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Medienerziehung

Die Frau als Männerfantasie

In Musikvideos werden Männer oft als potent und mächtig dargestellt, Frauen als ihnen untergeordnete Sexualobjekte. Kinder müssen lernen, diese Darstellung als das zu erkennen, was sie ist: eine Stereotypisierung. Wie Eltern sie dabei unterstützen können. 
Text: Michael In Albon
Bild: Youtube
Was ist typisch männlich? Was typisch weiblich? Jugendliche orientieren sich zur Beantwortung dieser Frage gerne an Musikvideos und vergleichen sich mit den darin gezeigten Männern und Frauen. Welche Welt wird ihnen gezeigt? Frauen sind in den Videos unterrepräsentiert, besungen werden sie dagegen oft. 

Nur sind sie dann meist dem Mann untergeordnet: Die Frau ist die Fantasie des Mannes. Wie beim Rapper Flo Rida, der vor breitbeinigen Frauen in Stringtangas singt, oder beim R&B-Sänger Robin Thicke, der halbnackten Frauen, die auf hohen Schuhen tanzen, den Rhythmus vorgibt. Die Kamera konzentriert sich auf Po und Brust und sie nimmt nur den Körper der Frau, ohne Kopf, ins Bild. 
«Die Medien definieren mit, wie Frauen und Männer sein sollen».
Medienexperte Michael In Albon
Grosse Unterschiede gibt es auch bei der Darstellung von Macht: Männer werden in verschiedenen Szenarien als Retter dargestellt – als Retter der Welt, von Tieren, anderer Männer und zahlreicher Frauen; die Macht der Frauen liegt meist darin, den Mann zu erregen oder wegzustossen. Man denke etwa an Miley Cyrus und ihr Twerking – ein Tanzstil, der darin besteht, dass in oft lasziven Posen mit dem Po gewackelt wird. 

Besonders stark zeichnet sich die Übersexualisierung in Hip-Hop-Videos ab, der Markt ist sexistisch dominiert. Für Jugendliche sind diese Rollenbilder wichtiges Lehrmaterial für die eigene Identitätsbildung. Die Medien definieren mit, wie Frauen und Männer sein sollen. Wie können Sie als Eltern dieses Bild zurechtrücken? 

Heilsamer Blick hinter die Kulissen

Unterstützen Sie Ihr Kind dabei, hinter die Kulissen der Musikvideos zu blicken. So lernt es, kritisch mit den dargestellten Stereotypen umzugehen und sein eigenes Körperselbstbewusstsein zu entwickeln und zu schützen. 

Bedenken Sie auch: Nicht alle Musikvideos sind schädlich für das Selbstbewusstsein, und ein Interesse an Musik und Tanz kann sich körperlich, mental und sozial positiv auswirken. Loben Sie deshalb gute Beispiele und tauschen Sie sich darüber aus, was gute Clips gut macht. 

Sprechen Sie darüber, wie die Videos wohl gedreht wurden und wer alles involviert war – von Drehbuchautoren über Visagisten, Kostümbildner bis zu den Menschen, die für die Spezialeffekte und die Kameraführung verantwortlich waren. Es gibt gute Beispiele unter den Musikvideos. Adele führt hier  einen Trend an: Sie meidet nackte Haut in ihren Videos und setzt stattdessen auf Persönlichkeit. Schauen Sie sich gemeinsam ihre Videos an und sprechen Sie darüber, was Adeles Musikvideos von denen anderer Künstler unterscheidet. 

Gemeinsam Musikvideos anschauen

Fragen Sie Ihr Kind, welche Videos es mag und welche es nicht leiden kann. Sprechen Sie über die Rolle der Männer im Vergleich mit der Rolle der Frauen – welche Botschaft wird hier vermittelt? Fragen Sie Ihr Kind, wie es sich beim Ansehen der Videos fühlt und welche Auswirkungen die Videos haben könnten.
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Auf Medienstark finden Sie Tipps und interaktive Lernmodule für den kompetenten Umgang mit digitalen Medien im Familienalltag. 

Zum Autor

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Michael In Albon ist Jugend-medienschutz-Beauftragter und Medienkompetenz-Experte von Swisscom.
facebook.com/michaelinalbon
twitter.com/MichaelInAlbon

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