Amokläufe: Wie unsere Medien neue Täter schaffen

Killerspiele, Migration, Männlichkeitsideale – unser Kolumnist, der Psychologe Fabian Grolimund, hat eine klare Meinung zur Frage, wer wirklich zu Amokläufen beiträgt.
Ich äusserte mich bis jetzt nie zu Themen in der Presse. Heute tue ich es, weil ich mich mit jedem Bericht mehr ärgere. Nach dem Amoklauf in München wird in den Medien wieder fleissig nach Gründen für solche Taten geforscht. Experten werden befragt und Journalisten basteln sich ihre Theorien zusammen. Sind es die Computerspiele? Die Migration? Eine falsch verstandene Männlichkeit, wie Bettina Weber in der Sonntagszeitung meint? Und was soll getan werden? Mehr Polizei? Mehr Aufklärung an den Schulen? Das Einzige, worüber in den Medien nicht geschrieben wird: Es sind die Medien selbst, die massgeblich zu Amokläufen beitragen.

Während über immer neue Details der Tat und über die Hintergründe ausführlich berichtet wird, und Millionen den Kopf schütteln, fühlen sich einige wenige inspiriert. Für sie sind die Täter Vorbilder, denen es nachzueifern gilt.

Während wir alle den Kopf schütteln, wenn wir die Zeitungsberichte lesen, sitzt in irgendeiner Wohnung ein Jugendlicher, der seit Jahren gemobbt wird. Vielleicht hat er mit dem Gedanken gespielt, sich das Leben zu nehmen und sieht plötzlich eine Möglichkeit, sich zu rächen und schneidet den Zeitungsbericht aus.
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