«Auch Schulen wollen das Beste für das Kind»

Bernard Gertsch ist der oberste Schulleiter des Landes. Ein Gespräch über Macht, die Frage, was eine gute Schule ausmacht – und wie Lehrpersonen mit Druck umgehen. 
Herr Gertsch, was zeichnet eine gute Schule aus?
Lebendigkeit. Eine Schule ist gut, wenn die Schüler* sagen, «wir gehen in eine gute Schule», wenn Lehrer* und Eltern mit Stolz von „unserer guten Schule“ sprechen.

Und was ist ein guter Schulleiter*?
Er passt zu seinem Team und zu seiner Schule. Er hört gut zu. Er ist achtsam und nimmt wahr, was an seiner Schule läuft. Ein guter Schulleiter weiss, wie er Dinge anstösst und wo er intervenieren will. Und wann er die Dinge so belässt wie sie sind, weil sie nicht mit einem vernünftigen Aufwand veränderbar sind.

Schulleiter haben Macht. Ein Schulleiter ist quasi der Geschäftsführer der Schule. Sind Schulleiter Macht-Menschen?
Ein Schulleiter muss gerne Verantwortung übernehmen. Wenn er nur nach Macht strebt und sich selber verwirklichen will, wird es nicht funktionieren. Er muss präsent sein. Und er braucht eine Vision, die er mit allen Beteiligten erarbeitet und umsetzen will.

Macht der Schulleiter-Job einsam?
Ja, das ist leider öfters so. Es betrifft vor allem die, die vorher Lehrpersonen waren und aus dem Team heraus Schulleiter wurden. Man muss sich in dieser Rolle an einiges gewöhnen. Zum Beispiel, dass ein Gespräch abgebrochen wird, wenn man ins Lehrerzimmer kommt. Nicht wegen der Person, sondern wegen der Rolle, die man hat. Das Gefühl, nicht wirklich zum Team dazu zugehören, macht einsam. Man muss als Schulleiter auch immer wieder unbequeme Entscheidungen treffen, teilweise gegen die Meinung des Lehrerteams. Deshalb ist es wichtig, eine Linie zu haben, transparent und verlässlich zu sein. So ist auch die Einsamkeit besser zu ertragen.

Sie sind seit sechs Jahren als Schulleiter in Egnach TG tätig. Was unternehmen Sie gegen die Einsamkeit in Ihrem Job?
In bin selber schon sehr lange in Leitungsfunktionen. Daher ist dieses Gefühl der Einsamkeit nicht  neu für mich. Mein Bedürfnis nach Nähe im Team suche ich in meiner Freizeit oder in der Geschäftsleitung des Schulleiterverbandes. Man kann die Einsamkeit dadurch verringern, indem man ein Kernteam aufbaut. Als Schulleiter muss man nicht alles allein machen. Ich habe an meiner Schule einen ausgezeichneten und sehr engagierten Stellvertreter. Ein anderer Lehrer plant sehr gut. Also setze ich ihn als Stundenplan-Planer ein. Die Entscheidungen im Bereich Gesamtschule treffe dennoch ich als Schulleiter.

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