Redaktionsblog

Gymi oder Sek? Unsere Themen im November

Warum stürmen alle aufs Gymnasium? Und wer gehört da eigentlich hin? Das ist das Thema unseres Dossiers der November-Ausgabe, die ab Dienstag, 5. November am Kiosk ist. Nik Niethammer über seine eigenen Schulerfahrungen und die weiteren Magazin-Themen.
Text: Nik Niethammer
Bild und Video: Bianca Fritz
Chefredaktor Nik Niethammer spricht im Coverfilm über die Themen unserer Novemberausgabe. Video: Bianca Fritz
Wenn ich meinen Eltern für eine Sache besonders dankbar bin, dann für ihre entspannte Haltung bei einem Thema Sek oder Gymi. Die Frage, was aus mir einmal werden sollte, war wie Stochern im Nebel. Als Kind – geprägt durch die Mondlandungen – war Astronaut mein erster Berufswunsch. Später Seilläufer. Schliesslich Radprofi. Meine Eltern blieben stets locker, wohl wissend, dass sich Berufswünsche in der Pubertät beinahe stündlich ändern können.

Irgendwann wurde ich zum Berufsberater beordert. «Ich bin recht geschickt mit den Händen», antwortete ich auf die Frage, was ich besonders gut könne. «Und gerne an der frischen Luft.» Der Mann hielt triumphierend eine Broschüre hoch: «Dann werden Sie Dachdecker.»

Ich aber wollte mir alle Optionen offenhalten, entschied mich für die Sek und gegen den Königsweg. Der Rest ist schnell erzählt: Ich besuchte die Handelsmittelschule, absolvierte eine Banklehre – und wurde Journalist. Bis heute habe ich keine Matura – und kenne die Uni nur von öffentlichen Vorlesungen. Glauben Sie mir, ich habe mich deswegen keinen Tag schlecht gefühlt.

Unsere Gesellschaft gründet auf einem grossen Versprechen. Jeder kann alles erreichen. ­Viele Eltern versuchen nachzuhelfen, indem sie Tausende Franken für private Vorbereitungskurse ausgeben und ihre Kinder ins Gymnasium quälen. Die Folge: Familien im Ausnahmezustand. Ich weiss von Müttern, die ihre Arbeit reduziert haben, um mit dem Sohn für die Prüfung zu pauken. Und ich kenne Väter, die beim Thema Gymiprüfung laut aufstöhnen: «Es war die Hölle. Aber wir mussten da durch.»

Wenn schon die Vorbereitung fürs Gymi ins Burnout führt

Warum tut man seinen Kindern das an? Ist es die Sorge vieler Eltern, ihren Kindern könnte es einmal schlechter ergehen als ihnen selbst? Oder fürchten Mütter und Väter den sozialen Abstieg, wenn das Kind nur die Sekundarschule, das «Problemkinderghetto», schafft?

Diesen Fragen spürt Virginia Nolan im Dossier «Sek oder Gymi?» nach. Sie, die gerne an ihre eigene Gymizeit zurückdenkt, hat Zahlen und Fakten zur Schweizer Maturitätsquote recherchiert, mit Lernforschern, Eltern, Lehrern und angehenden Gymnasiasten gesprochen.

Und sie ­porträtiert ein Mädchen, das die Vorbereitung aufs Gymi ins Burnout getrieben hat. Trotzdem versucht die 16-Jährige die Prüfung erneut. «Ich wüsste nicht, was für einen Beruf ich ergreifen soll. Bei uns in der Familie haben alle ­studiert. Für mich kommt eigentlich auch nichts anderes ­infrage.»

Und dann noch dies: Danke, dass wir Sie, liebe Leserin, lieber Leser, ­weiterhin durch schöne und auch anstrengende Zeiten Ihrer Elternschaft begleiten dürfen. Sie, die Sie dieses Heft in der Hand halten, sind nicht allein. 204'000 Leserinnen und Leser informieren sich regelmässig mit unserem Elternrat­geber. Das belegen die Zahlen der neusten MACH-Basic-Studie (2019-2), die von der WEMF AG für Werbemarktforschung zweimal im Jahr erhoben werden.
Zum fünften Mal in Folge haben wir zulegen können – entgegen dem Trend, dass die meisten Printprodukte Leser verlieren.

Der Blick etwas weiter zurück macht noch mehr Freude: Innerhalb von zwei Jahren (MACH Basic 2017-2) hat Fritz+Fränzi 26 000 Leserinnen und Leser dazugewonnen! Im Namen der Stiftung Elternsein, der Herausgeberin von Fritz+Fränzi, und der Redaktion sage ich: Vielen herzlichen Dank für Ihre Treue. Auch im 19. Jahr unseres Bestehens werden wir nicht aufhören, noch besser zu werden.

Herzlichst – Ihr Nik Niethammer

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Interessieren Sie sich für dieses Magazin? Dann bestellen Sie jetzt die Ausgabe 11/19 mit dem Titelthema Gymi oder Sek. Hier können Sie das Magazin bestellen.
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Von Armin am 05.11.2019 14:37

Das Argument 'Ich habe keine Matura und aus mir ist trotzdem etwas geworden' und Beispiele, in denen auf dem Weg zur Matura gewaltig etwas schiefgelaufen ist, liest man immer wieder. Sie können aber immer weniger überzeugen in einer Zeit, die uns täglich vor Augen führt, welche Auswirkungen mangelnde Bildung hat... Sie führt objektiv zu weniger Chancen im Leben, macht anfällig für Manipulationen jeder Art, kann lebensgefährlich werden, wenn man Opfer von Mobbing, Hass und Erpressung in den sozialen Medien wird. Vor allem muss heute jeder erlernen, sich selbständig in neue Wissensgebiete einzuarbeiten, Fakten und Fiktion, Wahrheit und Lüge, Original und Fälschung, Freund und Feind zu unterscheiden. Das gelingt nur durch Wissen, dessen Erwerb wiederum eine sehr gute Beherrschung von möglichst mehreren Sprachen voraussetzt. Das Burnout-Beispiel sagt mehr über das Umfeld als über das betroffene Mädchen aus. Eltern und Schule müssen endlich begreifen, dass die Kinder und Jugendlichen, denen das Lernen aus irgendeinem Grunde - vielleicht auch nur am Anfang - nicht so leicht fällt, besonders gefördert werden müssen. Leider selektieren wir immer noch lieber vorschnell aus, obwohl wir es uns als Gesellschaft schon lange nicht mehr leisten können. Wir brauchen eine Extraanstrengung bei den persönlichen Fördermassnahmen wie bei den finanziellen Investitionen in das Bildungswesen. Anstatt im dualen Bildungssystem die einzelnen Wege gegeneinander auszuspielen, sollten die Kinder und Jugendlichen dahin gebracht werden, dass sie auf der Basis von Wissen selbst entscheiden können, welchen Berufsweg sie einschlagen möchten. Wer meint, ein Handwerker brauche keine Matura oder keine Fremdsprachen, hat den Wert und den Sinn von Bildung leider nicht verstanden.

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