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Arztbesuch

«Die Chancen auf eine Heilung stehen heute sehr gut»

Rund 220 Kinder erkranken hierzulande pro Jahr an Krebs. Die meisten von ihnen an Leukämie. Im Gegensatz zu früher können Ärzte wie Felix Niggli diesen Kindern aber eine gute Prognose stellen. 
Interview: Evelin Hartmann

Herr Niggli welche Krebsformen kommen bei Kindern neben Leukämien ebenfalls häufig vor? 

Hirntumore sowie der Lymphdrüsenkrebs. Gelegentlich kommen Kinder bereits mit einem Tumor auf die Welt. Die meisten Diagnosen werden zwischen dem zweiten und sechsten Lebensjahr gestellt.

Warum erkranken Kinder an Krebs?

In den überwiegenden Fällen kennen wir die Ursache nicht. Studien haben gezeigt, dass bei Kindern mit angeborenen Fehlbildungen oder Syndromen gewisse Tumore häufiger auftreten. Kinder etwa mit Trisomie 21, auch bekannt als Downsyndrom, entwickeln häufiger Leukämie. Da scheint es einen Zusammenhang mit den Genveränderungen zu geben. Es gibt auch Anzeichen dafür, dass zum Beispiel Infektionserreger bei der Entstehung einer Leukämie mitverantwortlich sein können, insbesondere wenn eine entsprechende genetische Vorbelastung vorhanden ist. 
«Die Heilungschance bei Kindern liegt bei 75 bis 80 Prozent».
Prof. Dr. med. Felix Niggli, Abteilungsleiter Onkologie am Kinderspital Zürich 

Aber das heisst jetzt nicht, dass Eltern bei jedem Infekt, an dem ihr Kind erkrankt, Angst haben müssen?

Natürlich nicht. So etwas kommt sehr selten vor. Es braucht eben diese genetische Vorbelastung. Und wie gesagt: Bei den anderen Krebsformen kennen wir die Ursachen schlichtweg nicht.

Wie hoch sind die Heilungschancen bei Krebs bei Kindern?

Sehr hoch. Die Rate liegt bei 75 bis 80 Prozent, bei Erwachsenen liegt sie zum Vergleich nur bei 50 bis 60 Prozent; das hängt aber stark von der Krebsart ab.
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«Tumore, an denen Kinder erkranken, reagieren sehr gut auf Therapien».
Prof. Dr. med. Felix Niggli

Warum stehen die Heilungschancen bei Kindern so viel besser? 

Tumore, an denen Kinder erkranken, sind zwar sehr aggressiv und wachsen schnell, reagieren aber sehr gut auf Therapien. Mehrheitlich wenden wir bei Kindern medikamentöse, sogenannte Chemotherapien an, gefolgt von Operationen und Strahlentherapien. Die Therapie dauert oft ein bis zwei Jahre.

Leiden Kinder nach der Therapie oder als Erwachsene an Folgeschäden?

Das kommt leider immer wieder vor. Manche Medikamente verursachen Hörschädigungen oder Herzbeschwerden, da sie den Herzmuskel schwächen. Andere Kinder leiden unter Entwicklungsverzögerungen, bedingt durch die Bestrahlung etwa bei Hirntumoren. Oder sie erkranken im Erwachsenenalter erneut an Krebs. Trotzdem bleibt festzuhalten: Die Heilungschancen sind heute aufgrund der Forschung sehr gut. Noch Anfang der 1950er-Jahre ist jedes Kind, das an Leukämie erkrankt ist, auch daran gestorben.

Bild: fotolia.com

Zur Person:

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Prof. Dr. med. Felix Niggli ist Abteilungsleiter Onkologie am Kinderspital Zürich und stellvertretender Klinikdirektor Medizin.

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