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Schule

«Lehrer haben doch immer frei!»

Lehrerinnen und Lehrer haben jede Menge Freizeit und Ferien. Doch wer den Lehrpersonen die Ferien missgönnt, hat von dem Beruf keine Ahnung. Aber was tun Pädagogen in diesen 13 Wochen im Jahr? Eine Annäherung. 
Text: Ruth Fritschi
Lehrerinnen und Lehrer haben viel Freizeit und alle zwei Monate Ferien. Diesem Klischee pflich­ten wohl immer noch viele bei. Als Lehrerin oder Lehrer bekommt man von Nichtlehrern regelmässig zu hören: «Ach, ihr mit euren 13 Wochen Ferien!» Gemeint ist: Ihr habt einfach viel zu viele Ferien!

Lehrerinnen und Lehrer fühlen sich dabei oft persönlich angegriffen und kontern mit Argumenten wie «Fünfzigstundenwoche», «Korrek­turarbeit mit Nachtschicht», «El­terngespräche und Vorbereiten am Wochenende». Und natürlich stimmt das auch! Wir Lehrpersonen müssen tatsächlich viel vorbereiten,bereitstellen, korrigieren, abspre­chen und so weiter.

Leider werden diese Erläuterun­gen vom Gegenüber oft als Rechtfer­tigungsversuch interpretiert. Es scheint, als seien uns die Ferien peinlich. Dabei sind sie so wichtig: zum einen, um in den unterrichts­freien Schulwochen weniger zu arbeiten als in den voll beladenen; zum anderen, um wirklich Abstand von der Schule zu gewinnen und aufzutanken. Statt uns zu rechtferti­gen, sollten wir berichten, welche Vorzüge unser Beruf hat und mit welcher Motivation wir nach den Ferien in den Schulalltag starten werden.

Im Teamzimmer haben mir Kol­leginnen berichtet, wie sie die Som­merferien verbracht haben. Hier drei Beispiele.

Es muss viel geplant werden

Eine Lehrerin, die im August 2016 mit neuen Erstklässlern gestartet ist, sagte, dass sie erst in die Ferien fah­ren wollte und konnte, als ihr Schulzimmer für die neuen Kinder vor­ bereitet war. Sie brauchte eine ganze Woche, um das Material der bishe­rigen Klasse zu verräumen, die Ni­schen im Schulzimmer für die künf­tigen Erstklässler vorzubereiten und alles Material bereitzustellen.

In der zweiten Ferienwoche hat sie sich mit der Teamteaching­-Kol­legin getroffen, um die konkreten Inhalte der ersten Schulwochen zu planen und das Material für die Unterrichtslektionen zusammenzu­stellen. Die beiden Lehrerinnen arbeiten neu zusammen, was einige Absprachen mehr verlangt hat.

Nach zwei Wochen mit Freunden in einem Haus am Meer war die letz­te Ferienwoche wieder täglich ver­plant: schulinterne Teamtage, in denen die Projekte der ersten Schul­wochen vorbereitet und die gemein­samen Räume wie Materialzimmer, Keller und Estrich geräumt wurden.

Erst einmal Abstand gewinnen

Eine andere Kollegin aus dem Kin­dergarten berichtete, dass sie gleich nach Schulschluss in die Wander­ferien verreist sei. Das mache sie nicht immer so, doch dieses Jahr hätte sie es besonders geschätzt, um gleich Abstand von der Kindergar­tenarbeit zu gewinnen. Besonders belastend habe sie einige schwierige Übertrittsgespräche empfunden, die sich bis ins letzte Quartal hinein­ gezogen hätten. Es habe Wochen gegeben, in denen sie sehr schlecht geschlafen habe und ihr die belas­tenden Situationen immer wieder in den Sinn gekommen seien.

Nach den aktiven Ferien seien die negativen Erinnerungen in den Hin­tergrund gerückt, so dass sie den frisch geputzten Kindergarten mit viel Freude und Energie für die neue Klasse herrichten konnte.

Auch sie sagte, dass sie sich auf den Start mit der neuen Klasse ge­freut habe. Die Auswahl des neuen Themas mit einer Leitfigur, die durch das Jahr führe, bereite ihr immer grosse Freude. Sie meint, zu Schuljahresbeginn sei es besonders wichtig, gut erholt anzufangen, denn die ersten Kindergartenwochen seien emotional und körperlich besonders anstrengend. Zum Glück sei die Schulleitung vor Ort grosszügig, so dass die Teamteaching-Lektionen im ersten Quartal aufgestockt werden dürfen, indem jeweils bei Lektionen mit allen Kindern zwei Lehrpersonen anwesend seien.

