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Mediennutzung

Ein Tag im digitalen Teenager-Leben

Jede neue Generation birgt in den Augen der älteren Gefahren: War es einst Rock ’n’ Roll, sind es heute die digitalen Medien. Wie steht es aber
wirklich um den digitalen Teenager-Alltag? Wir haben zwei Zürcher Schulklassen befragt.
Text: Michael In Albon
Die beiden befragten Klassen besuchen die 3. Sekundarschule in Zürich – am Zürichberg und in Zürich Nord. Gemeinsam ist sämtlichen 33 Schülerinnen und Schülern: Sie wollen selber entscheiden, mit wem sie Zeit verbringen – auch online. Dafür verwenden sie ihre digitalen Medien gezielt. Denn jede Nachricht ist eine Bestätigung, dass man aneinander denkt; sie vermittelt Verbundenheit und zeigt dem anderen: Du bist von Bedeutung. Mag der Inhalt auf uns Erwachsene noch so banal wirken. Deshalb: Ohne konsequente Regeln legt keiner der befragten Teenager das Handy freiwillig aus der Hand. Von morgens bis abends Ausnahmslos alle befragten Teenager lassen sich am Morgen vom Handy wecken und verbringen fünf bis 30 Minuten damit, Nachrichten zu checken – auf WhatsApp, Snapchat und Instagram. Und am Abend legen sie ihr Telefon erst vor dem Einschlafen zur Seite. 

Das Smartphone nutzen Teenager auch nachts

Mehr als die Hälfte lässt es selbst über Nacht nicht unbeachtet – es bleibt eingeschaltet neben dem Bett liegen, und wer nachts aufwacht, blickt aufs Display. Alle, die ihr Handy weit weg platzieren und auf Flugmodus stellen, nennen ihre Eltern als Grund: «Ich muss das. Meine Eltern kontrollieren es!» Interessanterweise schätzen dies die Jugendlichen, weil sie realisieren, dass sie sich auf diese Weise besser erholen. Auf dem Schulweg und zu Hause Die befragten Teenager geniessen den Nachhauseweg ausser Reichweite der Erwachsenen. Sie unterhalten sich dann in der realen Welt, necken sich, testen sich gegenseitig aus, trödeln herum. Dabei halten sie ihre Smartphones in der Hand, um regelmässig Nachrichten zu überprüfen und sich gegenseitig auf dem Laufenden zu halten. 
Die Hausaufgaben werden 
oft von WhatsApp oder 
Facetime begleitet.
Das Wichtigste für sie bleibt jedoch die gemeinsam verbrachte Zeit von Angesicht zu Angesicht. Die Hausaufgaben werden oft von WhatsApp oder Facetime begleitet – sei es als Ablenkung oder zur Unterstützung. Etwa die Hälfte der Jungs taucht in die Welt der Games ein; einige treffen sich in Multi-Player-Games. Mädchen bevorzugen Serien oder Schmink- Tutorials. Und etwa ein Drittel aller befragten Teenager liest ein Buch oder eine Zeitung. Auch Musikhören ist beliebt. Alle erzählen, dass sie ein Abendessen am Familientisch schätzen, um über Erlebnisse, Interessen, Sport oder das TV-Programm zu sprechen. Auch wenn die meisten zugeben, sie hätten ihr Smartphone griffbereit. Das heisst für Eltern und Erwachsene: Statt uns zu sorgen, wie unsere Kinder ihre Zeit gestalten, sollten wir gemeinsam Zeit verbringen und die Herausforderungen von digitalen Medien diskutieren. 

Tipps

  • Als Eltern sind Sie Vorbilder: Fragen Sie doch einmal Ihr Kind, wie es Ihr Medienverhalten wahrnimmt und einschätzt.

  • Zeigen Sie Alternativen auf: Wie kann man mit Langeweile umgehen? Welche Angebote nutzt Ihr Kind für unterschiedliche Fragen? Was macht es, wenn es ihm nicht so gut geht? Und Sie selber?

  • Wer bin ich: Fördern Sie nonmediale Aktivitäten, die Ihrem Kind leicht fallen und für die es Anerkennung kriegt. Unterstützen Sie Ihr Kind zudem dabei, zu lernen, mit Misserfolgen umzugehen.
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Auf Medienstark finden Sie Tipps und interaktive Lernmodule für den kompetenten Umgang mit digitalen Medien im Familienalltag. 

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Michael In Albon ist Jugend-medienschutz-Beauftragter und Medienkompetenz-Experte von Swisscom.
facebook.com/michaelinalbon
twitter.com/MichaelInAlbon

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