Mütter lesen häufiger vor als Väter - Das Schweizer ElternMagazin Fritz+Fränzi
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Mütter lesen häufiger vor als Väter

Lesedauer: 3 Minuten

Zum Jubiläum des 5. Schweizer Vorlesetags am 18. Mai 2022 haben wir mit Christine Tresch vom Schweizerischen Institut für Kinder- und Jugendmedien SIKJM gesprochen und sie gefragt, warum Väter ihren Kindern seltener vorlesen als Mütter.

Interview: Hanna Lauer
Bild: zVg/ Kampus Production von Pexels

Das Schweizerische Institut für Kinder- und Jugendmedien SIKJM führt am 18. Mai 2022 bereits zum fünften Mal den Schweizer Vorlesetag durch. Die nationale Leseförderungsinitiative ist in den letzten Jahren stetig gewachsen.

Verschiedene Studien belegen, dass vor allem Mütter ihren Kindern Vorlesen. Väter nehmen viel seltener Bücher in die Hand, wenn sie mit ihren Kindern eine Aktivität machen wollen. Warum eigentlich?

Frau Tresch, warum lesen Väter ihren Kindern weniger oft vor als Mütter?

Mütter lesen häufiger vor als Väter, das belegen zahlreiche internationale Studien. Mütter sind stärker in der Kinderbetreuung engagiert, verbringen mehr Zeit mit ihren Kindern und lesen ihnen daher auch mehr vor. Viele Väter glauben, dass es reicht, wenn die Mütter den Kindern vorlesen. Ein anderer, oft genannter Grund ist, dass Väter unter der Woche spät nach Hause kommen und die Kinder schon im Bett sind. Vielen Vätern, aber auch Müttern, wurde als Kind nicht vorgelesen. Sie verbinden darum mit dieser Tätigkeit keine emotionalen Erinnerungen, die sie mit ihren Kindern gerne wieder aufleben lassen. Auch haben Eltern, die selbst keinen gewohnheitsmässigen und lustvollen Zugang zum Lesen entwickeln konnten, oft Hemmungen vorzulesen.

Christine Tresch studierte Germanistik, Anglistik und Philosophie und arbeitete als Kultur- und Literaturredaktorin für Printmedien und Radio SRF. Seit 2003 ist sie am Schweizerischen ­Institut für Kinder- und Jugend­medien SIKJM tätig, ­aktuell in den Bereichen Literale Förderung, Lehre und Kulturarbeit.

Warum brauchen Kinder auch männliche Lesevorbilder?

Fehlende Lesevorbilder haben einen Einfluss auf die Leselust und die Lesekompetenz von Kindern. Sehr oft begegnen Kinder bis zum Ende der Primarschule vor allem weiblichen Lesevorbildern. Gerade für Jungen ist es darum wichtig, dass sie in ihrem Alltag erfahren, dass auch Männer (vor)lesen. Erfahren Väter Lesen als etwas, das ihrem Bild von Männlichkeit widerspricht, spüren das die Kinder. Lesen Väter hingegen regelmässig vor, stärkt das nicht nur die emotionale Nähe zwischen Vater und Kind, sondern unterstützt auch das Selbstbild der Kinder zum Lesen. Lesen Mutter und Vater vor, wird die Buchauswahl breiter und die Vorlesegespräche werden vielfältiger. So erfahren Kinder schon früh, dass man unterschiedlich vorlesen und verschieden über Geschichten reden kann.

Am 18. Mai findet das fünfjährige Jubiläum des Schweizer Vorlesetags statt. Sprechen Sie Väter insbesondere an?

Am Vorlesetag sind Vorlesebotschafter:innen in der ganzen Schweiz unterwegs. Diese kommen aus dem Showbiz, dem Sport, den Medien, dem Film, der Wirtschaft … Zum einen schauen wir, dass unter diesen prominenten Vorlesenden Männer und Frauen ausgewogen vertreten sind, zum anderen können Vorlesebotschafter, wie dieses Jahr der Fussballer Tranquillo Barnetta oder der Schauspieler Max Hubacher, gerade für Jungs zum Lesevorbild werden. Andere tragen die Botschaft des Vorlesetags in ihre Betriebe zurück und motivieren dadurch wiederum ihre Angestellten, zuhause vorzulesen. Schliesslich schlagen wir auf www.schweizervorlesetag.ch Vorlesebücher vor, die auch Väter ansprechen und in denen von vielfältigen Rollenbildern erzählt wird.

Bücher für Papas* zum Vorlesen

*(und selbstverständlich auch für alle Mamas und überhaupt)

Hanna Lauer
arbeitet seit 2020 in der Onlineredaktion. Das zweite Zuhause der gebürtigen Zürcherin ist der Käferberg, sie tanzt gern Zumba und züchtet Sauerteig-Kulturen.

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