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Kindergarten

Erst im «Chindsgi» – und schon gestresst?

Lena ist seit zwei Wochen im Kindergarten. Sie ist unruhig und kann sich schlecht konzentrieren. Sie meidet das Spiel mit anderen Kindern und reagiert aggressiv auf Annäherungen. Warum reagiert Lena so?
Text: Nadine Messerli-Bürgy
Bilder: Carla Kogelman
Kinder sind bereits im Kindergartenalter Stress ausgesetzt und reagieren mit Unsi­cherheit, Aggression oder Unruhe. Der erlebte Stress kann unterschiedliche Gründe haben: Tägliche kleinere Belastun­gen, grosse Belastungssituationen oder lebensverändernde Ereignisse wie ein Kindergarteneintritt können für Kinder in diesem Alter durchaus stressig sein.

Stress beeinflusst die Entwicklung des Kindes

Für uns Menschen entsteht Stress, wenn eine Situation als Herausfor­derung erlebt wird. Wir sind gestresst, wenn eine Situation unsere Ressourcen und Möglichkeiten, mit der Situation umzugehen, übersteigt und von uns eine Anpassung an die­ se herausfordernde Situation ver­langt wird. Diese Anpassung zeigt sich in unserem Körper (angespannt sein, höheren Puls haben, schneller atmen usw.), unseren emotionalen Reaktionen (verärgert, verängstigt, besorgt sein) und in unserem Verhalten. Stress kann durch kurz­ oder langfristige Herausforderungen ent­stehen und kann die kindliche Entwicklung negativ beeinflussen.

Eingeschränkte Stressregulation führt zu Verhaltensauffälligkeiten

Es ist jedoch nicht die stressige Situa­tion selbst, die zu Verhaltensauffällligkeiten führt. Vielmehr ist es die fehlende Anpassungsfähigkeit an die Herausforderung der Stresssituation. Diese Anpassungsfähigkeit wird auch als Stressregulationsfähigkeit verstanden. Sie bestimmt, wie stark und wie lange eine Situation von uns als stressig erlebt wird. Das Tempe­rament des Kindes, aber auch die Unterstützung durch die Eltern und bisherige Erfahrungen mit Belastungssituationen legen fest, wie erfolgreich die Stressregulationsfähig­keit des Kindes ist.
Ohne kleine, herausfordernde Ereignisse im Leben eines Kindes ist eine spätere Stressregulation nicht möglich.
So ermöglichen verschiedene kleinere Herausforderungen dem Kind, diese Stressregulationsfähigkeit zu entwickeln und damit die Anpassungsfähigkeit auf spätere Herausforderungen stetig zu verbes­sern. In diesem Zusammenhang spricht man auch von einer Kalibrierungsphase der Stressregulation. Diese Kalibrierung kann nur statt­finden, wenn das Kind in verschie­denen kleinen bis mittleren Heraus­forderungen die Möglichkeit hat, sich im Umgang mit Stress zu üben und neue Strategien zu erlernen. Ohne diese kleinen herausfordern­den Ereignisse im Leben eines Kin­des sind eine spätere erfolgreiche Stressregulation und damit eine adäquate Anpassung an grössere Belastungssituationen nicht mög­lich.

Während dieser Kalibrierungsphase kann ausgeprägter Stress auch zu einer Verschlechterung der Stress­regulation führen. Traumatisierun­gen oder Missbrauchserfahrungen, Vernachlässigung der Eltern, häufige Konfliktsituationen und schwere Lebensereignisse sind Stresssituatio­nen, die das Kind überfordern und reduzieren die Stressregulationsfä­higkeit. Als Folge zeigen Kinder durch diese psychische Überbelas­tung ein höheres Risiko für Verhal­tensauffälligkeiten.
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