Bücher über Corona für Kinder
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Interview: «Bücher sollten Klarheit bringen und nicht Angst machen»

Marah Rikli ist Buchhändlerin und leitet die Buchhandlung Lernmedien-Shop in Zürich. Sie ist Mutter einer kleinen Tochter und eines Teenagers und spricht im Interview über ihre Lieblingsbücher für Kinder und Jugendliche zum Thema Corona und warum Humor gerade jetzt so wichtig ist. 
Interview: Irena Ristic
Bild: zVg

Welche Bücher nutzen Sie in Ihrer Familie, um die Coronakrise zu thematisieren? 

Meine Tochter ist 6 Jahre alt. Sie hat eine Beeinträchtigung, weshalb sie in etwa auf dem Entwicklungsstand eines zwei Jahre alten Kindes ist. Wir schauen daher viele Bilderbücher an, zum Beispiel das Bilderbuch «Händewaschen» oder auch das kindergerechte SRF-Video. Den Begriff Corona kennt sie vor allem aus dem Kindergarten. Zuhause haben wir das Husten in die Armbeuge geübt und ich habe Kindermasken zum Spielen für sie gekauft, damit sie weniger Angst hat vor den Masken. Am Anfang war das für uns eine grosse Herausforderung, gerade im Tram oder im Zug schrie sie am Anfang panisch wegen der vielen Menschen mit Masken. 
 
Für meinen 16-jährigen Sohn, der mitten in der Pubertät steckt, ist das Thema schwieriger, da er natürlich versteht, um was es geht, jedoch Freiheitsdrang und Rebellion verspürt und dazu eher lesefaul ist. Er mag, wenn, dann Comics und Graphic Novels. Die Zeichnungen der Zürcher Comiczeichnerin Kati Rickenbach und das Buch «Street Art in Zeiten von Corona» mit Werken von verschiedenen Street-Art-Künstlern mag mein Sohn sehr. 
Marah Rikli ist Buchhändlerin und leitet den Lernmedien-Shop in Zürich. Die Buchhandlung hat sich auf Schulbücher, Pädgaogik und Weiterbildung spezialisiert. Rikli ist zudem Autorin und lebt mit ihrer Patchworkfamilie in Zürich. 
Marah Rikli ist Buchhändlerin und leitet den Lernmedien-Shop in Zürich. Die Buchhandlung hat sich auf Schulbücher, Pädgaogik und Weiterbildung spezialisiert. Rikli ist zudem Autorin und lebt mit ihrer Patchworkfamilie in Zürich. 

Auf was sollten Eltern achten bei der Auswahl von Büchern?

Ich finde es sehr wichtig, dass die Bücher nicht zu viel Angst machen und trotzdem Klarheit bringen. Die Auswahl sollte altersgerecht sein. Ein Buch wie «die Pest» von Albert Camus, was ein sehr wichtiges Buch in Zusammenhang mit Pandemien ist, würde ich inhaltlich aber einem Primarschüler nicht zumuten, sondern frühstens Ende Oberstufe. Auch Jugendliche brauchen bei solcher Lektüre sicherlich Begleitung und Austausch mit den Eltern und Lehrpersonen. Das Werk eignet sich darum sehr gut als Klassenlektüre im Gymnasium. Ich achte zudem stets auf Diversität in den Büchern für meine Kinder; dass verschiedene Körper, Hautfarben, Geschlechter und Familienformen vorkommen – und dass auch Kinder vorkommen, die eine Beeinträchtigung haben.

Welche sind Ihre persönlichen Favourites und warum? 

Mein absolutes Lieblingsbuch zum Thema Corona derzeit heisst «Lockdown». Schülerinnen und Schüler der Schule Viventa in Zürich verfassten Briefe und Texte über ihre Wahrnehmung während des Lockdowns. Eine Erinnerung an eine sehr besondere Zeit, die mich wirklich sehr berührt hat, da die Beiträge so authentisch sind. Oder das Buchprojekt «Augenblicke», wo Kinder und Jugendliche von der 4. bis zur 9. Klasse aus der ganzen Schweiz, Kurz-Storys zum Thema Corona verfasst haben. Ich mag es, wenn Kinder und Jugendlichen selbst zu Wort kommen. Wir hören den Kindern viel zu wenig richtig zu. Diese beiden Bücher erinnern uns daran, wie viele Gedanken sich Kinder machen und dass sie die Welt auf ihre Weise und sehr individuell wahrnehmen, was ich ernst nehmen möchte.

Sie mögen auch humorvolle Bücher. Haben Sie einen besonderen Tipp?

Lustig für Gross und Klein finde ich das Buch «Dieses Buch auf keinen Fall ablecken» von Ben Barak Idan – ein Bilderbuch und humorvoller Comic in einem. Es handelt von Mikroben und einer unsichtbaren Welt, die uns auch ganz schön krank machen kann. Trotzdem kommt es nicht so ernst daher und ist mit viel Humor gestaltet – etwas, was gerade in Krisenzeiten doch oftmals die Rettung ist. 
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