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Elternbildung

Lob und Perfektionismus schaden dem Selbstwertgefühl

Eltern gehen gemeinhin davon aus, dass Lob das Selbstbewusstsein stärkt. Stimmt, sagt Jesper Juul – aber es schadet, wenn es in eine Liebeserklärung verpackt wird.
Text: Jesper Juul
Illustration: Petra Dufkova/Die Illustratoren
Eine Mutter fragt Jesper Juul: 
Mein Mann und ich sind Eltern eines 6-jährigen Buben und einer 4-jährigen Tochter. Unser Sohn kommt nach den Sommerferien in die erste Klasse. Obwohl er erst Ende Jahr sieben Jahre alt wird, denken wir, dass er schon bereit dafür ist. Doch etwas macht uns Sorgen: In bestimmten Situationen wird er sehr, sehr wütend. Wenn er zum Beispiel einen grossen Turm aus Kapla baut und ihm dieser nicht so gelingt, wie er es sich vorstellt, verliert er die Geduld und zerstört den ganzen Turm, so dass die Holzbrettchen in alle Richtungen fliegen. Er fängt an zu schreien und lässt sich nicht beruhigen. Ein anderes Beispiel ist das Rechnen. Wenn wir mit ihm rechnen wollen, hört er zwar interessiert zu, aber möchte nichts sagen, weil er fürchtet, das Resultat könnte falsch sein. 
Unser sechsjähriger Sohn wird in bestimmten Situationen sehr, sehr wütend. 
Unserer Ansicht nach kann er schlecht mit Misserfolgen umgehen, wir empfinden ihn in diesem Punkt als unreif. In letzter Zeit haben wir ihn deshalb versucht zu motivieren, ihm gesagt, dass er doch in vielen Dingen supergut sei, wie etwa im Radfahren, Seilspringen oder Zeichnen, und er eben nicht überall alles richtig machen oder der Beste sein könne. Wir wünschen, dass unser Sohn in Liebe aufwächst, und möchten ihn in allen Belangen unterstützen. Mein Mann und ich loben unsere Kinder immer wieder, damit sie sich gut fühlen und es auch merken, wenn sie etwas Gutes geschafft haben. Als Mutter bin ich eher diejenige, die oft sagt: «sei vorsichtig» oder «ich mach das für dich». Ich habe Angst, dass unser Sohn einmal in Schwierigkeiten gerät, sich mit anderen schlägt und so weiter. Nun aber fürchten wir, dass unser Sohn ein zu geringes Selbstwertgefühl hat. Wir fühlen uns schuldig, weil wir denken, wir haben es verpasst, das hinzukriegen. Deshalb meine Frage an Sie: Ist es zu spät, sein Selbstwertgefühl zu stärken? Wenn nicht, wie können wir ihm dabei helfen?

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