Elternangst: Unser Thema im Oktober - Das Schweizer ElternMagazin Fritz+Fränzi
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Elternangst: Unser Thema im Oktober

Lesedauer: 2 Minuten

Mit einem Kind kommen stets Sorgen – was Mütter und Väter tun können, damit diese nicht zur Last für die Familie werden.

Chefredaktor Nik Niethammer stellt Ihnen das Dossier Elternangst und weitere Themen der Oktoberausgabe vor. Das neue Magazin erscheint am Mittwoch, 28. September 2022. Sie können das Heft auch online bestellen.

Text: Nik Niethammer
Bild: Joan Minder

Angst ist gut und gesund, sagt die Wissenschaft. Wer keine Angst verspürt, wird zum Psychopathen. Bis hierhin – alles klar. Wenn es um Kinder geht, wird es kompliziert. Es gibt kein Elternsein ohne Angst. Eltern schützen mit ihrer Angst ihr Kind. Gleichzeitig brauchen Kinder Schutz vor der Angst ihrer Eltern. Denn ängstliche Eltern haben oft ängstliche Kinder. Eltern, die in ständiger Sorge leben, beeinflussen die Entwicklung ihres Kindes negativ.

Wovor haben Eltern Angst? Wann ist Elternangst berechtigt? Und wann ist sie zu viel? Diesen Fragen geht Julia Meyer-Hermann im Dossier «Elternangst» nach. Die Angst vieler Eltern beschränkt sich längst nicht nur darauf, das Kind könnte vom Baum fallen, auf dem Schulweg verunglücken oder von einem Unhold ins Gebüsch gezerrt werden.

An Eltern, die sich ständig sorgen, richte ich den Rat: Machen Sie es wie Pippi Langstrumpf, die einst sagte: ‹Das haben wir noch nie probiert, also geht es sicher gut.›

Die Angst, die viele Eltern umtreibt, ist diffuser, geht tiefer: Es ist die Angst, nicht zu genügen. An den eigenen Erwartungen ans Elternsein zu zerbrechen. Es ist die Angst, dem Kind nicht gerecht zu werden, seine Fähigkeiten und Eignungen falsch einzuschätzen, ihm nicht die Werte ­vermitteln zu können, die es zu einem guten Menschen machen.

Es ist die Furcht, keine gute Mutter, kein guter Vater zu sein, seine Tochter, seinen Sohn beim Medienkonsum nicht klug zu begleiten, dem Kind zu wenig Aufmerksamkeit und Liebe zu schenken.

An Eltern, die sich ständig sorgen, richte ich den Rat: Machen Sie es wie Pippi Langstrumpf, die einst sagte: «Das haben wir noch nie probiert, also geht es sicher gut.» Vätern und Müttern, die sich fragen, ob die Elternsorge eines Tages weniger wird, sage ich: eher nein. Meine ­Mutter fragt mich noch heute jedes Mal, wenn wir uns sehen oder telefonieren, ob ich mich gesund ernähre und genügend schlafe. Meine Mutter wird im Oktober 91 Jahre alt.

Der Fall der 14-jährigen Ayleen aus dem deutschen Gottenheim, die im Chat des Online­games Fortnite ihren späteren Mörder, einen vorbestraften Sexualstraftäter, kennenlernte, hat mich als Vater von zwei Kindern (11 und 13) besonders betroffen gemacht.

Ich habe unseren Medienexperten Thomas Feibel um eine Einschätzung gebeten: Wie gefährlich sind Onlinegames? Wie leicht geraten Jugendliche im Chat mit Fremden in Kontakt? Und wie können Eltern ihr Kind vor den Gefahren im Netz schützen? Feibels wichtigste Aussage lautet: «Eltern müssen sich nicht selbst für Onlinespiele interessieren – aber für ihr Kind und seine Themen und Interessen im Netz.»

«Jedes Kind hat das Recht auf eine qualifizierte Lehrperson», schreibt Beat Schwendimann, Sekundarlehrer und Mitglied der Geschäftsleitung des Lehrerinnen- und Lehrerverbands LCH. Hand aufs Herz: Kennen Sie nicht auch qualifizierte Lehrpersonen, die den Beruf verfehlt haben, und Quereinsteiger, die dank Leidenschaft und dem Gespür für das lernende Kind grossartige Lehrerinnen und Lehrer sind?

Wie Mike Huss, der gerade zum Direktor einer Grundschule in Ione, Kalifornien, ernannt wurde. Er hatte diese Schule einst selber als Schüler besucht, später arbeitete er 14 Jahre als Schulabwart – und dann 19 Jahre als Lehrer. Als Abwart habe er sich mit den Schülern so gut verstanden, dass Lehrer ihn ermuntert hätten, die Karriere zu wechseln, erzählte Huss in der Sendung «Good Morning America». Seinem Sohn habe er zeigen wollen, dass man «im Leben immer wachsen» könne.

Wie denken Sie über das Thema «Personalnot in den Schulzimmern»? Ich freue mich auf Post von Ihnen.

Herzlichst,
Ihr Nik Niethammer

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Nik Niethammer
ist seit 2014 Chefredaktor von Fritz+Fränzi. Er ist Vater eines Sohnes und einer Tochter und lebt in Zürich und in Freiburg im Breisgau.

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