichten gar nicht immer so einfach ist. Ich habe sehr viel positives Feedback bekommen. Ich glaube, die Wertschätzung unserer Arbeit ist gestiegen. Das ist schön. 

Christoph: Und ich denke, dass sich technisch einige Möglichkeiten gezeigt haben für Schule und Job, die man auch künftig nutzen könnte.

Ellen: Stimmt. Ich merke, dass ich selbst offener geworden bin diesen Möglichkeiten gegenüber. Ich fand es eigentlich immer furchtbar, wenn schon kleine Kinder am iPad hängen, aber eigentlich ist der Unterschied ja nicht so gross, ob sie jetzt Aufgaben ausgedruckt oder am Bildschirm lösen. Im Gegenteil, es spart eine Menge Papier. 

Lena: Ich finde es auch einfacher, eine Aufgabe im Teams hochzuladen statt als Papier abzugeben. Auch wenn ich im Moment fast dankbar dafür wäre, in der Schule ein Papier abzugeben!

Svenja: Ja, das ist schon komisch. Ich hätte nie gedacht, dass ich mich mal so auf die Schule freuen würde.  
* Wir haben die Namen der Familie abgeändert, die vier möchten nicht ergoogelbar sein. Namen der Redaktion bekannt. 

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