Wie Schulkinder sich schlauschlafen

Es ist für die Lernleistung wichtig, dass sich Kinder während der Nacht erholen. Denn im Schlaf regeneriert sich die Hirnfunktionalität, und Gedächtnisinhalte werden gefestigt.
Umfragen zeigen, dass viele Kinder bereits im Volksschulalter ein grosses Schlafdefizit aufweisen und eine bemerkenswerte Anzahl von ihnen unter Schlafproblemen leidet. Eine wesentliche Voraussetzung der individuellen Lerneffizienz eines Kindes ist seine Tages-befindlichkeit. Und diese steht wiederum in engem Zusammenhang mit der Erholsamkeit des Schlafes. Zudem erfüllt der Schlaf zwei für das Lernen wichtige Funktionen: die Regeneration der Hirnfunktionalität nach den Tagesbelastungen und die Festigung von neu gelernten Gedächtnisinhalten.

LERNINHALTE SPEICHERN IM SCHLAF

Lernen ist ein stufenweiser Prozess. Zunächst wird neues Material aktiv trainiert. Anschliessend werden neu gelernte Inhalte eingespeichert, was unter anderem im Schlaf passiert. Zu einem späteren Zeitpunkt können diese neuen, erfolgreich gespeicherten Informationen dann abgerufen werden.

Forschungsergebnisse zeigen, dass prozedurales Lernen – also das Erlernen und Einprägen von Fertigkeiten, Bewegungsmustern und körperlichen Abläufen wie Radfahren – vor allem im Rapid-Eye-Movement- oder REM-Schlaf stattfindet. Das deklarative Gedächtnis, also das Erinnern von Fakten und Episoden, geschieht im sogenannten Non-REM-Schlaf, in welchem Inhalte des deklarativen Gedächtnissystems reaktiviert und dadurch vom Kurzzeitspeicher (Hippocampus) in den Langzeitspeicher (Neokortex) des Gehirns transferiert werden.

Während dieses Prozesses treten spezielle Gehirnstrommuster, sogenannte Schlafspindeln, auf. Wir wissen heute, dass Anzahl und Stärke dieser Schlafspindeln die Gedächtnisleistung beeinflussen. Dieser Zusammenhang wurde bisher anhand von Untersuchungen mit Erwachsenen belegt. Wir konnten ähnliche Ergebnisse nun auch bei Schulkindern feststellen.

In einer Untersuchung mit 54 Salzburger Viertklässlern im Alter von acht bis elf Jahren forschten wir nach Zusammenhängen zwischen Schlafqualität und kognitiven Leistungen. Hierfür haben wir zuerst nach den Schlafgewohnheiten der Kinder gefragt, um mögliche den Schlaf störende Umweltfaktoren wie Licht, Lärm, Hitze oder Kälte auszuschliessen. Dann haben die Kinder an einem allgemeinen Test zu Intelligenz und emotionalen Fähigkeiten teilgenommen. Schliesslich haben wir ihre Schlafgewohnheiten eine Woche lang aufgezeichnet.

Die Kinder führten ein Schlaftagebuch und trugen einen sogenannten Aktigrafen, ein Messgerät von der Grösse einer Armbanduhr, das Daten über Bewegungsaktivitäten speichert. Während zwei Nächten wurde der Schlaf der Kinder mit einem mobilen Elektroenzephalografen zu Hause aufgezeichnet.
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