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«Selbstfürsorge ist so wichtig!»

Lesedauer: 2 Minuten

Anita Bucher*, 40, hat fünf Kinder im Alter von 1 bis 14 Jahren. Die seit Kurzem alleinerziehende Mutter ist stark gefordert. Selbstfürsorge und klare Regeln sind für sie wichtig, damit sie ihren Alltag meistern kann.

Aufgezeichnet von Birgit Weidt
Bild: Adobe Stock

«Bei fünf Kindern braucht es klare Strukturen, und dennoch haben meine vier Töchter und mein Sohn kreativen, freien Raum für ihre individuelle Entfaltung. Das hinzubekommen, ist immer wieder herausfordernd. Zum Beispiel, wenn wir schwimmen gehen: Die Kleinen dürfen nur am Strand planschen und nicht weiter ins Wasser gehen, die Grösseren wollen schwimmen, die Älteste vom Sprungturm springen, und auch ich möchte meine Bahnen ziehen. Das geht nur, wenn ich Unterstützung habe. In meinem Fall durch eine sozialpädagogische Familienbegleitung oder durch Freunde.

Ohne feste Strukturen und klare Grenzen würde unser Familienleben nicht funktionieren.

Anita Bucher*

Ich bin seit Kurzem und auf unbestimmte Zeit alleinerziehend, da mein Mann psychisch erkrankt ist und in einer Klinik behandelt wird.

In der ­Vergangenheit haben viele grenzüberschreitende Situationen im Familienalltag meinerseits zu einer enormen Erschöpfung geführt, bis ich merkte, es bedarf fester Regeln, um nicht unter­zugehen.

Die sozialpädagogische Familien­begleitung und eine Haushaltshilfe unterstützen mich im Alltag, ermöglichen, dass ich einen Tag pro Woche jeweils ganz für die Kleinen oder nur für die Grossen da bin. Ohne feste Strukturen und klare Grenzen würde unser Familienleben nicht funktionieren.

Einerseits erfahren die Kinder dadurch Halt, andererseits lebe ich ihnen vor, wie ich mich um sie und gleichzeitig auch etwas um mich selbst kümmere.

Oft hatte ich früher das Gefühl, ich bliebe auf der Strecke, hatte aufgrund der hohen Belastung als fünffache Mutter meine Bedürfnisse fast ­vollständig ignoriert, bis ich einsah, dass ich langfristig nicht für die Familie da sein kann, wenn ich nicht auch für mich sorge.

Elternnotruf Hotline Fritz+Fränzi

Fällt es Ihnen manchmal schwer, zu ihren Kindern Nein zu sagen und Grenzen zu ziehen? Führt dies mitunter zu Konflikten im Familienalltag und wünschen Sie sich konkrete Unterstützung? Schicken Sie Ihre Fragen dem Elternnotruf: 24@elternnotruf.ch.

Ausserdem stehen Ihnen am Dienstag, 8. November 2022, zwischen 17 – 23 Uhr, zwei Fachleute zur Verfügung.

Hotline 044 365 34 00

Yvonne Müller: Sozialarbeiterin, Beraterin und Supervisorin. Sie ist Mutter eines Teenagers.

Chantal Plaar: ist Heil- und Sozialpädagogin sowie Psychotherapeutin. Sie ist Mutter von drei Teenagern.

 

Ein Beispiel: Wenn mein Kleiner mit mir malen will, ich jedoch völlig erschöpft bin, versuche ich, unsere Bedürfnisse zu verbinden.

Dann lege ich mich etwa mit der Kleinsten im Arm aufs Sofa, mein Sohn zeichnet am Couchtisch und die Mädchen gesellen sich zu uns und üben Geige. So sind wir alle beisammen und jeder kann tun, was er gerade machen möchte, was ihm guttut.

Oft bin ich aber so platt, dass ich gar nichts machen kann und meine grosse Tochter einspringt und das Kommando übernimmt. Das ist hilfreich, stresst mich aber, da sie nicht den Part der Mutter übernehmen sollte.

Meine Erfahrung: Je zuverlässiger Grenzen gesetzt werden, desto besser können sie verinnerlicht und eingehalten werden.

Anita Bucher*

Doch gleichzeitig erlebe ich dann, wie sie ihren Geschwistern Grenzen setzt und mich schützt: ‹Mama muss sich ausruhen, jetzt bestimme ich.› Das gibt Aufruhr, aber sie meistert die Sache und ist konsequent. Das hat sie sich von mir abgeguckt, was mich stolz macht.

Meine Erfahrung: Je zuverlässiger Grenzen gesetzt werden, desto besser können sie verinnerlicht und eingehalten werden. Das ist Teil meiner Selbstfürsorge, um den Alltag zu bewältigen und Energiereserven zu schaffen.»

* Name von der Redaktion geändert

Birgit Weidt
Birgit Weidt ist Journalistin und Buchautorin und lebt in Berlin. Sie ist Mutter einer erwachsenen Tochter sowie Grossmutter.

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