Ernährung

Proteinkonsum und Muskelwahn

Vor der Schule, in der Mittagspause, am Abend – Kraftsport kann zu jeder Zeit betrieben werden. Doch für starke Muskeln braucht es starke Nahrung. Fitness-Lebensmittel sind im Trend. Was bringen sie?
In Zusammenarbeit mit Betty Bossi

Text: Vera Kessens
Bild: iStock
Jonas isst zum Frühstück Magerquark mit Beeren, zum Znüni einen Becher Hüttenkäse und zum Zmittag folgt Poulet mit Reis. Zum Zvieri gibt es nochmals etwas Magerquark und zum Znacht den Eiweissshake nach dem Training. So oder ähnlich ernährt sich der 15-Jährige jeden Tag. Das Essen am Familientisch findet zwar statt, seine Mahlzeiten passt Jonas aber auf seine Bedürfnisse an. Und seine Bedürfnisse ist sind in erster Linie Muskelaufbau und Muskelerhalt. Das Sixpack im Sommer ist das Ziel. 

Verzerrte Körperwahrnehmung

Diesen Wunsch nach mehr Muskelmasse teilen viele andere Jugendliche, insbesondere Buben, mit Jonas. Bei einer Umfrage unter 400 Jugendlichen aus der Deutschschweiz stellte sich heraus, dass 60 Prozent der Mädchen den Wunsch äussern, schlanker zu sein und dafür auch schon eine Diät gemacht haben, während 77 Prozent der Buben sich mehr Muskeln wünschen. Etwa zwei Drittel von ihnen trainieren auch für diesen Wunsch.

Das Körperbild spielt in allen Altersgruppen eine grosse Rolle. Im Jugendalter ist es besonders wichtig, da sich der Körper aufgrund hormoneller Veränderungen sehr stark verändert. Zudem haben Jugendliche den grossen Wunsch, dazuzugehören und vergleichen sich dementsprechend stark mit Gleichaltrigen, insbesondere in den sozialen Medien.

Spannend zu beobachten ist, dass bereits sehr junge Buben schon sehr genau wissen, was es braucht, um mehr Muskeln zu bekommen. Es sind Kinder, die noch zu jung sind, um ins Fitnesscenter zu gehen oder zu wenig Geld haben, sich Fitness-Nahrungsmittel zu kaufen. Die Informationen holen sich die Kinder und Jugendlichen aus dem Internet. Bei der Suche nach mehr Muskeln gelangt man auf zahlreiche Internetseiten, wo Ernährungspläne, Trainingspläne, Trainingseinheiten und so weiter in Hülle und Fülle zu finden sind. 

Wann sollten Eltern sich Sorgen machen?

Für die Eltern von Jonas ist es nicht ganz einfach, das neue Verhalten ihres Sohnes zu deuten. Einerseits finden sie es toll, dass er sich mit der Ernährung und mit Sport befasst und diesen auch regelmässig in seinen Alltag integriert. Andererseits ist es anstrengend, dass Jonas so gar nicht mehr am gemeinsamen Essen teilnimmt, sondern immer eine «Extrawurst» bekommt. 

Diese Ambivalenz spüren viele Eltern und wissen nicht so recht, ob das Verhalten ihres Kindes noch normal ist. Da diese Fitness- beziehungsweise Muskelsucht noch ein eher neues, aber immer häufiger beobachtetes Phänomen ist und auch sehr unterschiedlich verlaufen kann, gibt es noch eine grosse Unsicherheit im Umgang damit. Wenn Sie sich als Eltern unwohl fühlen und eine besorgniserregende Verhaltensänderung bei Ihrem Kind feststellen, kann es sich lohnen, das Gespräch mit anderen Müttern und Vätern zu suchen oder eine Fachstelle aufzusuchen.

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