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Mediennutzung

Die Unausgeschlafenen

Wie beeinflussen digitale Medien den Schlaf von Schweizer Jugendlichen? Die ZHAW hat die Daten der JAMES-Studie untersucht, um Antworten auf diese Frage zu finden.
Text: Michael In Albon
Bild: Pexels
Schlafen ist ein Grundbedürfnis und wie Essen oder Mobilität dem Wandel der Zeit unterworfen. Kurt Tucholsky schrieb Anfang des 19. Jahrhunderts: «Gebt den Leuten mehr Schlaf – und sie werden wacher sein, wenn sie wach sind.» Seine Aussage scheint aktueller denn je: Unsere Gesellschaft gilt als schlaflos. Und damit auch unsere Kinder. Die Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften hat die Daten der Schweizer Studie zum Mediennutzungs- und Freizeitverhalten von 12- bis 19-Jährigen unter die Lupe genommen, um herauszufinden: Was schützt oder bedroht die Erholung von Jugendlichen? Welche Unterschiede punkto Einschlafzeit, Schlafdauer und gefühlter Erholung gibt es? Im Folgenden widerlege ich drei verbreitete Behauptungen und gebe einige Tipps.

Behauptung 1: Wer zu wenig schläft, schläft schlechter! 

So einfach ist das nicht. Denn Schlafdauer ist objektiv messbar, Schlafqualität nur subjektiv. Und Schlafmangel oder schlechte Schlafqualität können unterschiedliche Ursachen haben. Oft sind bei Jugendlichen verschiedene Faktoren dafür verantwortlich, interne Faktoren – die Pubertät, die Hormone – und äussere – ein früher Schulstart, sozialer Druck, Anforderungen der Schule oder des Lehrbetriebs. Darauf haben Jugendliche und ihre Eltern oft wenig Einfluss.

Behauptung 2: Wer länger schläft, ist erholter! 

Die JAMES-Zahlen bestätigen das nicht. Betreffend Schlafdauer und Gefühl des Erholtseins zeigen sich zwischen den Landesteilen Unterschiede: Obwohl Deutschschweizer Jugendliche am wenigsten schlafen, fühlen sie sich erholter als jene aus der Romandie. Und obwohl Tessiner und Westschweizer Jugendliche fast gleich lang schlafen, sind die Tessiner Jugendlichen erholter. Tucholsky wird also nicht bestätigt.

Behauptung 3: Medien im Kinderzimmer haben keinen Einfluss auf den Schlaf! 

Eher im Gegenteil. Sind Medien im Schlafzimmer präsent, werden sie auch stärker genutzt – nicht nur vor dem Einschlafen, auch tagsüber. Die beiden Aspekte beeinflussen sich gegenseitig: Wer am Tag Medien intensiv nutzt, tut das höchstwahrscheinlich auch vor dem Einschlafen. Das führt zu weniger Schlaf. Erstens, weil der Schlafbeginn dadurch nach hinten verschoben wird. Zweitens, weil Jugendliche aufgekratzt sind, wenn sie Medien bis kurz vor dem Einschlafen nutzen und danach nicht sogleich einschlafen. Und drittens, weil der Anteil an blauem Licht in den Bildschirmen dem Körper signalisiert: «Es ist Tag, bleib wach!»
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Gibt es einen Schutz vor fehlender Erholung? 

Ja, gibt es. Und so verhelfen Sie Ihrem Kind zu ausreichend Schlaf: Vor dem Schlafen: Lassen Sie Ihr Kind zur Ruhe kommen, indem es eine Stunde vor der Schlafenszeit alle Bildschirme herunterfährt. Damit schalten Sie auch gleich den schlafverzögernden Einfluss des blauen Lichts aus. Die JAMES-Studie zeigte zudem, dass sich Schweizer Jugendliche erholter fühlten, wenn sie vor dem Schlafengehen etwas mit der Familie unternommen oder Bücher gelesen haben.
Während des Schlafens: Ihr Kind schläft ungestört, wenn es alle mobilen Geräte ausschaltet oder in den Flugmodus stellt. Und es ist ratsam, dass Ihr Kind anstelle des Handys einen herkömmlichen Wecker verwendet. So verbannen Sie das Handy von seinem Nachttisch.

Die JAMES-Studie (Jugend, Aktivitäten, Multimedia – Ergebnisse Schweiz) führen die Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften ZHAW und Swisscom alle zwei Jahre durch.

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Michael In Albon ist Jugend-medienschutz-Beauftragter und Medienkompetenz-Experte von Swisscom. 
facebook.com/michaelinalbon
twitter.com/MichaelInAlbon 

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