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Psychologie

Grenzenlose Liebe ohne Vorurteile? 

Wenn sich zwei Menschen aus unterschiedlichen Kulturkreisen ineinander verlieben, stossen sie nicht selten auf Vorurteile. Doch wie entstehen diese? Und wie können Vorurteile überwunden werden?
 Text: Maximiliane Uhlich, Michael Ackert
Freya schwärmt schon lange für Konstantin, 16. Als die 15-Jährige erfährt, dass es ihm ebenso ergeht, ist sie überrascht und glücklich. Als sie Konstantin jedoch ihren Eltern als festen Freund vorstellt, erlebt sie eine herbe Enttäuschung. Dass Konstantin aus dem ehemaligen Jugoslawien kommt und bekennender Muslim ist, spielt für Freya keine Rolle. Sie liebt ihn. Sie selbst war als Diplomatentochter viel in der Welt unterwegs, erst vor zwei Jahren entschieden sich ihre Eltern, zurück in die Schweiz zu kommen. 
Die Mutter kennt Konstantin nur flüchtig. Vertraut aber ihrer Intuition.
Dass sie nun gegen ihre Beziehung sind, weil Konstantin einer anderen Religion angehört, ist für Freya ein Schock. Besonders Freyas Mutter macht ihrer Tochter klar, dass sie nichts gegen eine romantische Beziehung habe, mit der Beziehung zu Konstantin jedoch nicht einverstanden sei. Was sie ihrer Tochter jedoch nicht sagt, ist, dass ihre Reaktion für sie selbst überraschend ist. Als Mutter will sie nur das Beste für ihr Kind. Der Gedanke, ihrer Tochter in Sachen Liebe etwas vorzuschreiben, erschreckt sie, doch fühlt es sich in diesem Fall richtig an. Sie kennt Konstantin nur flüchtig, von einem ersten Treffen abgesehen, sind die Eindrücke spärlich. Die Mutter vertraut mehr ihrer Intuition. Ausserdem ist ihr der Gedanke, dass ihre Enkelsöhne irgendwann beschnitten werden könnten, sehr fremd.

Unsichtbare Mauern

Freya und Konstantin sind nur ein Beispiel. Konstantin könnte auch Yusuf oder Jamal heissen, dunkelhäutig sein oder aus China kommen. Vielleicht spräche er einen arabischen Dialekt oder Swahili. Vielleicht hätte sich die Familie von Konstantin gegen seine Beziehung mit Freya gestellt. Bei allen Kombinationen bleibt, dass Stereotype schnell zu Vorurteilen führen und unsichtbare Mauern zwischen dem «Wir» und «den Anderen» entstehen (siehe Box am Ende des Artikels). Was Freya und Konstantin erleben, kann verschiedene Ursachen haben. Für das Paar ist es in erster Linie eine schmerzhafte Enttäuschung über das Unverständnis für ihre Liebe. Ohne eine bestimmte Absicht durchbricht ihre Zuneigung zueinander die Grenze zwischen dem «Wir» der Mutter und «den Anderen». Nun stehen der Partnerschaft Vorurteile im Weg. Wie kann ein Umgang gefunden werden, der auf beiden Seiten Verständnis schafft?

Verschiedene Arten von Vorurteilen 

Ausgrenzung oder Diskriminierung findet entlang von (aus-)gedachten gesellschaftlichen Grenzen meistens zwischen einer Minderheit und einer Mehrheit statt. Erkennbar ist oft nur das abweisende Verhalten, da die Meinungen, wenn überhaupt, nur im Privaten offengelegt werden. Dabei können das äussere Verhalten und die innere Einstellung in unterschiedliche Richtungen zeigen. Die Sozialpsychologie unterscheidet deshalb bei Diskriminierung verschiedene Arten von Vorurteilen (siehe Box am Ende). Die Ungerechtigkeit für Freya und Konstantin ist, dass Freya als Diplomatentochter die Erwartung hat, seitens ihrer Eltern eine offene Haltung gegenüber einem Partner wie Konstantin zu treffen. Nun erlebt sie die Diskrepanz zwischen der Einstellung ihrer Mutter auf der Arbeit und im Privaten, ihrem beruflichen Umgang mit der Vielfalt der Welt und der Haltung gegenüber einem Mitglied innerhalb der eigenen Familie. Die Haltung der Mutter ist nachvollziehbar, doch wie kommt es dazu? Menschen brauchen, um der Komplexität der Umwelt Herr zu werden, schnell verfügbare und einfach strukturierte Informationen. 
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