Jugendarbeit in den Ferien

Ein Oberstufen-Kollege erzählte, dass er seit Jahren in den Sommerferien in einem zweiwöchigen Lager mithelfe, in dem Kinder aus benachteiligten Milieus Ferien machen können. Inzwischen kämen auch seine Frau und die eigenen Kinder mit, um mitzuhelfen. Die ganze Familie freue sich jedes Mal auf diese spannenden Wochen. Die eigenen Kinder profitierten dabei im emotionalen und sozialen Bereich enorm und knüpften Bekanntschaften, die manchmal über die Ferien hinaus halten.
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«Balancieren zwischen Arbeit und Freizeit – die grosse Herausforderung für Lehrpersonen.»
Ruth Fritsch ist Mitglied der Geschäftsleitung des Dachverbandes Lehrerinnen und Lehrer Schweiz LCH.
In den verbleibenden Wochen habe er die Freiheit, die Arbeitszeit selbst bestimmen zu können, genossen und je nach Wetter in der Schule gearbeitet oder etwas mit der Familie unternommen. Er schätze den Vorzug, in der unterrichtsfreien Zeit die Arbeitstage nach den eigenen Bedürfnissen zu gestalten und trotzdem wichtige Arbeiten zu erledigen.

Arbeit und Freizeit – nicht klar getrennt

Die drei Berichte zeigen, dass es im Lehrberuf unterschiedliche Arbeits- typen gibt, so wie in anderen Berufsgruppen wohl auch. Im Vergleich mit anderen Berufsgruppen haben wir Lehrpersonen mehr Zeitfenster, die wir selbst organisieren und gestalten können, doch steckt in diesem Vorzug die Gefahr, dass Arbeit und Freizeit zu wenig klar getrennt werden.

Meine Erfahrung zeigt, dass es vielen Lehrpersonen schwerfällt, abzuschalten und Arbeit und Freizeit wirklich zu trennen. Es gehört zu ihrem Alltag, die Ereignisse vom vergangenen Tag nachzubereiten, um am nächsten Tag mit geeigneten Unterrichtsmethoden und Inhalten zu reagieren. Diese Überlegungen nehmen viele von uns mit nach Hause, weil wir uns emotional beteiligen.

Dieser und andere Faktoren der Belastung führen dazu, dass viele Lehrpersonen trotz Ferien und Wochen ohne Unterricht ihr Pensum reduzieren. Von vielen Lehrpersonen höre ich, dass sie mehr Zeit brauchen, um einen Ausgleich zu finden. Meistens ist dies möglich, wenn man in einem Pensum von 80 oder 90 Prozent arbeitet. Deshalb fordert der Dachverband der Lehrerinnen und Lehrer seit Längerem ein tieferes Pflichtpensum.
 Obwohl allgemein bekannt ist, dass die Lehrperson einer der wichtigsten Faktoren für erfolgreiches Lernen ist, werden die Forderungen nach kleineren Klassen und niedrigerem Pflichtpensum nicht erfüllt. Wegen Knappheit der Finanzen verläuft die Entwicklung in den Kantonen genau in die entgegengesetzte Richtung.

Im laufenden Projekt «Gesundheit» des Dachverbandes Lehrerinnen und Lehrer Schweiz sollen mittels Untersuchungen auf verschiedenen Ebenen «harte» Fakten zu den effektiven beruflichen Belastungen gesammelt werden.

In weiten Kreisen der Politik und Gesellschaft scheint man den Beruf der Lehrerinnen und Lehrer immer noch als Beruf mit viel Freizeit zu betrachten. Die öffentliche Diskussion über die tatsächlichen Arbeitszeiten und die beruflichen Belastungen muss vorangetrieben werden.

Bild: Pexels

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Ruth Fritschi ist Kindergärtnerin, Präsidentin der LCH-Stufenkommission 4bis8 und Mitglied der Geschäftsleitung des Dachverbandes Lehrerinnen und Lehrer Schweiz LCH.


5 Kommentare

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Von Lehrperson am 18.11.2016 10:21

Liebe Renata

Auch Sie argumentieren oberflächlich & unüberlegt.

Mittwoch Nachmittag:
Haben diejenigen Lehrpersonen, die sie kennen eine 100% - Anstellung? Falls nicht, haben sie doch gesetzlich das Anrecht auf einen freien Nachmittag, oder? Falls doch: haben Sie sich schon einmal überlegt, dass diese Lehrpersonen dann Abends arbeiten, wenn ihre Kinder im Bett sind? (Dann, wenn Sie persönlich Feierabend machen).

