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Medienerziehung

Was bringen Altersfreigaben?

Bei der Altersfreigabe von Büchern, Filmen oder Computerspielen gibt es teilweise erhebliche Unterschiede. Von Medium zu Medium. Von Kanton zu Kanton. Ein kurzer Einblick. 
Text: Michael In Albon
Bei Kinder- und Jugendbüchern fehlen verbindliche Vorgaben für die Altersempfehlung. Deshalb gilt in der Branche das Alter der Hauptperson einer Geschichte als gängiger Richtwert. Daneben berücksichtigen Verlage für ihre Einstufung oft noch Handlung, Sprache, Thema und Komplexität des Buches.

Für welche Altersstufe ein Kinofilm freigegeben wird, prüft die Schweizerische Kommission Jugendschutz (filmrating.ch). Sie unterscheidet dabei die Stufen 0, 6, 10, 12, 16 und 18 Jahre. Das klingt eindeutiger, als es in der Realität ist. Denn über die Altersempfehlungen von Kinofilmen setzen sich viele Kinobetreiber hinweg. So kann es sein, dass ein Film in St. Gallen und Luzern für Vierjährige zugelassen ist, in Bern für Sechsjährige und in Zürich erst für Achtjährige.

Und bei Computerspielen? Hier gilt die Pan-European Game Information (PEGI), welche auch die wichtigsten Spielkonsolenhersteller wie Sony und Nintendo unterstützen. Die Symbole des PEGI-Einstufungssystems sind auf der Vorder- und der Rückseite der Verpackung aufgedruckt und unterscheiden die Altersgruppen 3, 7, 12, 16 und 18. Sie weisen darauf hin, ob ein Spiel nach Gesichtspunkten des Jugendschutzes für eine Altersgruppe geeignet ist oder nicht. Aber auch hier ist Vorsicht geboten: Die Freigabe in der Schweiz erfolgt nach dem PEGI- System, auf einer in Deutschland produzierten Spiele-DVD kann aber die Alterseinstufung der USK (Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle) mit einer anderen Empfehlung daherkommen.

Altersfreigabe ist kein Gütesiegel

Ein Freigabe-Label bedeutet lediglich «schadet nicht»; zusätzliche inhaltliche Kriterien erhalten Eltern damit nicht. Nur ist es mit der Altersklassifizierung nicht getan. Das wissen Eltern meist aus Erfahrung: Jedes Kind entwickelt sich individuell, hat seinen eigenen Charakter. So hält manchmal ein dreijähriges Kind die Spannung einer Geschichte besser aus als ein sechsjähriges. Oder ein Zehnjähriger ist überfordert, wo ein Gleichaltriger unterfordert ist – beim selben Buch, Film oder Computergame.

Inhaltliche Kriterien sind also nötig, um ein Produkt für Kinder oder Jugendliche als geeignet und gut zu bezeichnen. Bei allen Medien. Gut ist, wenn ein Produkt Themen aufgreift, mit denen sich Kinder und Jugendliche identifizieren können. Themen, die ihre Welt betreffen und Kinder und Jugendliche bereichern. Auch Geschichten, die Mut machen, sind wichtig. Und solche, die Emotionen ansprechen und Fragen beantworten, die Kinder und Jugendliche gerade umtreiben.

Für Sie als Eltern heisst das weiterhin: Interessieren Sie sich für die Welt Ihrer Kinder – für ihre Bücher, Filme, Computerspiele. Fragen Sie nach und sprechen Sie darüber. Und machen Sie sich selbst ein Bild. Haben Sie Zweifel? Dann legen Sie das Produkt noch ein, zwei Jahre in den Schrank. Erziehen Sie Ihre Kinder zu wohlwollend kritischen Geistern. Und erleben Sie zusammen, wie man Inhalte kritisch hinterfragt und beurteilt. Immer wieder.

Bild: zVg

Zum Autor:

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Michael In Albon ist Beauftragter Jugendmedienschutz und Experte Medienkompetenz von Swisscom.

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