Mobbing: Was tun bei Mobbing
Entwicklung

Mobbing: Alle gegen einen

Wenn Kinder andere fertigmachen, passiert oft nichts, bis der Notfall eintritt. Die Forschung aber macht deutlich: Wer Mobbing wirksam bekämpfen will, muss eingreifen, bevor es brennt. Soziales Miteinander gelingt nur da, wo Beteiligte konstant daran arbeiten.  Was bedeutet das für die Schule, für Lehrpersonen und Eltern? 
Text: Virginia Nolan
Bild: iStockphoto
In meinen ersten Primarschuljahren war ich Teil eines Trios: drei Mädchen, die ihre Schulpausen und jeden freien Nachmittag zusammen verbrachten. Wir waren ein eingeschworenes Team – meistens. Manchmal aber geriet Sand ins Getriebe, dann machten wir der Binsenweisheit, dass drei einer zu viel sind, alle Ehre: Eine wurde ausgeschlossen. An die Male, da es mich getroffen hatte, erinnere ich mich gut: an die Pausen, in denen ich nicht mitspielen durfte, an die Verzweiflung, als nach dem Schwimm­unterricht meine Kleider weg waren und nicht einmal die Unterhose übrig geblieben war. 
Bild: Angela Waye/Stocksy
Bild: Angela Waye/Stocksy
Ich weiss nicht mehr, was die Dinge jeweils wieder ins Lot brachte, jedenfalls war der Spuk in der Regel nach ein paar Tagen vorbei. Aber was in meinem Fall eine unglückliche Episode war, wird für manche Kinder zum Dauerzustand – weil sie Opfer von Mobbing sind. Vor 20 Jahren kannte den Begriff praktisch niemand, heute ist er ein Schlagwort. «Wir haben ein starkes Bewusstsein für die Problematik», sagt Eveline Gutzwiller-Helfen­finger, eine der führenden Schweizer Mobbingforscherinnen und zurzeit Gastprofessorin am Interdisziplinären Zentrum für Integrations- und Migrationsforschung der Universität Duisburg-Essen. «Frühere Generationen sahen es als normal an, dass Kinder einander plagten. Man glaubte, das härte ab. Heute herrscht glücklicherweise ein anderer Konsens.» Dennoch falle der Begriff Mobbing oft vorschnell und daher im falschen Kontext. Für die Opfer sei das fatal, sagt die Expertin: «Um sie schützen zu können, müssen Erwachsene wissen, was Mobbing überhaupt ist.» Eltern und Lehrpersonen sollten demnach zunächst ihren Blick für das Problem und die damit verbundene Dynamik schärfen, um zu einem fairen Miteinander unter Kindern beitragen zu können.

Was Streit von Mobbing ­unterscheidet

Was also ist unter Mobbing zu verstehen? Mein Ausschluss aus besagtem Dreierverbund zählt sicher nicht dazu: Es traf mich höchstens gelegentlich und – auch das ist entscheidend – nicht ich allein geriet unter die Räder, die Piesackerei erfolgte ja sozusagen im Turnus. «Mobbing hingegen bezeichnet ein gezielt aggressives Verhalten, das sich systematisch und wiederholt gegen ein bestimmtes Kind richtet, und das über mindestens mehrere Wochen hinweg», sagt Gutzwiller-Helfenfinger. Doch sei nicht jedes aggressive Verhalten, das wiederholt auftrete, auch als Mobbing einzustufen: «Wenn beispielsweise ein Kind immer wieder wahllos Mitschüler drangsaliert, handelt es sich nicht um Mobbing. Mobbing ist ein Gruppenphänomen, und bezeichnend dafür ist ein Machtungleichgewicht. Meist mobben ein paar Kinder zusammen auf Geheiss eines Anführers ein unterlegenes Kind, das kaum Chancen hat, sich zu wehren.»
<div>Dieser Artikel gehört zum <a href="https://www.fritzundfraenzi.ch/dossiers/mobbing"><strong>Online-Dossier Mobbing </strong></a>Lesen Sie mehr zu Fragen, wie: <strong>Wie werden Kinder zu Tätern, warum werden sie zu Opfern?</strong> Und was können Eltern und Lehrpersonen tun?</div>
Dieser Artikel gehört zum Online-Dossier Mobbing Lesen Sie mehr zu Fragen, wie: Wie werden Kinder zu Tätern, warum werden sie zu Opfern? Und was können Eltern und Lehrpersonen tun?
<div>Dieser Text stammt aus dem <strong>Juniheft 2020.</strong> <a href="https://www.fritzundfraenzi.ch/service/ausgabe-bestellen/ausgabe-bestellen"><strong>Sie können das gesamte Heft hier als Einzelausgabe bestellen.</strong></a></div>
Dieser Text stammt aus dem Juniheft 2020. Sie können das gesamte Heft hier als Einzelausgabe bestellen.
<div>Wer hatte auch schon mal mit <strong>Mobbing</strong> zu kämpfen? Wir sammeln <strong>Ihre</strong> <strong>Erlebnisse</strong>, gerne auch anonym.<br><a href="mailto: online@fritzundfraenzi.ch">online@fritzundfraenzi.ch</a></div>
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