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Logopädin Vanessa Braun im Gespräch über Diagnosen und Trainingsmöglichkeiten

Die Logopädin Vanessa Braun erklärt, warum regelmässiges Üben auch zu Hause für den Erfolg so wichtig ist.

Frau Braun, wie diagnostizieren Logopädinnen das Lispeln?

Zum einen beobachtet die Logopädin, wie das Kind spontan spricht, etwa in einer Spielsituation oder beim Erzählen einer Bildergeschichte. Ausserdem können einzelne Aspekte der Sprache gezielt mit logopädischen Tests untersucht werden. Oft ist so eine Kurzabklärung sehr spielerisch gestaltet. So soll das Kind zum Beispiel Bilder benennen oder Memory spielen. Dabei kann die Logopädin beobachten, welche Laute das Kind falsch ausspricht und ob es sie immer falsch oder mal falsch und mal richtig ausspricht. 
Zur Person:  Vanessa Braun ist seit 16 Jahren als Logopädin tätig und leitet den Logopädischen Dienst im Bezirk Andelfingen ZH. (Bild: szv-andelfingen.ch)
Zur Person:
Vanessa Braun ist seit 16 Jahren als Logopädin tätig und leitet den Logopädischen Dienst im Bezirk Andelfingen ZH. (Bild: szv-andelfingen.ch)

Was lässt sich dabei über die Ursachen des Lispelns aussagen?

Bei der Untersuchung können die Logopädinnen auch feststellen, wie das Lispeln zustande kommt. So fallen zum Beispiel Fehlstellungen der Zunge oder des Kiefers oder eine schlaffe Mundmuskulatur auf. Es kann zum Beispiel sein, dass ein Kind die Zunge zwischen die Zähne presst, der Mund offen steht oder die Zunge schlaff heraushängt. 

Wie sieht das Training in der s-Gruppe aus?

Die Übungen sind unterhaltsam und spielerisch gestaltet, sodass sie den Kindern Spass machen und ihre Motivation fördern. Dabei bauen sie von der Schwierigkeit her aufeinander auf. Bei manchen Kindern muss zunächst als Voraussetzung für eine korrekte Aussprache des «s» die Zungen- und Lippenmuskulatur trainiert werden. Dann folgen Übungen, mit denen die korrekte Lautbildung des «s» angebahnt und geübt wird. Später werden Silben, Wörter und schliesslich ganze Sätze mit s-Lauten geübt, wobei das «s» am Wortanfang, in der Wortmitte und am Wortende trainiert wird. 

Worauf kommt es beim Training noch an?

Es ist wichtig, dass auch die Eltern regelmässig mit ihrem Kind üben. Denn ähnlich wie beim Sport geht es hier um den Aufbau von Muskulatur. Sinnvoll ist, mindestens zwei bis drei Mal pro Woche zu üben – und zwar mindestens 10 Minuten und maximal 30 Minuten, damit das Kind nicht überfordert wird oder die Lust verliert.
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Wo können Eltern mit sehr jungen Kindern sowie Jugendliche und junge Erwachsene Unterstützung finden? 

Ab dem Beginn des Kindergartens und während der Schulzeit ist im Kanton Zürich die Schule für die logopädische Therapie verantwortlich. In gewissen Kantonen übernimmt die Schule auch schon die Frühtherapie vor Kindergartenbeginn. Was viele jedoch nicht wissen: Vor Eintritt in den Kindergarten und vom 16. bis zum 20. Lebensjahr ist im Kanton Zürich das Amt für Jugend- und Berufsberatung (AJB) für Unterstützung bei Sprechstörungen zuständig. Es übernimmt die Kosten für eine Erstberatung und, wenn notwendig, für eine logopädische Therapie bei einer vom AJB anerkannten Therapiestelle. Das kann zum Beispiel eine logopädische Praxis oder ein Kinderzentrum sein.

Zur Autorin:

Christine Amrhein
ist Psychologin und arbeitet seit über zehn Jahren als freie Wissenschaftsjournalistin. In ihrer früheren Tätigkeit hat sie sich intensiv mit dem Thema Sprechstörungen bei Kindern und Jugendlichen befasst.

Praxistipps: So unterstützen Sie Ihr Kind beim Üben des «verflixten S»

  • Sprechen Sie die s-Laute selbst klar und deutlich aus, um die richtige Aussprache Ihres Kindes zu fördern. Und lassen Sie sich nicht dazu verleiten, das Lispeln Ihres Kindes – bewusst oder unbewusst – nachzuahmen, etwa, weil es so «herzig» klingt.

  • Um die Mund- und Zungenmotorik zu trainieren, können Sie mit Ihrem Kind verschiedene Übungen machen: etwa Gegenstände wie kleine  Papierbildchen mit dem Strohhalm ansaugen, mit der Zunge schnalzen oder Luftküsse machen. Pustespiele wie Kirschkernweitspucken oder Seifenblasenmachen können die richtige Atmung verbessern.

  • Kann das Kind das «s» bereits sprechen, sind Zungenbrecher unterhaltsame Übungen. Etwa: «Sieben Schneeschaufler schaufeln sieben Schaufeln Schnee» oder «Susi isst süsse Sauce».

  • Motivieren Sie Ihr Kind durch Feedback: Loben Sie es bei Fortschritten, aber kritisieren oder schimpfen Sie nicht bei Fehlern. Sonst zieht es sich eventuell zurück oder übt nur noch ungern.

  • Statt einen Fehler zu korrigieren, greifen Sie das falsch ausgesprochene Wort in einer Gegenfrage oder einer Antwort auf und sprechen es dabei klar und deutlich aus.

  • Insgesamt ist es günstig, ein sprechfreudiges Klima zu schaffen. Wenn Eltern viel mit ihrem Kind sprechen, singen oder spielen, fördert das die Sprachentwicklung und damit auch eine korrekte Aussprache.

Links zum Thema Lispeln bei Kindern:

  • Der Deutschschweizerische Logopädinnen- und Logopädenverband (DLV) bietet Informationen über Störungen der Sprache und des Sprechens, Tipps für Eltern zum Umgang mit Sprechstörungen sowie eine Liste spezialisierter Logopädinnen und Logopäden in der Schweiz: www.logopaedie.ch

  • Die Website «kindersprache.ch» gibt Informationen zum Spracherwerb, zu Sprachstörungen bei Kindern und zu Möglichkeiten der Sprachförderung: www.kindersprache.ch

  • Auf der Website des Zürcher Berufsverbands der Logopädinnen und Logopäden (zbl) finden sich Informationen über die Sprachentwicklung und über Sprechstörungen sowie nützliche Links: www.zbl.ch

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