Mental Load: 3 Fragen an Patricia Cammarata
Familienleben

Mental Load: Was tun gegen den Stress im Kopf

3 Fragen an Patricia Cammarata, Bloggerin von dasnuf.de, Buchautorin und Mutter. Ende Juni erscheint ihr neues Buch «Raus aus der Mental-Load-Falle». 
Interview: Florina Schwander
Illustration: Frollein Motte

Frau Cammarata, was genau heisst Mental Load?

Erst mal sagt der Begriff nichts anderes, als dass es im Alltagsleben neben den sichtbaren sehr, sehr viele unsichtbare Aufgaben gibt, die nie explizit genannt werden und die dennoch alle so nebenher identifiziert, bedacht, geplant und dann erledigt werden müssen. In der Wirtschaft würde man das schlicht Projektmanagement nennen. Frauen muss man in der Regel nicht erklären, was Mental Load ist. Es gehört irgendwie zum Frausein, für alles im Haushalt, in der Beziehung und bezogen auf die Kinder verantwortlich zu sein. Viele Männer, die den Begriff das erste Mal hören, haben dagegen ein grosses Fragezeichen im Kopf. 

Hat sich die Mental-Load-Problematik in der aktuellen Corona-Krise noch verschärft?

Absolut. Insbesondere, wo es zwischen Mann und Frau einen grossen Gehaltsunterschied gibt, haben die Frauen ihre Berufstätigkeit eingeschränkt oder sogar aufgegeben, um sich um die Kinder zu kümmern, die plötzlich 24 Stunden zu Hause waren und je nach Alter bekocht, beschäftigt und beschult werden müssen oder mussten. 

Sie stellen in Ihrem Buch Strategien vor, um den Mental Load zu verringern respektive aufzuteilen. Verraten Sie uns die drei wichtigsten Tipps? 

Ich finde, man sollte das Ganze wie klassisches Projektmanagement angehen. Erstens: eine Bestandsaufnahme ­durchführen. Alles möglichst kleinteilig zusammentragen, wer was wann wie oft macht, und dazu notieren, wer daran denkt und den Prozess initiiert. Zweitens: eine wöchentliche Besprechungsroutine entwickeln, bei der Aufgaben und Verantwortlichkeiten verteilt werden und man bespricht: Wer macht wann was? Drittens: alle paar Monate eine Retrospektive machen: Was lief gut, was schlecht? Warum? Wo gab es Mehraufwände? Was muss umverteilt werden? Welche Aufgaben kann man dauerhaft abgeben? Welche Aufgaben sollte man neu verteilen, um Wissen und Kompetenz aufzubauen?

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1 Kommentar

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Von Chris am 16.06.2020 16:56

Liebe Autorin, liebes Fritz und Fränzi-Team

> Es gehört irgendwie zum Frausein, für alles im Haushalt, in der Beziehung und bezogen auf die Kinder verantwortlich zu sein.

"Irgendwie", vielleicht. Und irgendwie auch nicht?

Meine Frau und ich teilen uns die Hausarbeit und Kinderbetreuung unserer zwei kleinen Kinder gleichberechtigt: Wir sind beide jeweils an zwei Tagen zuhause und haben ein ähnliches Arbeitspensum. Wir teilen uns den "Mental Load", dazu brauchen wir kein ausgeklügeltes "Projektmanagement": Man macht, was ansteht. Das geht, wenn beide gleich oft zuhause sind. Wenn sich dadurch beide verantwortlich fühlen. Die Wäsche türmt sich – ich wasche. Leerer Kühlschrank – ich gehe einkaufen. Arzttermin eines Kindes an einem meiner Hütetage – ich gehe zum Arzt.

Ganz einfach, wir managen das ganz ohne Bestandsaufnahme, Prozesse und Retrospektive.

Sehr schade finde ich, dass man dazu stereotype Rollenbilder bedienen muss. Nein, es gehört nicht zum Frausein, für alles im Haushalt verantwortlich zu sein. Genauso wenig wie fürs Mannsein der Begriff Mental Load generell nur ein Fragezeichen im Kopf auslöst.

Letztlich bewirken diese Aussagen nur das Gegenteil dessen, was sich die Autorin hoffentlich wünscht: Dass sich Männer darin bestätigt sehen, nicht für die Kinderbetreuung und Hausarbeit gemacht zu sein.

Das ärgert mich als Mann und Vater doppelt: Ich würde nichts in der Welt tauschen wollen gegen meine Zeit zuhause mit den Kindern. Auch wenn ich den Familien-Mental Load – ja auch als Vater! – oft als sehr anstrengend empfinde. Aber er gehört wohl "irgendwie" zum Alltag mit Kindern dazu. Dabei das Schöne, Wertvolle und Verzaubernde beim Zusammensein mit den Kindern zu erkennen, wertzuschätzen und zu geniessen: das macht den Mental Load für mich allemal wett.

Schreiben wir darüber. Schreiben wir über das, was Väter (und Mütter!) verpassen, wenn sie nicht bei ihren Kindern sind. Und gewillt sind, sich am Mental Load zu beteiligen. Motivierend. Positiv. Und ganz ohne stereotype Rollenbilder zu bedienen.

Herzliche Grüsse
Chris

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