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Arztbesuch

Warum Kinderbeine auf Trampolinen oft brechen

Trampolinspringen ist gesund und macht Spass. Gleichzeitig nimmt die Zahl der Kinder zu, die sich auf dem Trampolin verletzen. Warum das trendy Hüpfen für komplizierte Knochenbrüche sorgt – und was Eltern wissen müssen.
Text: Irena Ristic
Wenn sich Kinder und Jugendliche austoben oder Sport treiben, gehören sie leider oft dazu: Knochenbrüche, Verstauchungen oder Zerrungen. Zwar hat sich die Anzahl der Verletzungen bei Kindern und Jugendlichen in der Freizeit in den vergangenen Jahren nicht erheblich verändert, wohl aber die Art und die Umstände, wie es zu diesen Verletzungen kommt. Behandelten die Ärzte im Notfallzentrum des Inselspitals Bern vor fünf bis zehn Jahren eher noch Kletterunfälle oder Snowboardunfälle, gehört der so genannte Trampolin-Bruch zu den «neuen» Kinder- und Jugendverletzungen. Damit wird eine Fraktur beschrieben, die meist das Schienbein knapp unterhalb des Knies betrifft. 

Trampolin-Frakturen: signifikante Zunahme in den letzten Jahren 

«In den vergangenen Jahren haben die Trampolin-Frakturen signifikant zugenommen», sagt Daniel Garcia, Leiter des Kinder- und Jugendnotfallzentrums des Inselspitals Bern. So behandelten die Ärzte am «Inseli» 2003 noch 13 verletzte Kinder. Im Jahr 2009 waren es schon 86. Das sind mehr als sechs Mal so viele. Heute dürften die Zahlen mittlerweile höher sein, allein schon wegen der Tatsache, dass immer mehr Trampoline im heimischen Garten stehen. Wie aktuell die Thematik ist, zeigt eine soeben erschienene Studie aus den USA. Die im Fachmagazin «Pediatrics» veröffentlichte amerikanische Untersuchung belegt, dass die Anzahl auf dem Trampolin verletzter Kinder gestiegen ist. So verletzten sich 2010 noch rund 600 Kinder, 2014 waren es schon 7000. Damit stieg die Zahl um das Zwölffache.
«Egal, wie man fliegt, es bricht meist an derselben Stelle», Daniel Garcia, Leiter des Kinder- und Jugendnotfallzentrums des Inselspitals Bern über die Sollbruchstellen im jugendlichen Skelett.
«Egal, wie man fliegt, es bricht meist an derselben Stelle», Daniel Garcia, Leiter des Kinder- und Jugendnotfallzentrums des Inselspitals Bern über die Sollbruchstellen im jugendlichen Skelett.
Doch was passiert im Skelett bei einem Trampolin-Bruch? Der Knochen bricht an sogenannten Sollbruchstellen. Es sind sensible Punkte im jungen Skelett, die in der Wachstumsphase von Kindern und Jugendlichen besonders anfällig sind für Frakturen. «Man könnte auch sagen: Egal, wie man fliegt, es bricht meist an derselben Stelle», sagt Garcia. Hinzu kommt: «Hüpfen zwei Kinder gleichzeitig auf dem Trampolin, sind unkontrollierte Sprünge oder Zusammenstösse vorprogrammiert». Das Problematische an der Trampolin-Fraktur sei, dass sie oft als solche nicht immer sofort erkennbar seien, erklärt der Notfallmediziner. «Auf den Röntgenbildern sind diese speziellen Brüche für Ärzte, die nicht regelmässig damit zu tun haben, nicht immer gleich ersichtlich, oder erst nach ein paar Wochen». Auch gingen Eltern oft zuerst von einer Verstauchung oder Zerrung aus, bis sie reagierten. So komme es immer wieder vor, dass ein Kind längere Zeit unter Schmerzen leide und sich ohne Gips bewege, bis es die Eltern zum Arzt bringen. Und wenn auch selten, kann ein nicht gleich behandelter Trampolin-Bruch Wachstumsstörungen des Knochen bewirken.

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1 Kommentar

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Von Kat am 01.09.2016 19:15

Ich stehe auch aus anderen Gründen den Trampolinen skeptisch gegenüber: die Muskulatur ist bei Kindern noch nicht so stark, beim Springen auf dem Trampolin wird aber auf die Bandscheiben ein riesiger Druck ausgeübt, der durch die noch schwache Muskulatur nicht aufgefangen wird. Ich bin deswegen gespannt, ob sich Orthopäden in einigen Jahren vermehrt mit "verschlissenen" Bandscheiben von 12jährigen beschäftigen müssen.

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