Ferien:
Eine Lehrperson, die beispielsweise eine 50%-Anstellung hat & im Sommer 6 Wochen unterrichtsfreie Zeit hat, hat sehr wohl die Möglichkeit, die Arbeit in ihrer 50%-igen UNBEZAHLTEN ("Arbeits"-) Zeit vorzuholen und dann 5 Wochen ans Nordkapp zu fahren! Mehr Ferien hat sie dann trotzdem nicht.

Über einen Beruf zu urteilen, den man nicht selber ausübt und ohne dahinter zu sehen, ist immer einfach. Ich persönlich mache dies nicht.

> Auf diesen Kommentar antworten
Von Renata am 04.11.2016 16:45

Ich als Nicht-Lehrerin bin sehr irritiert über diesen Artikel. In meinem privaten Umfeld gibt es ausgesprochen viele Lehrpersonen und ich erlebe genau das Gegebteil dessen, was sie hier schreiben. Obwohl es allesamt interessierte und sicher eher engagierte Lehrer/innen sind, erlebe ich, dass sie ihre unterrichtsfreie Zeit zu einem Grossteil als "Freizeit" wahrnehmen. Sie gehen beispielsweise mit den Kindern (die sie allesamt am Mittwoch Nachmittag betreuen) ins Hallenbad und nehmen auch gleich noch die Kinder ihrer Nachbar mit, die anderen Jobs (ohne unterrichtsfreie Zeit) nachgehen, in den Sommerferien machen sie 5 Wochen Ferien am Nordkapp oder eine Reise in die USA und die Herbstferien verbringen sie traditionellerweise beim Weinlesen in Italien...

Nicht, dass ich neidisch darauf bin aber ich finde es ziemlich erschreckend wenn von dieser Berufsgruppe auch noch gejammert wird. Kein einziger Arbeitnehmer in diesem Land hat so viel freie Zeit wie Lehrerinnen und Lehrer, das muss auch einmal gesagt sein. Also geniessen sie diesen Unstand und machen sie bitte keinen Aufstand.

Von Barbara am 09.05.2017 17:58

Sehr sehr schade,wird so negativ über die Lehrer geredet. Wie in jedem Beruf gibt es Fleißige oder Faule. Trotzdem habe ich das Gefühl, von vielen kommt grosser Neid auf,weil wir Lehrer so viele Ferien haben. Da kann ich nur sagen,jeder steht der Lehrerberuf offen. Werde Lehrer und dann wirst du es schon sehen. Aufgrund der Ferien machst du diesen Beruf nämlich nicht.

> Auf diesen Kommentar antworten
Von Eine Primarlehrerin aus BL am 01.11.2016 22:36

Ich frage mich, wann endlich einmal mit diesen oberflächlichen / uninformierten Vorurteilen aufgeräumt und in der Öffentlichkeit eine umfassende Aufklärungsarbeit betrieben wird.
Weshalb muss - wenn eine Lehrperson erzählt, dass sie viel arbeitet – ständig argumentiert werden, dass es sicherlich engagierte Lehrpersonen gibt, eine grosse Anzahl fauler Lehrer aber durchaus existiert? Erstens: faule Arbeitnehmer hat es überall (braucht also im Zusammenhang mit dem Lehrerberuf nicht speziell hervorgehoben werden). Zweitens: in unserem Schulhaus wird in den "Ferien" – exakter: während der unterrichtsfreien Zeit – zu einem grossen Teil gearbeitet!! Diejenigen Lehrer, die nicht ständig im Schulhaus anwesend sind, arbeiten von zu Hause aus, da sie dort die bessere Infrastruktur (Laptop, Drucker etc.) haben, welche sie übrigens „aus dem eigenen Sack“ bezahlt haben (wie auch das privat finanzierte Arbeitszimmer).

Der Berufsauftrag und die Arbeitszeit der Lehrpersonen setzt sich aus folgenden Bereichen zusammen (dies könnte von der breiten Öffentlichkeit hier http://bl.clex.ch/frontend/versions/1578 nachgelesen werden!):

„Berufsauftrag, Bereiche
§ 2
Der Berufsauftrag der Lehrperson setzt sich aus folgenden Bereichen zusammen:
a. Unterrichten (Bereich A);
b. Vor- und Nachbereiten des Unterrichts (Bereich B);
c. Teamarbeit, Schulentwicklung und Schulverwaltung (Bereich C);
d. Eltern- und Schülerberatung, Klassenlehrerin / -lehrer (Bereich D),
e. Weiterbildung (Bereich E).
(...)
Die Bereiche A und B umfassen 85% der Jahresarbeitszeit. (...)
Die Bereiche C, D und E umfassen 15% der Jahresarbeitszeit. Die Aufteilung wird individuell zwischen Schulleitung und Lehrperson vereinbart, jedoch sind mindestens 2% für die Weiterbildung zu reservieren.
Der Bereich C umfasst unter anderem die Teilnahme an Konferenzen, Konventen, Fachschaftssitzungen, Behördensitzungen, Absprachen mit anderen Lehrpersonen, Gemeinschaftsanlässen, Schulentwicklung und Evaluation.“

