Desktop eine ganze familie schnieft und schnupft
Elternblog

Schnodder, schnief und mieses Karma

So, jetzt geht sie los. Die Zeit vor der ich grösstes Grauen habe. Nein, nicht Halloween. Auch nicht der Besuch meiner Schwiegereltern. Die Erkältungszeit. Unsere drei Kinder sind wandelnde Magnete für Viren. Sie ziehen Erkältungen magisch an.
 Text: Ulrike Légé 
Im letzten Leben muss ich mal eine heilige Kuh durch den Fleischwolf gedreht haben. Nur so kann ich mir mein mieses Karma erklären. Wieso wird uns diese Schnodder-Zeit jedes Jahr aufgebrummt?

Von Oktober bis März können wir uns darauf verlassen …

… zum schlechtmöglichsten Zeitpunkt werden die Kinder so richtig krank. Wenn mein Mann auf Dienstreise ist, und ich ein dringendes Projekt abschliessen muss. Wenn Oma krank ist und die Hüti keine Zeit hat. Wenn meine Chefin schwärzeste Laune hat und etwas von Personal-Einsparungen murmelt. Genau dann erwischt es die Kids so richtig.

… Geschwister kriegen Infekte grundsätzlich nacheinander. Alle ab aufs Sofa, viel Tee mit Honig trinken – und nach einer Woche sind wir durch? Das wäre meine Wunschvorstellung. Die Realität sieht so aus: Erst liegt ein Kind jammernd auf dem Sofa und jammert:  «Mir ist so laaaangweilig - wo bist Duuuuu denn?!»  Dann kommt der Abend, wo wir durchs Schlafzimmer tanzen: Hurra, Kind gesund! Hurra, morgen nur noch der ganz normale Wahnsinn! Genau dann steht das nächste Kind bleich in der Tür und hat Schluckweh. Die Woche drauf das dritte. Und dann wieder von vorne. Bis zum Frühjahr.

… Viren weitergeben klappt super. Unsere Kinder teilen absolut nichts gern miteinander. Nicht die zehn identisch tussigen Barbies. Nicht die monströsen Mengen an Lego-Steinen. Nicht mal die Knete, die man nun wirklich gut teilen könnte. Nur beim Viren-Teilen werden unsere Kinder richtig grosszügig. Sie niesen uns an mit einer Zielgenauigkeit, da erblasst selbst Roger Federer. Sie wischen sich die Nase mit der Hand ab - und wischen mit ihr über meinen iPad. Sie hinterlassen ansteckende Schleimspuren in unserem Haus wie Nacktschnecken im Garten.

… danach erwischt es uns. Irgendwie nicht erstaunlich. Wir Eltern haben mehr Nachtwachen hinter uns als jede Gewerkschaft für Pflegekräfte erlauben würde. Wir sind hundemüde und unser Immunsystem ist im Keller. Dann endlich sind alle Kinder wieder gesund und wir zwingen uns mit 39 Grad Fieber zur Arbeit. Weil sich die Chefin anhört, als würde sie sonst unser Büro mit der Axt renovieren. Also lösen wir unser Aspirin im Kaffee auf und legen los.

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