Lasst die Kinder an die Waffen!

«Paff, bäng – du bist tot!»Bei den Kindern unseres Bloggers Christian J. Käser sind Waffen hoch im Kurs. Nicht ganz einfach für den friedliebenden Papa. 
Es ist schön hier, nur ein paar Meter über dem Nebelmeer auf dem Üetliberg in Zürich. Wer vorher noch frierend und stumm durch den Wald gestapft ist, befreit sich jetzt von der Jacke und zeigt seinen Kapuzenpulli oder das Funktionsshirt. Ich sitze auf einer Bank und studiere die Markennamen der vorbeigehenden Männer: «Under Armour, Alpha Industries, Boxeur des Rues …». Hersteller, die nicht verheimlichen, dass sie fürs Militär produzieren oder mit Strassenkampf Marketing betreiben. «Ist ziemlich tragisch», empöre ich mich so vor mich hin und merke gleich, dass ich gestern Nacht kaum warten konnte, bis ich wieder eine Folge «Vikings» gucken konnte. Eine Serie, in der Wikinger den Anglosaxen die Köpfe einschlagen oder, wenn das nicht reicht, die Halsschlagadern durchtrennen.
 
Wir Männer sind fasziniert von Gewalt. Wir sind fasziniert vom Töten. 
Mit roher Gewalt konfrontiert sind dann aber nur wenige von uns. Wir führen selber keine Kriege und auch die Wirtshausschlägereien sind kein gesellschaftliches Phänomen mehr.

Und trotzdem: Viele von uns Männern sind gewalttätig. Gemäss einer von der Arbeitsgemeinschaft der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten der Bundesrepublik Deutschland (ARD) 2019 veröffentlichten Statistik aus Deutschland wird umgerechnet alle 45 Minuten eine Frau durch ihren Partner verletzt oder angegriffen. In der Schweiz liegt der Anteil von gewaltbetroffenen Frauen bei knapp 80 Prozent gemäss des eidgenössischen Büros für Gleichstellung von Frau und Mann (EBG).
 
Diese Tatsache können wir leider nicht mit einem lustigen Witz aus der Welt schaffen. Obwohl das immer noch viele Kommentarschreiber auf den sozialen Medien versuchen.
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