Übrigens: Lehrerinnen, welche sich nach einem unbezahlten Mutterschaftsurlaub in den Sommer“ferien“ wieder auf den Unterricht vorbereiten wollen, erhalten im Kanton Baselland den Monat Juli aufgrund der vielen Abzüge nicht bezahlt, sondern arbeiten in diesem Monat gratis! Es macht für sie finanziell keinen Unterscheid, ob sie auf den ersten Juli oder den ersten August ihre Arbeit wieder aufnehmen! Tatsache! Weshalb? Weil argumentiert wird, dass die Lehrerpersonen während der unterrichtsfreien Zeit sowieso nicht ausreichend arbeiten. Lehrerinnen, welche sich also nach einem unbezahlten Mutterschaftsurlaub, in den Sommerferien auf den Unterricht vorbereiten wollen (und nach einer langen Abwesenheit selbstverständlich auch müssen), sind folglich die Dummen. Einerseits, weil sie dann keinen Lohn erhalten, anderseits, weil die breite Öffentlichkeit behauptet, dass sie sowieso nicht arbeiten, sondern Ferien machen.
Dass uns diese Vorurteile schon lange frustrieren und „hässig“ machen, liegt somit auf der Hand!

Jemand, der in einem Büro arbeitet, kann während seiner Arbeitszeit SMS schreiben, seine privaten Rechnungen bezahlen, Zeitung lesen und einen Arzttermin wahrnehmen.
Dies alles kann ich nicht. Ich habe während dem Unterricht keine Sekunde Pause. Die Kinder brauchen mich rund um die Uhr. Auch während der 10 Uhr Pause kommen entweder Eltern vorbei oder ich habe im Lehrerzimmer eine Besprechung. Über den Mittag lege ich mein Arbeitsmaterial für den Nachmittagsunterricht bereit und nach dem Unterricht korrigiere / präpariere ich bis nach 18:00, habe Sitzungen, Elterngespräche, Teamarbeit etc.
Liebe Bildungsfachperson, Du schreibst: „Eine Lösung wäre, dass es selbstverständlich wäre, bei einem 60% Pensum fix 3 Tage (8.00-17.00) anwesend zu sein, bei 40% Pensum 2 Tage usw. und gezielt Gefässe für die Zusammenarbeit und für die Schul- und Unterrichtsentwicklung zu schaffen.“
Tatsächlich ist es selbstverständlich, dass viele Lehrpersonen um 7:00 im Schulhaus sind. Andere (wie zum Beispiel ich) verlassen das Schulhaus nach 18:00, teilweise auch erst um 20:00 und zu Hause geht die Korrekturarbeit dann weiter; auch nach einem Mittwoch Nachmittag. Ich hatte letztes Schuljahr eine Anstellung von 70%. Tatsächlich habe ich 80-90% gearbeitet und habe mir erlaubt, während meiner Schulferien meine Überstunden einzuziehen. Dies ist in der Verordnung über den Berufsauftrag übrigens unter § 6 geregelt!
Warum sollen teilzeitarbeitende Lehrerinnen an ihren freien Nachmittagen nicht ihre eignen Kinder betreuen? Warum wird erwartet, dass eine Lehrerin, welche beispielsweise zu 35% angestellt ist, 40% oder mehr arbeitet (was sie jedoch meistens tut)?
Im Übrigen: wir haben schon lange Pflichtstunden, an welchen wir während der unterrichtsfreien Zeit fix in der Schule sein müssen (sogenannte Präsenzzeiten) und wir arbeiten auch mit multiprofessionellen Teams, wie zum Beispiel mit den Heilpädagogen zusammen.
Alle, die sich ein Urteil erlauben wollen, sollen unseren Beruf zuerst einmal selber ein paar Jahre lang ausüben und dann ein Fazit ziehen.
Mein Fazit ist folgendes:
Ich arbeite sehr viel und ich habe die unwissenden Bemerkungen der breiten Öffentlichkeit satt. Aber: ich liebe meinen Beruf und ich könnt mir keinen besseren vorstellen. Er erfüllt mich und macht mich sehr glücklich!! Deshalb stört es mich auch nicht, die wenigen Pausen und die unzähligen Überstunden auf mich zu nehmen. Wenn ich noch einmal die Wahl hätte, würde ich auf jeden Fall erneut Lehrerin werden.

