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Psychologie

Was setzt Kinder unter Druck?

Kopfschmerzen, Schlafstörungen, Stress: Was beeinflusst das Wohlbefinden eines Kindes negativ? Und was können Eltern, Lehrer und Ärzte tun, damit sich ein Kind unbelastet und gesund entwickeln kann? 
Text: Kurt Alberman, Michael von Rhein
Elke H. sitzt mit ihrer 11-jährigen Tochter Sarah im Wartezimmer des Kinderarztes. In den letzten Wochen und Monaten hatte Sarah immer wieder Kopfschmerzen, musste teilweise zu Hause bleiben und konnte nicht in die Schule gehen. Zuletzt waren auch Schlafstörungen dazugekommen. Jetzt ist die 42-Jährige verunsichert und will endlich Klarheit, was mit ihrer Tochter los ist.

Der Kinderarzt wird Sarah wenig später untersuchen, nach einer medizinischen Ursache forschen. Er wird das Mädchen aber auch nach ihren Ernährungs-, Schlaf- und Mediengewohnheiten fragen. Und ob sie Stress habe in der Schule oder im Freundeskreis. Der Kinderarzt weiss: Neben den klassischen Infektions- und Kinderkrankheiten kommen zunehmend Kinder und Jugendliche mit stressbedingten und psychosomatischen Beschwerden in seine Praxis.
Nicht nur körperliche Ursachen kommen infrage.
Für Sarahs Kinderarzt kommt neben den möglichen körperlichen Ursachen auch ein seelisches Ungleichgewicht infrage, welches das Unwohlsein auslöst. Oder auch eine psychische Störung, die körperliche Beschwerden zur Folge hat – wie eine Depression, eine Essstörung oder AD(H)S. Aus diesem Grund wird der Arzt neben den körperlichen Beschwerden auch die Lebensumstände und mögliche Stressoren abfragen – bei Sarah und bei ihren Eltern.

In unserer recht kopflastigen Medien- und Leistungsgesellschaft stehen nicht nur die Kinder unter Druck. Auch viele Eltern erleben durch die berufliche und private Doppelbelastung Stress. Die Unzufriedenheit der Eltern – die wichtigsten Bezugspersonen – wirkt sich negativ auf das Familienklima aus und stresst auch die Kinder. Besonders Alleinerziehende sind davon betroffen; meist sind sie beruflich stark eingespannt, für ein zufriedenes Familienleben fehlt zur Unterstützung und Balance häufig der Partner. Alleinerziehende – und ihre Kinder – leiden deshalb besonders häufig unter gesundheitlichen Problemen.

Schon Jugendliche zeigen Burnout-Symptome

Für Michael Schulte-Markwort, Kinder- und Jugendpsychiater an der Uniklinik Hamburg-Eppendorf, ist Stress ein krank machender Faktor, der in den letzten Jahren zunehmend an Bedeutung gewonnen hat. Junge Menschen seien dem täglichen Stress aus Schule, Hausaufgaben, anspruchsvollen Hobbys oder Leistungssport nicht mehr gewachsen und zeigten körperliche und psychische Symptome bis hin zum Burnout.

Gemäss einer Studie der deutschen Krankenkasse AOK aus dem Herbst 2013 hatte jedes fünfte Kind in Deutschland stressbedingte gesundheitliche Beschwerden, die von Unwohlsein, Schwindel und Benommenheit über Nervosität, Gereiztheit und Kopfschmerzen bis hin zu Bauchschmerzen, Rückenschmerzen und Schlafstörungen reichten.

Die Uni Bielefeld ermittelte 2015 in einer Studie, dass knapp 20 Prozent der Kinder ein hohes Stresslevel haben, einer Studie der WHO zufolge fühlen sich knapp 20 Prozent der Kinder zwischen 11 und 17 Jahren infolge eines tatsächlichen oder gefühlten Leistungsdrucks überfordert und erschöpft. Die Folge: Kinder leiden häufiger an Krankheiten und entwickeln Symptome, die normalerweise eher stressbedingt bei Erwachsenen anzutreffen sind. 
Leiden die Eltern an einer Erkrankung, können die Kinder ebenfalls krank werden.
Doch es sind nicht nur gesellschaftliche Rahmenbedingungen und Erwartungen, die zu seelischen Belastungen führen. Hinzu kommen Konflikte in der Partnerschaft der Eltern oder gar psychische Erkrankungen der Mutter oder des Vaters. Kinder leiden darunter und können selber krank werden.
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