Hilfe, mein Kind hat Fieber!
Arztbesuch

Hilfe, mein Kind hat Fieber!

Kinder fiebern deutlich schneller und höher als Erwachsene. Das macht Eltern oft Angst. Dabei ist Fieber eine natürliche Reaktion des Körpers, um krankmachende Erreger zu bekämpfen. Wie Eltern sich in konkreten Fieber-Fällen verhalten sollten, was fiebersenkende Mittel und Antibiotika bringen und welche Hausmittel helfen.
Text: Anja Lang
Bild: iStockphoto
Annas Stirn glüht. Die Siebenjährige wirkt blass und schläfrig. Das Fieberthermometer zeigt 39,6 Grad. Annas Mutter ist besorgt und gibt ihrer Tochter schnell einen Fiebersaft, um die Temperatur zu senken. Dann packt sie die Kleine ein und fährt mit ihr zum Kinderarzt.

So oder ähnlich reagieren viele Eltern, wenn ihr Kind Fieber hat. «In den Kinderarztpraxen, aber auch in den Notfallambulanzen ist Fieber von Kindern einer der häufigsten Gründe für den Arztbesuch», weiss Dr. Benedikt Huber, leitender Arzt des Zentrums für integrative Pädiatrie am Kantonsspital Fribourg. Dahinter steckt sehr oft die Angst der Eltern, das Fieber könnte unkontrolliert ansteigen, dem Kind schaden und im Extremfall sogar zum Tod führen. «Das ist ein irrwitziger Mythos, der sich leider sehr hartnäckig hält», so Huber.
Fieber ist eine gesunde Schutzreaktion, um den Heilungsprozess des 
 Körpers aktiv zu unterstützen.
Normalerweise liegt die Körpertemperatur bei Kindern im Schul­alter zwischen 36,5 und 37,4 Grad Celsius und ändert sich im Laufe des Tages nur geringfügig. Gesteuert wird die Wärmebildung im Gehirn, das über verschiedene fein abgestimmte Mechanismen wie etwa Schwitzen und Frieren dafür sorgt, dass die Körpertemperatur weitgehend gleich bleibt. Kommt es aber zu einer Infektion, erhöht der Körper seine Temperatur, um mit den Krankheitserregern besser fertig zu werden. «Ab einem Wert von 37,5 Grad Celsius gilt die Temperatur als erhöht», weiss der Kinderarzt. «Jenseits von 38 Grad spricht man von Fieber.» 

Die Messung erfolgt dabei am besten mit einem digitalen Fieberthermometer im After. Aber auch moderne Ohr- und Stirnthermometer erzielen in der Regel verlässliche Ergebnisse.

«Fieber ist ein Trainingslager für das Immunsystem»

Fieber ist also keine Krankheit, sondern ein Symptom. «Viren und Bakterien hassen Fieber», betont Huber. «Schon eine geringe Temperatur­erhöhung wirkt sich negativ auf das Wachstum und die Entwicklung von schädlichen Keimen aus.» Fieber ist damit eine gesunde Schutzreaktion, um den Heilungsprozess des Körpers aktiv zu unterstützen. «Ausserdem ist Fieber ein wichtiges Trainings­instrument für ein starkes Immunsystem,» ergänzt der Fribourger Kinderarzt. «Denn das Immun­system von Kindern ist noch vergleichsweise unerfahren und muss noch viel üben, um zu reifen.»

Auch deshalb reagieren Kinder schon bei an sich harmlosen Infekten wie Erkältungen deutlich häu­figer und höher mit Fieber, als das bei Erwachsenen der Fall ist. «Mit jedem durchgemachten fiebrigen Infekt aber lernt das Immunsystem, Krankheitserreger rascher und auch effektiver auszuschalten, so dass das Kind mit der Zeit immer weniger oft krank wird», so Huber.
Ursache von Fieber im Kindes­alter sind in den allermeisten Fällen banale Virusinfekte. Typische Beispiele sind Erkältungen, Grippe oder auch Magen-Darm-Erkrankungen. «Mit Viren muss der Körper grundsätzlich selbst fertig werden», erklärt Huber. «Antibiotika helfen hier nicht.»

Aber auch Bakterien können fieberhafte Infektionen verursachen. Sie müssen gezielt gesucht und rechtzeitig sowie der Situation entsprechend behandelt werden. «Bei unkomplizierten Verläufen wird auch hier immer versucht, den Einsatz von Antibiotika zu vermeiden», betont der Kinderarzt. «Oft reicht es schon, die Symptome zu behandeln und das Fieber zuzulassen.» Für Eltern ist in diesem Zusammenhang wichtig zu wissen, dass sie keine Angst davor haben müssen, dass das Fieber ohne fiebersenkende Massnahmen unkontrolliert nach oben steigt. «Die Fieberbildung ist ein sehr genau regulierter Prozess», sagt Huber. «Er verläuft in drei Phasen, die jeweils aneinander ansch­lies­sen.»

Der Fieberanstieg

Beim Fieberanstieg folgt der Körper der erhöhten Soll-Temperatur. Um die neu angestrebte Körpertemperatur zu erreichen, drosselt der Organismus die Wärmeabgabe über die Haut, erhöht den Stoffwechsel und setzt Muskelarbeit ein. «Die Haut wird jetzt blass, Hände und Füsse fühlen sich kühl an, der Kopf glüht, das Kind beginnt zu frieren und eventuell auch Schüttelfrost zu bekommen», sagt der Kinderarzt. In dieser Phase kann es helfen, das Kind bei der Temperaturentwicklung aktiv zu unterstützen. Meist geschieht das ganz intuitiv. «Das Kind sollte in dieser Phase mit einer warmen Decke zugedeckt werden, zusätzlich kann eine Wärmflasche oder ein warmer Tee angeboten werden.»
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Das Wichtigste in Kürze

  • Fieber ist keine Krankheit, sondern ein Symptom, das durch eine Krankheit ausgelöst wird.

  • Fieber ist eine Schutzreaktion des Organismus, um krankmachende Viren und Bakterien zu bekämpfen.

  • Ausserdem trainiert Fieber das kindliche Immunsystem.

  • Dazu erhöht der Körper seine Kerntemperatur von normalerweise rund 37 Grad Celsius auf mindestens 38 Grad Celsius oder mehr.

  • Die Fieberbildung ist ein streng regulierter Prozess, der in drei Phasen verläuft und für sich genommen nicht gefährlich ist.

  • Fieber bei Kindern muss daher grundsätzlich nicht durch Medikamente gesenkt werden.

  • Bei Fieber sollte das Kind im Bett bleiben, viel ruhen, viel trinken und keine elektronischen Geräte nutzen.

  • Sind sehr junge Säuglinge betroffen oder verschlechtert sich der Zustand des Kindes, sollte immer ein Kinderarzt aufgesucht werden.

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