Warum Kinderbeine auf Trampolinen oft brechen
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Warum Kinderbeine auf Trampolinen oft brechen

Lesedauer: 4 Minuten

Trampolinspringen ist gesund und macht Spass. Gleichzeitig nimmt die Zahl der Kinder zu, die sich auf dem Trampolin verletzen. Warum das trendy Hüpfen für komplizierte Knochenbrüche sorgt – und was Eltern wissen müssen.

Text: Irena Ristic
Bilder: fotolia.com & zVg

Wenn sich Kinder und Jugendliche austoben oder Sport treiben, gehören sie leider oft dazu: Knochenbrüche, Verstauchungen oder Zerrungen. Zwar hat sich die Anzahl der Verletzungen bei Kindern und Jugendlichen in der Freizeit in den vergangenen Jahren nicht erheblich verändert, wohl aber die Art und die Umstände, wie es zu diesen Verletzungen kommt.

Behandelten die Ärzte im Notfallzentrum des Inselspitals Bern vor fünf bis zehn Jahren eher noch Kletterunfälle oder Snowboardunfälle, gehört der so genannte Trampolin-Bruch zu den «neuen» Kinder- und Jugendverletzungen. Damit wird eine Fraktur beschrieben, die meist das Schienbein knapp unterhalb des Knies betrifft.

Trampolin-Frakturen: starke Zunahme in den letzten Jahren 

«In den vergangenen Jahren haben die Trampolin-Frakturen signifikant zugenommen», sagt Daniel Garcia, Leiter des Kinder- und Jugendnotfallzentrums des Inselspitals Bern. So behandelten die Ärzte am «Inseli» 2003 noch 13 verletzte Kinder. Im Jahr 2009 waren es schon 86. Das sind mehr als sechs Mal so viele. Heute dürften die Zahlen mittlerweile höher sein, allein schon wegen der Tatsache, dass immer mehr Trampoline im heimischen Garten stehen.

«Egal, wie man fliegt, es bricht meist an derselben Stelle», Daniel Garcia, Leiter des Kinder- und Jugendnotfallzentrums des Inselspitals Bern über die Sollbruchstellen im jugendlichen Skelett.
«Auf den Röntgenbildern sind diese speziellen Brüche für Ärzte, die nicht regelmässig damit zu tun haben, nicht immer gleich ersichtlich», sagt Daniel Garcia, Leiter des Kinder- und Jugendnotfallzentrums des Inselspitals Bern.

Wie aktuell die Thematik ist, zeigt eine soeben erschienene Studie aus den USA. Die im Fachmagazin «Pediatrics» veröffentlichte amerikanische Untersuchung belegt, dass die Anzahl auf dem Trampolin verletzter Kinder gestiegen ist. So verletzten sich 2010 noch rund 600 Kinder, 2014 waren es schon 7000. Damit stieg die Zahl um das Zwölffache.

Egal, wie man fliegt, es bricht meist an derselben Stelle.

Daniel Garcia, Notfallarzt

Doch was passiert im Skelett bei einem Trampolin-Bruch? Der Knochen bricht an sogenannten Sollbruchstellen. Es sind sensible Punkte im jungen Skelett, die in der Wachstumsphase von Kindern und Jugendlichen besonders anfällig sind für Frakturen. «Man könnte auch sagen: Egal, wie man fliegt, es bricht meist an derselben Stelle», sagt Garcia. Hinzu kommt: «Hüpfen zwei Kinder gleichzeitig auf dem Trampolin, sind unkontrollierte Sprünge oder Zusammenstösse vorprogrammiert».

Das Problematische an der Trampolin-Fraktur sei, dass sie oft als solche nicht immer sofort erkennbar seien, erklärt der Notfallmediziner. «Auf den Röntgenbildern sind diese speziellen Brüche für Ärzte, die nicht regelmässig damit zu tun haben, nicht immer gleich ersichtlich, oder erst nach ein paar Wochen».

Auch gingen Eltern oft zuerst von einer Verstauchung oder Zerrung aus, bis sie reagierten. So komme es immer wieder vor, dass ein Kind längere Zeit unter Schmerzen leide und sich ohne Gips bewege, bis es die Eltern zum Arzt bringen. Und wenn auch selten, kann ein nicht gleich behandelter Trampolin-Bruch Wachstumsstörungen des Knochen bewirken.

Immer nur allein aufs Trampolin 

Ein Trampolin-Bruch kann passieren, wenn mehrere Kinder gleichzeitig auf einem Trampolin rumhüpfen. Dabei steigt die Unfallgefahr markant, insbesondere für das Kind, das weniger wiegt. Denn die Trampolinoberfläche passt sich jeweils der schwereren Person an.

Springt ein grösseres Kind ab, während ein leichteres landet, können die Beine des leichteren Kindes so stark belastet werden, dass sie brechen. Deshalb empfehlen Ärzte und das Bundesamt für Unfallverhütung bfu, Kinder und Jugendliche nur einzeln auf das Trampolin zu lassen.

