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Arztbesuch

Keine Angst vor Zecken

Die kleinen Blutsauger können verschiedene Krankheitserreger übertragen. Das sorgt viele Eltern. Dabei können diese ihre Kinder schützen, wenn sie einige wichtige Punkte beachten.
Text: Susanna Steimer Müller
Zecken, auch Holzböcke genannt, halten sich bevorzugt im Unterholz, an Waldrändern oder -wegen mit Sträuchern und Gras sowie in Hecken und hohen Wiesen auf. Sie sitzen auf niedrig wachsenden Pflanzen (bis maximal 80 Zentimeter) und warten auf einen Wirt, der sie abstreift. Damit sich Zecken entwickeln können, benötigen sie drei Blutmahlzeiten in ihrem Leben. Zecken beissen nicht, sie durchbohren mit ihrem Rüssel die Haut von Tier oder Mensch und saugen sich während mehrerer Tage voll, bis sie kugelrund sind und sich zu Boden fallen lassen. Da die Zecke dabei eine betäubende Substanz ausschüttet, bleibt der Vorgang schmerzfrei und damit meist unbemerkt.
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Wetter spielt eine Rolle

In den letzten 20 Jahren hat sich der Lebensraum von Zecken in der Schweiz vergrössert. Professor Jürg Grunder, Leiter der Forschungsstelle Phytomedizin an der ZHAW Wädenswil und Entwickler der neuen App «Zecke», erklärt: «Während Zecken früher im Mittelland bis etwa 900 Meter über Meer vorkamen, findet man sie heute auch in höheren Regionen bis etwa 1700 Meter über Meer.» Dafür verantwortlich ist die Klimaerwärmung. Weil die Bevölkerung heute mehr für Zeckenstiche sensibilisiert ist, kommt es häufiger zu Arztbesuchen. Auch die Möglichkeiten, die von Zecken übertragenen Erreger im Blut nachzuweisen, haben sich verbessert. Ob Zecken zu einem Problem für den Menschen werden, hängt laut Jürg Grunder in erster Linie vom Wetter in den wärmeren Monaten ab: «Ist es häufig schön und angenehm warm, halten sich mehr Leute im Freien auf und exponieren sich somit den Zecken. Ist es eher trüb und regnerisch, bleiben die Leute bevorzugt zu Hause. Dann, wenn viele Leute draussen unterwegs sind, werden auch am meisten Zeckenstiche registriert.»
Zecken können ein Virus oder ein Bakterium übertragen – mit gravierenden Folgen.

Kleiner Stich – potenziell hoher Schaden

Zecken sind deshalb so gefürchtet, weil ein Teil von ihnen ein Bakterium (verantwortlich für die Lyme-Borreliose) oder ein Virus (verantwortlich für die Frühsommer-Meningoenzephalitis FSME) auf den Wirt übertragen kann – in beiden Fällen sind gravierende Folgen möglich. In den letzten Jahren erkrankten in der Schweiz durchschnittlich zwischen 110 und 250 Menschen an FSME. In der ersten Phase, etwa 7 bis 14 Tage nach dem Zeckenstich, können grippeartige Beschwerden (Kopfschmerzen, Fieber, Müdigkeit, Gliederschmerzen) auftreten. Bei 5 bis 15 Prozent der Betroffenen wird in der zweiten Phase das zentrale Nervensystem befallen. Es kommt zur Hirnhaut- oder Hirnentzündung. Diese Krankheit kann bei 20 bis 30 Prozent der Patienten zu Lähmungen und anderen Behinderungen (etwa geistiger Behinderung) führen. Todesfälle sind aber äusserst selten.

Massnahmen zum Schutz vor Lyme-Borreliose

Im Gegensatz zur Frühsommer-Meningoenzephalitis gibt es bis heute keine Impfung gegen Lyme-Borreliose. 2014 suchten rund 20 000 Menschen in der Schweiz wegen Zeckenstichen einen Arzt auf. Rund 100 Personen waren vom Frühsommer-Meningoenzephalitis-Virus infiziert und etwa 9000 Personen von dem für die Lyme-Borreliose verantwortlichen Bakterium Borrelia burgdorferi. Wenn die Lyme-Borreliose rechtzeitig erkannt wird, kann sie mit Antibiotika behandelt werden. Das erste Krankheitszeichen ist oft eine örtliche Hautentzündung, die man auch als Wanderröte bezeichnet. Dr. Norbert Satz, Spezialist für Zeckenerkrankungen, erklärt: «Die Rötung vergrössert sich zentral um die Einstichstelle.» Oft kommen grippeartige Symptome dazu. In der zweiten Phase können Gelenke, das Nervensystem, die Haut, die Muskeln und in seltenen Fällen das Herz in Mitleidenschaft gezogen werden. Wird die Krankheit auch dann nicht erkannt und nicht mit Antibiotika behandelt, sind chronische Schädigungen möglich.
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