Wie bleibt man ruhig im Familienalltag? - Das Schweizer ElternMagazin Fritz+Fränzi

Wie bleibt man ruhig im Familienalltag?

Wie reagiert man gelassen, wenn der Familienalltag einen mal wieder an seine Grenzen bringt? Leider ist die Fähigkeit, sich selbst zu beruhigen, nicht ­angeboren. Die gute Nachricht: Sie kann erlernt werden, sagen Experten.

Text: Birgit Weidt
Bild: istockphoto

Was Wichtigste zum Thema:

Dicke Lehmklumpen bröseln von den dreckigen Fussballschuhen auf den Teppich. Seelenruhig schlurft der Elfjährige ins Wohnzimmer. Die Mutter brüllt ihm hinterher: «Daaas-glaube-ich-jetzt-nicht!» Der Junior unter seinen Kopfhörern ist von der Welt abgeschirmt, reagiert nicht. Seine Mutter lässt sich verzweifelt aufs Sofa fallen.

Natürlich lieben wir unsere Kinder, aber genau deshalb können sie uns auch richtig auf die Palme bringen. Am Morgen? Ein Flehen: mehr Müsli, mehr Milch! Ist die Schale voll, bleibt sie unangerührt stehen. Aufgeräumtes Spielzeug? Ist nach Millisekunden wieder in der Wohnung verteilt. Halbwegs pünktlich loskommen? Grenzt an ein Wunder.

Kleine Kinder fordern Stressreduktion ein: Sie suchen körperliche Nähe, strecken die Arme aus und wollen hochgehoben werden.

Es ist zum Mäusemelken. Zum Ausrasten. Aber genau das will man ja nicht. Möchte sich im Griff haben. Doch da wird getrödelt, gejammert, Wichtiges liegen gelassen oder verloren, Gutgemeintes nicht gewürdigt, alles besser gewusst, wütend herumgeschrien. Die Liste lässt sich fortsetzen. Wie will man da als Mutter oder Vater die Ruhe bewahren? 

Zunächst ein Fakt zur Selbstentlastung: Unsere unkontrollierten Ausraster und Schimpfgewitter sind eine List der Natur. Damit wir nicht lange nachdenken müssen, wenn der Stresspegel steigt, greift unser Gehirn auf Strategien zurück, die eine geringe gedankliche Leistung erfordern. Damit ist gewährleistet, dass wir schnell reagieren, nicht erst alle Für und Wider abwägen, sondern sofort handeln. Erst wenn das Erregungslevel sinkt, ist es möglich, wieder jene Bereiche zu aktivieren, die für überlegte Entscheidungen zuständig sind. Gelassen und besonnen zu bleiben in Situationen, die uns zur Weissglut bringen, diese Fähigkeit war evolutionsgeschichtlich eben nicht vorgesehen. Eine Lücke im System, fehlt einfach. Das gilt natürlich nicht als Entschuldigung für jegliche Tobsuchtsanfälle, erklärt aber einiges.

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