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Arztbesuch

Sie saugt und spuckt. Wie das juckt!

Ob Kind, ob Erwachsener: Die Mücke sticht alles, was ihr vor den Rüssel kommt. Und nicht nur Eltern sind besorgt ob all der Krankheiten, die die kleinen Biester übertragen. Wie schlimm sind Mückenstiche wirklich? Und was hilft? Wir haben alle Fakten für Sie zusammengetragen.
Text: Claudia Füssler
Sssssuuuuuuuumm, zieht es am Ohr des gerade in den Tiefschlaf gleiten Wollenden vorbei, und noch einmal: sssssuuuuuuumm. Mensch ist schlagartig wach und geht wütend auf die Jagd: Wagt sich eine Mücke ins Schlafzimmer, ist das meist ihr Todesurteil. 
 
Das Verhältnis von Mensch und Mücke lässt sich bestenfalls als gespannt bezeichnen. Denn über die Jahrhunderte und alle Erdteile hinweg sind diese schlanken Insekten dem Menschen vor allem eins: lästig. Das liegt nicht nur an ihrem penetranten Summen, sondern vielmehr an dem Schaden, den sie anrichtet. Ihr Stich hinterlässt juckende Quaddeln, schlimmstenfalls injiziert sie uns einen Krankheitserreger. 
 
Es gibt rund 45 Mückenfamilien. Blutsaugend und damit potentielle Krankheitsüberträger sind aber nur drei von ihnen: die Stechmücken, die Gnitzen und die Kriebelmücken. Plus die Sandmücke, die als einzige Art der Schmetterlingsmücken einen Schluck frisches Blut schätzt. Der Mensch ist nicht allein Opfer dieser stechenden Mücken, auch Rinder und Schweine, Pferde und Hunde werden gepiesackt. «Die meisten Mücken sind opportun», sagt Alexander Mathis von der Vetsuisse-Fakultät der Universität Zürich, «die stechen das, was ihnen vor den Rüssel kommt.» Lediglich bei uns nicht vorkommende Stechmückenarten wie die Gelbfiebermücke oder die Malaria übertragende Anophelesmücke favorisieren den Menschen als Blutspender. 
Bei allen Mücken gilt: Fies sind die Frauen. Die Männer sind Vegetarier.
Mücken trocknen sehr schnell aus, sie haben vom Körperbau her eine relativ hohe Verdunstungsoberfläche. Deshalb sind sie vor allem in der Nähe von Gewässern und bei feucht-warmen Witterungsverhältnissen in der Dämmerung unterwegs. Weil die Larven der Stechmücke sich nur in stehendem Gewässer entwickeln können, legen sie auch ihre Eier in der Nähe von Seen, Pfützen und Sümpfen ab. Nach ein bis drei Tagen schlüpft aus den millimetergrossen Eiern eine Larve. Nach weiteren vier bis fünf Tagen verpuppt sie sich und wenige Stunden später schlüpft die erwachsene Mücke. Auch deren Leben ist kurz: Die Blutsauger leben meist nur wenige Wochen, was zu einem grossen Teil an den äusseren Umständen liegt. Sprich: zu viel Sonne oder zu reaktionsschnelle Menschen. 
 
Die Familie, die sich mit Abstand am häufigsten bei uns gütlich tut, sind die Stechmücken. Mehr als 3500 Arten gibt es weltweit, in Mitteleuropa sind knapp über 100 bekannt. Bei allen gilt: Fies sind die Frauen. Die Männchen erfüllen lediglich Begattungszwecke und sind völlig harmlos. Sie vertrödeln den Tag damit, Nektar und Honigtau zu lecken, oder trinken den Saft von Pflanzen, die sie mit ihrem Stechrüssel anbohren. Während die Herren ihr kurzes Leben lang Vegetarier bleiben, geben die Weibchen diese Ernährungsform immer wieder mal auf. Den Grund dafür kann man nur gutheissen: Sie brauchen Nährstoffe für den Nachwuchs. Eisen und Proteine aus dem geklauten Blut sorgen dafür, dass sich die Eier nach der Befruchtung entwickeln können. Zwei bis acht Millionstel Liter Blut zapft die sorgende Mutter uns dafür pro Stich ab, das ist verkraftbar. Es ist nicht der Blutverlust, der uns schmerzt, sondern die Mückenspucke. Sticht das gierige Weibchen zu, spritzt es über den Stechrüssel Speichel in das Opfer. Warum macht die Mücke das? Ein im Speichel enthaltener Wirkstoff verhindert, dass das Blut beim Aussaugen im Rüssel gerinnt und ihn so verstopft. Der menschliche Körper identifiziert den Speichel als Fremdkörper und beginnt sofort damit, ihn zu bekämpfen: Es juckt und brennt. Das ist unangenehm, mehr aber nicht. «Richtige allergische Reaktionen auf Mückenstiche sind extrem selten», sagt der Parasitenforscher Mathis. 
Krank durch Mückenstich? In unseren Breitengraden ist das sehr unwahrscheinlich.
Viel gefürchteter als ein paar juckende Einstichstellen sind Krankheiten, die per Mückenstich übertragen werden können: Gelbfieber, Zika, Dengue- und Chikungunyafieber, Malaria, West-Nil-Fieber, Sindbis-Fieber – die Liste ist lang. Und doch besteht in unseren Breitengeraden kein Grund zur Sorge. Denn damit es wirklich zur Infektion mit einem Erreger kommt, müssen mehrere Bedingungen erfüllt sein: Als Erstes muss die Mücke jemanden stechen, der die Krankheit in sich trägt. Mit dem Blut nimmt sie den Erreger auf. Der  vermehrt sich im Körper der Mücke und dringt aus dem Darm heraus in andere Körperbereiche vor – sofern die äusseren Umstände stimmen: Es muss dauerhaft warm genug sein und die Mücke muss lang genug leben.

Ist dann die Mücke tatsächlich über und über voll mit dem Erreger, muss sie erneut zustechen, um die Krankheit mit ihrem Speichel an den Menschen abzugeben. «Selbst in hochendemischen Gebieten trägt meist nur ein Prozent der Mücken den Erreger in sich», sagt Alexander Mathis. Die Wahrscheinlichkeit, bei den wenigen Mückenstichen, die man sich hierzulande holt, infiziert zu werden, ist also äusserst gering. Auch die in den vergangenen Jahren aus Südeuropa eingewanderte und inzwischen vor allem im Tessin verbreitete Asiatische Tigermücke, die derzeit einige besorgt aufhorchen lässt, stellt keine Gefahr dar. Die Populationen sind viel zu gering und die oft zu kühlen klimatischen Bedingungen erschweren ihnen das Überleben. 

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