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Bewegung

Mutig, stark und selbstbewusst dank Kinderyoga!

Ooom! Der Trend hat auch die Kleinsten erreicht. Doch wie funktioniert Yoga mit Kindern? Wir haben einen Kurs besucht. 
Text: Claudia Landolt
Bild: Carla Kogelman
Die kleine Katze Mika will unbedingt ans Meer. Denn sie hat gehört, dass es dort Muscheln mit echten Perlen gebe. Auch ihr Freund, Zwerg Purzel, träumt davon, das Meer zu sehen und den Wind in seinem Fell zu spüren. Gemeinsam machen sie sich auf die Reise dorthin.

Diese Geschichte erzählt Kinder­yogaleiterin Claudia Giacalone an einem Samstagmorgen im Yogastu­dio Raum der Achtsamkeit in Rup­perswil. In einem Kreis auf ihren Yogamatten sitzen acht Kinder zwi­schen vier und neun Jahren und hören der Fantasiereise zu. Vor ihnen stehen, schön gruppiert, eine Schatztruhe, ein Zwerg, eine Kerze und viele, viele Muscheln. Diese Muscheln halten sich die Kinder ans Ohr. «Ich bi scho mal am Meer gsi», ruft da ein Kind. «Ich au», ruft ein anderes.

Still sein muss nicht sein

Kinderyoga ist anders. Hier muss niemand still sitzen und still sein. Und doch spüren die Kinder genau, wann es Zeit für Ruhe ist. Nach dem Begrüssungsritual – dem Hände­druck im Kreis und einem Namaste – sitzen alle im Kreis. Bereits bekann­te Übungen aus früheren Stunden werden noch einmal durchgespielt. Dann darf ein Kind eine Karte aus der Schatzkiste ziehen.

Heute ist es die Schildkröte. Man spricht darüber, was eine Schildkrö­te ist und wie sie aussieht. «Wie gseht ächt e Yoga­-Schildchrot uus?», fragt Claudia Giacalone und zeigt die Yoga-­Asana vor. Die Kinder begeben sich mit Begeisterung in die Posi­tion, die so manchem Erwachsenen schwerfällt. Und weil eine Schildkrö­te bekanntlich gern isst, essen alle gemeinsam ein paar imaginäre Salatblättchen. Dabei wird laut geschmatzt.
Kinderyoga ist spielerisch.
Kinderyoga ist spielerisch: Beim herabschauenden Hund darf gebellt, bei der Kobra gezischt und bei der Schildkröte geschmatzt werden. Nach einer Ausgleichsstellung für den Rücken wird eine zweite Übung vorgestellt: das Boot. Denn die Katze Mika und der Zwerg Purzel stellen sich schon vor, was sie auf dem Meer so alles tun könnten. Mit einem Boot fahren, zum Beispiel. Einem ruhigen Boot – und einem, in welchem fest gerudert werden muss, um auf Kurs zu bleiben.

Yoga als Schulfach?

Kinderyoga boomt. In fast allen Deutschschweizer Städten gibt es Kinder- und / oder Teenyoga im Angebot. Der Trend kommt unter anderem aus Deutschland. Dort gibt es an gewissen Schulen bereits Yoga als Pflicht- oder zumindest Wahlschulfach. Anlass war eine Studie des Deutschen Kinderschutzbundes, die Eltern wie Lehrer verstörte: Ein Viertel der befragten Kinder im Alter von sieben bis neun Jahren gab an, sich regelmässig und vor allem durch die Schule gestresst zu fühlen. Zwei Drittel von ihnen wünschten sich mehr Entspannung.

Aber auch an Schweizer Schulen hält Yoga Einzug. In einem Kindergarten in Zermatt etwa ist eine halbe Stunde pro Woche für Yoga reserviert. Ein Gymnasium in Biel bietet eine Yoga-Blockwoche an, und in einer Gemeinde im Kanton Aargau ist Yoga sogar als J&S- Kurs im Angebot. «Wichtig ist dabei, dass Kinder und auch Jugendliche erfahren, dass sie mehr sind als auf Leistung getrimmte Maschinen, dass sie einfach sein dürfen, dass sie ausschliesslich etwas für sich tun dürfen, und ohne dabei beurteilt zu werden», heisst es in der neusten Ausgabe des Yoga Journal, der Verbandszeitschrift der Schweizer Yogalehrer und -lehrerinnen.
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