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Elternbildung

«Leisten Sie Widerstand ohne Schaden anzurichten!»

Gereizt, unzufrieden und angriffslustig – Der Vater des 12-jährigen Mario wendet sich verzweifelt an Jesper Juul: «Wie kommuniziere ich mit meinem pubertierenden Sohn?»
Text: Jesper Juul
Illustration:
Petra Dufkova/Die Illustratoren

Der Leser schreibt:

In den letzten drei Monaten stellten wir bei unserem Sohn Mario, 12, eine grosse Veränderung fest. Er ist oft launisch und macht sowohl uns als auch seinem achtjährigen Bruder das Leben schwer.

Es geht rauf und runter. Wenn wir die Wochenenden oder Feiertage miteinander verbringen, kommt er wieder zurück zu seinem alten Selbst, aber sobald er in der Schule und mit seinen Freunden zusammen ist, wird er mürrisch und reagiert nicht mehr auf uns Eltern.

Wir versuchen, einige der Wünsche von Mario zu erfüllen. Wir wissen auch, dass wir ihn loslassen müssen, aber er ist nie zufrieden und glücklich. Er sieht ständig das Negative, nie etwas Gutes oder Positives. Wenn etwas passiert, dann gibt er immer den anderen die Schuld.

Seine negative Haltung uns und seinem Zuhause gegenüber zermürbt uns. Wir versuchen ganz ruhig mit ihm zu reden, und oft  scheint er zu verstehen. Doch am nächsten Tag ist er wieder ablehnend. Mario ist beliebt bei den anderen, aber er erlebt nicht so viel, mit dem er sich rühmen kann, wie die anderen Burschen in seiner Klasse. Wie können wir uns Mario annähern und ihn erreichen?

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2 Kommentare
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Von Franz Josef am 12.09.2017 11:29

Das sehe ich ein wenig anders als Jesper Juul.
Pubertät geht erst ab zwei Personen; sie ist also kein spezielles Jugendlichenproblem. Das Problem ist immer, dass die Kinder in die Pubertät hineinkommen und die beteiligten Erwachsenen noch nicht hinaus sind. Das scheint aber keinem bewusst zu sein bzw. es wird von allen durch Fleißaufgaben verdrängt.
Wenn es schon so überdeutlich ist, dass, wie in diesem Fall, der Junge während der Schulwoche unausstehlich ist und am Wochenende einigermaßen normal, dann können wir diese Problematik doch nicht Tag für Tag weiter auf eine ominöse "Pubertät" schieben. Es ist doch nicht zu übersehen, dass das Problem aus der Schule kommt und dass dort das Fass jeden Tag auf´s Neue zum Überlaufen gebracht wird.
Ich möchte wissen, was es da zu tricksen geben soll.
Da muss doch endlich alle gewohnte Manipuliererei aufhören und das tatsächliche Problem auf den Tisch: Der Junge bringt die Unausstehlichkeit aus der Schule mit nach Hause.
Und da es das alles aus ihm herausdrückt, muss es doch wohl mit DRUCK in ihn hineingekommen sein.
Offensichtlich verwechseln wir immer noch Erdrückung mit Erziehung.
Nun stell dir mal vor: Du kommst mit einem wirklichen Problem aus der Schule nach Hause, das du mangels pädagogischem Vorbild überhaupt nicht verstanden hast und infolge verkehrter Kind-Eltern-Pädagogik auch noch immer größer machst! Damit produzierst Du Eltern-Verzweiflung und eine entsprechende ATMOSPHÄRE, in der es keiner aushalten kann!
Da müsste doch irgendwann mal ein Profi auftauchen, der erkennt, dass an dieser Pädagogik, die so total in die Hilflosigkeit hinein führt, absolut ALLES VERKEHRT ist.
Na, und was bleibt, wenn man einen verkehrten Weg gefahren ist, anderes als UMKEHREN? Wieso aber machen wir dann die FLEISSAUFGABEN, mit denen nichts klappt, immer noch fleißiger?
Wir sollten erkennen, wie sehr wir alle durch eine verkehrte Pädagogik darauf dressiert sind, nicht innezuhalten, nicht loszulassen, sondern nur unseren "Fleiß" zu steigern, damit wir ein "pädagogisches Alibi" haben und nicht weiter mit Förderung verfolgt werden.
Warum fühlen wir uns SCHULDIG, wenn wir einen FEHLER gemacht haben? Erkennen wir diese päd. Schuldkonditionierung? FEHLER heißen doch nur deshalb FEHLER, weil sie uns zeigen, was FEHLT. Das aber nehmen wir in unserer andressierten ANGST gar nicht wahr. Bei Fehlern halten wir uns für schlecht statt zu erkennen, dass uns gerade gezeigt wird, wie alles gut werden kann. WERDEN, wir müssen es gar nicht machen!
Mit seinen "Pubertätsproblemen" zeigt das Kind uns unsere; wir bekommen wieder einmal noch eine Chance, zu wachsen. Aus der Schablone hinaus zu wachsen, an die wir uns schon so sehr gewöhnt haben.
Die Schwierigkeiten sind ein Wegweiser in Richtung Leichtigkeit und LERNEN heißt WEG = einen neuen WEG gehen. Und wir täten doch so gerne bleiben und erleben, dass alles so bleibt, wie wir es uns eingerichtet haben. LEBEN ist aber nur dadurch LEBENDIG, dass es weitergeht.
Pubertät ist eine Aufforderung zum WEITERLEBEN für alle.
Sie ist gar keine Krankheit.
Sie ist nur ein echtes Abenteuer, das unsere Fähigkeiten vor dem Vergammeln rettet. Ein Abenteuer, das uns zeigt, dass das Leben noch an unsere Intelligenz glaubt und sie herausfordert.
Wir sollen noch ein bisschen WACHSEN.
Guten Erfolg!
Franz Josef Neffe

Von Ben am 09.10.2017 20:47

@Franz Josef Neffe
viele Worte, nichts gesagt.

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