Kreativ aber wie? - Das Schweizer ElternMagazin Fritz+Fränzi
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Kreativ aber wie?

Lesedauer: 3 Minuten

Kreative Freiräume für die Jüngsten schaffen, so lautet die Devise von Lapurla – Kinder folgen ihrer Neugier. Die neue Broschüre der nationalen Initiative zeigt, wie Eltern oder andere Erwachsene ohne grossen Aufwand mit Kindern im Alter von 0 bis 4 Jahren kreativ sein können.

Es ist Winter und darüber hinaus lässt uns die Corona-Situation noch mehr zu Hause verweilen als sonst. Was unternimmt man in dieser Zeit mit Kleinkindern? Lapurla, eine Initiative des Migros-Kulturprozent und der Hochschule der Künste Bern HKB, hat eine neue Broschüre entwickelt. Mit sechs Impulsen bekommen Eltern und Erwachsene, die gerne Zeit mit Kleinkindern verbringen Anregungen, wie sie im Alltag die Kreativität ihrer Kinder im Alter von 0 bis 4 Jahren fördern können. Dazu braucht es weder teure Spielsachen noch aufwendige Bastelanleitungen – so viel sei verraten. 
 
Die «Impulse», wie sie in der Broschüre genannt werden, sind einfach. Zum Beispiel das Kapitel «Suchen, Sammeln und Verändern» beschreibt, wie Kinder mit Schnüren, Schachteln, Deckeln oder Stoffresten experimentieren können. Wie verhalten sich die Materialien, was lässt sich daraus bauen? Lassen sie sich stapeln? Ein anderes Kapitel «Kurze Wege für kurze Beine» regt Eltern an, sich zu überlegen, ob die Fahrt mit dem Auto oder dem öffentlichen Verkehr wirklich sein muss, wenn es in der näheren Umgebung aufregende Orte zu erkunden gibt. Diese fangen meist schon vor der Haustüre an: der Briefkasten, der nahegelegene Bach oder das parkierte Fahrrad können für die Jüngsten genauso abenteuerlich sein wie der geplante Besuch in einem Freizeitpark oder Indoorspielplatz.
Die Broschüre «Kreativer von Anfang an: 6 Impulse für Eltern und andere Erwachsene, die gerne Zeit mit Kleinkindern verbringen» kann hier in Deutsch, Englisch, Französisch und Italienisch kostenlos als PDF heruntergeladen oder als Druckerzeugnis bestellt werden.
Die Broschüre «Kreativer von Anfang an: 6 Impulse für Eltern und andere Erwachsene, die gerne Zeit mit Kleinkindern verbringen» kann hier in Deutsch, Englisch, Französisch und Italienisch kostenlos als PDF heruntergeladen oder als Druckerzeugnis bestellt werden.

Wie entstand die Idee zur Broschüre?

In Zeiten der Pandemie ist es gerade besonders wichtig, dass Kindern trotz grossen Einschränkungen ihre Kreativität entwickeln können. Denn: Die Kreativität gilt als eine der zentralsten Kompetenzen der Zukunft. Und: Rund 90 Prozent der Synapsen im Hirn werden in den ersten Lebensjahren gebildet.
 
Die Schweiz ist in Sachen frühkindliche Bildung leider nach wie vor ein Entwicklungsland. Bildung und Chancengleichheit beginnen ab Geburt, nicht erst im Kindergarten. Mit frühkindlicher Bildung meine ich nicht schulische Bildung wie Frühenglisch oder Frühmathematik. Uns von Lapurla geht es darum, Kindern möglichst vielfältige ästhetische Erfahrungen zu ermöglichen, damit sie alltäglich mit möglichst allen Sinnen die Welt entdecken und erfahren können. Dazu brauchen Kinder Erwachsene, die selber neugierig sind und gemeinsam mit ihnen experimentieren wollen. Dazu will die Broschüre anregen, ohne rezepthaft zu sein. Denn einer Anleitung zu folgen wäre ja gerade das Gegenteil von Kreativsein.
Karin Kraus ist studierte Kunstpädagogin und leitet seit 2013 den Weiterbildungslehrgang «CAS Kulturelle Bildung – Kreativität ermöglichen ab der frühen Kindheit» an der Hochschule der Künste Bern HKB. Als Dozentin und Referentin engagiert sie sich seit rund 20 Jahren für mehr kreative Freiräume von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen im In- und Ausland. www.karinkraus.ch
Karin Kraus ist studierte Kunstpädagogin und leitet seit 2013 den Weiterbildungslehrgang «CAS Kulturelle Bildung – Kreativität ermöglichen ab der frühen Kindheit» an der Hochschule der Künste Bern HKB. Als Dozentin und Referentin engagiert sie sich seit rund 20 Jahren für mehr kreative Freiräume von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen im In- und Ausland. www.karinkraus.ch

Was ist mit Kindern, die partout nicht malen oder basteln wollen?

Kinder sind von Geburt an neugierig, aber vielleicht nicht in den Feldern, die wir für sie vorgesehen haben. Die Aufgabe von uns Erwachsenen besteht also darin, ihnen möglichst vielfältige Erfahrungsmöglichkeiten anzubieten, ihrer Neugier zu folgen und gemeinsam mit ihnen herauszufinden, wo die Interessen liegen. Hat ein Kind heute keine Lust zu kritzeln, stapelt es dafür am nächsten Tag Wachsmalstifte – es gibt kein Muss, keine Vorgabe. 

Und was machen mit Eltern, die so gar kein Flair fürs Basteln haben und sich mit solchen Initiativen vielleicht sogar noch unter Druck gesetzt fühlen könnten?

Die Broschüre will gerade dazu ermuntern, genau diese gesellschaftlich etablierten Gepflogenheiten kritisch zu hinterfragen und alte Trampelpfade zu verlassen, um sich stattdessen gemeinsam und lustvoll Tätigkeiten zu widmen, die weder vorzeigbare Ergebnisse zum Ziel haben, noch Geld kosten oder stressiges Reisen erfordern. Es ist vielmehr ein Appell für wieder mehr Gelassenheit, Entschleunigung und Wertschätzung für das, was wir von unseren Kindern lernen können: Den Reiz und die Magie in Dingen, Orten, Tätigkeiten (wieder-) zu entdecken, die für uns vielleicht längst banal geworden sind. Die Pandemie zwingt uns ja gerade dazu, neuen Lebenssinn zu finden.

Mehr Infos zur nationalen Initiative Lapurla

Die Broschüre basiert auf den Grundsätzen der Fokuspublikation Ästhetische Bildung und Kulturelle Teilhabe – von Anfang an! (2017), aus der heraus die nationale Initiative Lapurla – Kinder folgen Ihrer Neugier entstanden ist.

Weitere Infos www.lapurla.ch


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