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Von Bildungsfachperson am 01.11.2016 11:50

Liebe Frau Fritschi
Das, was Sie schreiben, mag für einen Teil der Lehrpersonen stimmen. Ihr Artikel fällt jedoch (zu) einseitig aus. Es ist so, dass es mindestens ebenso viele Lehrpersonen gibt, die dem Bild der Lehrperson, die viel frei und viele Ferien hat, entsprechen. Lehrpersonen, die nicht bereit sind, an ihren 'freien' Nachmittagen mit anderen Fachpersonen zusammenzuarbeiten. Lehrpersonen, die Jahr für Jahr die selben (schlechten) Arbeitsblätter zücken und keineswegs auf die individuellen Bedürfnisse der Schülerinnen und Schüler und deren Familien eingehen. Lehrpersonen, die nicht bereit sind, ihren Unterricht kritisch zu hinterfragen und weiterzuentwickeln.
Ein Beispiel: An manchen Klassen arbeiten 2-3 Regellehrpersonen an unterschiedlichen Tagen. Diese 'jobben' (wie sie es selber nennen) nebst ihrer eigenen Familienarbeit und betreuen während der 'freien' Nachmittage ihre eigenen Kinder, da ihre Männer hochprozentig arbeiten und sie selber ja 'frei' haben. In solchen Klassen fühlt sich oft keine Lehrperson verantwortlich und die einzelnen Lehrpersonen haben keine gemeinsamen Gefässe des Austauschs. In Lehrpersonenzimmern hört man oft ein Gejammere: "Ach, ich muss schon wieder an meinen freien Nachmittag in die Schule kommen...". (Die im lautesten jammern, sind interessanterweise oft die, die am wenigsten leisten... ). Eine Lösung wäre, dass es selbstverständlich wäre, bei einem 60% Pensum fix 3 Tage (8.00-17.00) anwesend zu sein, bei 40% Pensum 2 Tage usw. und gezielt Gefässe für die Zusammenarbeit und für die Schul- und Unterrichtsentwicklung zu schaffen. (Klammerbemerkung: Eine Lehrperson, die z.B. 10 Wochen Ferien macht im Jahr-keine Seltenheit- hätte ein Wochenpensum von über 50 Stunden zu bewältigen. Nebst der obligatorischen Zeit, wäre immer noch genug Spielraum für Arbeitsintensivwochen und individuelles Vor- und Nachbereiten).
Wenn man das Pflichtpensum senkt, muss man gleichzeitig alle Lehrpersonen in die Pflicht nehmen, zu gewissen Zeiten fix udn verbindlich an der Schule anwesend zu sein und in die Zusammenarbeit und in die Weiterentwicklung ihres Unterrichts zu investieren. Mit den neuen Anforderungen, die an die Schulen herangetragen werden, geht es nur, wenn man sich austauscht und gemeinsam an einem Strick zieht. Die Zeiten des Einzelkämpfertums sind vorbei. Heterogene Klassen fordern heterogene Teams (Heilpäd., Schulsozialarbeit etc.), die je ihr Spezifisches Fachwissen einbringen. Reduziert man nur die Pflichtstunden, führt dies zu einer weiteren Abwertung des Lehrberufs und könnte der dringend nötigen Entwicklungen an vielen Schulen im Wege stehen. Hier sind die Schulleitungen gefordert, ihre Lehr- und Fachpersonen zu verpflichten und zu begleiten, indem sie ihr Team zielorientiert, professionell und kompetent führen. Es wäre, gerade auch in Bezug auf die Gesundheit der Lehrpersonen, förderlich, innerhalb der 'fixen' Arbeitszeiten vermehrt vor Ort den Untericht in multiprofessionellem Teams (z.B. mit der Heilpädagogin, die auch vor Ort wäre...) vor- und nachzubereiten und die wohlverdienten Abende ohne Schulstress zu geniessen.

Aus meiner Sicht ist ein einseitiger Artikel, wie sie in schreiben, nicht gewinnbringend, da viele Lehr-, Fachpersonen und auch Eltern, die Einblick in die Schule haben, feststellen, dass nicht alle Lehrpersonen top engagiert sind und Überstunden leisten.
Leider nehmen an Studien zu Lehrpersonenarbeitszeit und -gesundheit häufig fast ausschliesslich sehr engagierte Lerhpersonen teil (die es natürlich und glücklicherweise gibt), so dass die Ergebnisse nicht auf die Gesamtheit der Lehrpersonen generalisiert werden können.

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