Trampolinspringen ist gesund, es stärkt die Muskeln und fördert das Gleichgewicht.

Daniel Garcia, Notfallarzt

Trotzdem möchte Daniel Garcia Kindern und Eltern den Spass am Trampolin nicht nehmen. Im Gegenteil: «Trampolinspringen ist für Kinder und Jugendliche gesund, es stärkt die Muskeln und fördert das Gleichgewicht».

Auch Eltern, die fürchten, dass das Trampolinspringen im späteren Erwachsenenalter Bandscheibenprobleme verursachen könnte, kann der Arzt beruhigen. «Dafür gibt es keine Hinweise». Trampolinspringen werde mitunter sogar gezielt eingesetzt, um die Rückenmuskulatur zu stärken, was vorbeugend gegen Bandscheibenprobleme wirken könne. «Mit der nötigen Vorsichtsmassnahme und dem richtigen Mass ist das Trampolin somit eine wunderbare und unterhaltsame Art für Kinder und Jugendliche, sich zu bewegen».

Trampolinspringen: Sicher springen, sicher landen, Quelle: Bundesamt für Unfallverhütung (bfu)

Leichtere Fussbälle, schwerere Verletzungen

Nicht immer sind es Trendsportgeräte, die mit einer gewissen Vorsicht zu geniessen sind. Auch neue Materialen im Sport können neue Verletzungsquellen bergen, wie das etwa bei Fussbällen der Fall ist. Heute werden sie aus leichteren Materialen gefertigt. Dadurch fliegen die Bälle schneller und entwickeln, je nachdem wie fest der Ball weggekickt wird, eine enorme Wucht.

Neue Fussbälle sind leichter und schneller. Die Wucht, die sie dabei entwickeln, kann Knochen brechen. 

Für den Goalie endet dies immer wieder schmerzvoll. «Armbrüche oder Kopfverletzungen, die beim Abwehren des Balls entstehen, sind auf dem Notfall mittlerweile Routine», sagt Garcia. Die dadurch entstandenen Verletzungen hätten, ähnlich wie beim Trampolinspringen, in den letzten Jahren stark zugenommen, so der Notfallmediziner.

Auf der Rutsche sicher unterwegs

Und ab und zu sind es sogar die Eltern, die unwissentlich ein Sicherheitsrisiko darstellen – meist weil sie übervorsichtig sind. «Wir beobachten immer wieder Kinder, die sich ein Bein oder sogar beide Beine brechen, weil sie mit ihren Eltern zusammen auf der Rutschbahn runterfahren».

Beim Runtergleiten gerät der Fuss des Kindes unter die Beine des Erwachsenen. Spätestens am Ende der Rutsche verheddert sich das Kinderbein zwischen dem Rutschenrand und dem Bein des Elternteils – und bricht.

Darum der Rat des Notfallmediziners: «Die Beine des Kindes sollte nie seitlich raushängen oder lose mitrutschen. Achten Sie darauf, dass beide Beine des Kindes auf den Oberschenkeln des Vaters oder der Mutter abgelegt sind». Mit diesen einfachen Vorsichtsmassnahme können Eltern und Kind auch in Zukunft unbesorgt die Rutsche runtersausen.

Für mehr Sicherheit auf dem Trampolin: 6 goldene Regeln

  1. Kinder unter sechs Jahren sollten nicht auf dem Trampolin springen.
  2. Springen zwei Personen gleichzeitig, sind unkontrollierte Sprünge oder Zusammenstösse vorprogrammiert. Die Unfallgefahr steigt markant, insbesondere für das leichtere (kleinere) Kind. Deshalb: immer allein springen.
  3. Kinder beaufsichtigen: Stellen Sie klare Regeln auf und erklären Sie den Kindern die Risiken des Trampolinspringens. Rund um Ihr eigenes Gerät sind Sie für die Aufsicht zuständig.
  4. Am besten in Gymnastikschuhen oder in Turnschuhen mit dünner Sohle springen. Oder barfuss, ausser wenn das Sprungtuch eine Netzstruktur aufweist. Nicht sinnvoll sind Socken (Rutschgefahr!) oder normale Strassenschuhe mit harten Sohlen (Einknicken!).
  5. Keine Saltos: Wer ungeschickt landet, riskiert schwere Verletzungen. Bei Saltos ist das Risiko besonders hoch. Abspringen und landen in der Mitte des Sprungtuchs. Und fürs Aufhören: Stoppsprung üben.
  6. Regelmässig Pause machen.

Weitere Informationen finden Sie unter www.trampolin.bfu.ch.
Quelle: Bundesamt für Unfallverhütung – bfu

Irena Ristic

Irena Ristic
arbeitet seit 2012 als feste freie Online-Redaktorin bei Fritz+Fränzi. Die gebürtige Baslerin bewegt sich gern in freier Natur.

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