Desktop header inti katjako ller
Ernährung

«Essen sollte frei von Druck sein»

Wir können Kindern beibringen, gesundes Essen zu mögen, meint Ernährungspsychologin Katja Kröller. Das funktioniert aber nicht mit Brechstange und Gemüsequoten, sondern durch sinnliches Experimentieren – und mit der Macht der Gewohnheit. 
Text: Virginia Nolan
Bild: Filipa Peixeiro / 13 Photo

Frau Kröller, was ist der schlimmste Fehler beim Versuch, Kinder für eine
gesunde Ernährung zu begeistern?

Vermutlich die Betonung des Gesunden. Essen sollte frei von Druck sein. Es hilft, wenn gerade heikle Esser es als zwanglose, eher nebensächliche Angelegenheit wahrnehmen. Eltern
sollten ihre Bemühungen darauf lenken, Kindern vielfältige Geschmackswelten zu eröffnen, statt sich mit der Frage herumzuplagen, wie sie ihnen Gemüse unterjubeln können.

Was prägt den Geschmack unserer Kinder?

Seine ersten Geschmackserfahrungen macht das Kind während Schwangerschaft und Stillzeit. Wir wissen, dass Kinder, die möglichst früh eine Vielzahl von Geschmäckern kennenlernen, aufgeschlossenere Esser werden. Das gilt ganz besonders für die Zeit, in der wir sie ans Essen gewöhnen. In weiten Teilen der Welt essen bereits die Kleinsten, was die Grossen mögen.
Katja Kröller ist Professorin für Ernährungspsychologie an der Hochschule Anhalt in Bernburg (D). Der Fokus ihrer Forschung liegt auf psychologischen Ansätzen für individuelle Verhaltensänderungen und der dazu geeigneten Gesprächsführung.
Katja Kröller ist Professorin für Ernährungspsychologie an der Hochschule Anhalt in Bernburg (D). Der Fokus ihrer Forschung liegt auf psychologischen Ansätzen für individuelle Verhaltensänderungen und der dazu geeigneten Gesprächsführung.

Wir können Kindern also beibringen, gesundes Essen zu mögen?

Wenn wir Kindern Geschmackserlebnisse vorenthalten, ist es nicht erstaunlich, dass sie schwierige Esser werden. Geschmackspräferenzen lassen sich trainieren. Dies zeigt eindrücklich ein Forschungsprojekt, das ich begleitet habe. Dabei erhoben wir regelmässig die Gemüsevorlieben von 300 Kindergartenkindern und leiteten daraus eine Art Ranking ab.
Wir untersuchten, ob sich diese Präferenzen durch sensorisches Training verändern liessen. Kohlrabi zum Beispiel erwies sich als eher unbeliebt. Die Kinder bekamen sie nun vier bis acht Wochen lang dreimal die Woche zu essen.

Was passierte?

Kohlrabi kletterte im Ranking nach oben, und zwar deutlich. Die Präferenz für ein Lebensmittel hängt also stark davon ab, wie gut wir es kennen. Wir mögen, was wir uns gewohnt sind. Wenn ich täglich angeboten bekomme, was ich nicht mag, werde ich irgendwann anfangen, es zu akzeptieren.
Anzeige

Kein besonders motivierender Ansatz.

So soll ja auch nicht die Ansage ans Kind lauten. Wenn unser Kind etwas verschmäht, sollte uns das als Eltern aber nicht daran hindern, das Lebensmittel weiterhin regelmässig auf den Tisch zu bringen, ganz ohne Aufheben. Das Kind muss es nicht essen, bleibt aber in Kontakt damit.

0 Kommentare
Hat Ihnen unser Artikel gefallen? Unterstützen Sie unser Engagement für Eltern mit einer Spende!

Diesen Artikel kommentieren