Guilty Pleasure

Vom Versuch, Klatschheftchen vor der Teenager-Tochter zu verstecken. 
Mein Guilty Pleasure sind Klatschhefte. Ich liebe Storys über Models und Schauspielerinnen und Modelschauspielerinnen und über ihre Töchter und unehelichen Kinder. Und je gemeiner darüber berichtet wird, desto besser. Ich informiere mich darüber, wer einen dicken Hintern hat und wer Drogenprobleme, wer bei der Gala das schlimmste Kleid trug und wer von wem betrogen wurde. Dazwischen streife ich durch die Welt der Modestrecken und Rezepte und Fitnessprogramme und Problemzonen. Die reinste Safari der niederen Instinkte. Meine Mutter missbilligte den Konsum von Klatschmagazinen. Sie verbot sie uns nicht, aber brachte ihre Meinung dazu mit minimaler Gesichtsmimik und maximaler Deutlichkeit zum Ausdruck. Doch so sehr mir die Untrüglichkeit ihres Instinkts für richtig und falsch bewusst war, wollte ich nicht auf diese eitle, sinn- und bedeutungslose Beschäftigung verzichten. Ich las die Magazine trotzdem – einfach mit einem schlechten Gewissen. Falls Sie ein Mann sind, muss ich zum Klatsch noch etwas erklären. Das verbreitete weibliche Interesse an Klatschmagazinen hat neurobiologische Ursachen, eine Funktion der ausgeprägten sprachlichen, emotionalen und sozialen Kompetenzen der Frau. Das habe ich zwar frei erfunden, aber es tönt doch einleuchtend. Männer haben den Sport. Sie gucken Fussball, Boxen, Eishockey oder Formel 1, dazu trinken sie Bier und schweigen. Darin findet der gemeine Mann Trost und Entspannung für seine von den Fährnissen des modernen Lebens angespannten Nerven. 
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