Verträumte Kinder in der Klasse: Ideen aus der Schule für die Schule
Schule

Verträumte Kinder in der Schule

Stille Kinder, die Schwierigkeiten haben, sich auf den Unterricht zu konzentrieren gehen im ­Schulalltag häufig unter. Wie es Lehrpersonen gelingen kann, diese Kinder dort abzuholen, wo sie stehen, zeigen die folgenden Beispiele aus dem Schulalltag.
Interview: Stefanie Rietzler und Fabian Grolimund
Bild: Jamie Grill Atlas/Stocksy
Verträumten Kindern fällt es schwer, ihre Tagträume abzuschütteln, vor allem dann, wenn sie sich unter Druck fühlen, die Aufgabe repetitiv oder langweilig ist, sie ­lange zuhören müssen, müde sind oder sie etwas emotional beschäftigt. 
Wie Lehrpersonen Unterstützung bieten können, zeigen die folgenden Beispiele: 

Claudia Matt, Lehrerin auf Primar­stufe und Heilpädagogin im Kanton St. Gallen: 

«Mir fällt auf, dass viele unaufmerksame und ­hibbelige Kinder weniger abschweifen, wenn sie ihren Körper besser spüren. Ich nutze dazu ein grosses Stuhlkissen, welches um die Hüfte geschlungen wird, und Kirschsteinsäckchen, die sich die Kinder auf die Knie legen dürfen. Ich habe Dinos draufgenäht: Das sind unsere Kraftspender. Die Kissen geben den Kindern während der Stillarbeit Halt.
«Ein Tagesplan gibt verträumten Kindern Orientierung», sagt Lehrerin Claudia Matt.
Damit sich verträumte Kinder besser orientieren und strukturieren können, arbeite ich mit einem Tagesplan, auf dem jeweils abgebildet ist, womit wir uns beschäftigen (Lesen, Rechnen, Bewegungspause, Partnerarbeit usw.). Auf Bildkar­­ten ist zudem ersichtlich, welches ­Material das Kind bereitlegen soll ­­(zum Beispiel Schere, Geodreieck, Heft). Wenn sprachliche Aufträge bildlich festgehalten sind, gelingt es den ­Lernenden besser, anzufangen und dranzubleiben. Das Kind kann die Bildkarten auch umdrehen, wenn ein Auftrag erledigt ist. Schweift eine Schülerin, ein Schüler ab, muss ich nicht viel sagen, sondern kann auf den Auftrag zeigen.» 

Fabienne Schnyder, Lehrerin auf Primarstufe im Kanton Zürich:

«Ich versuche bewusst – und eigentlich hilft das allen Kindern – sehr kurze und prägnante Anweisungen zu geben. Und ich sage mir immer wieder, dass Kinder mit Aufmerksamkeitsproblemen oft trotzdem nicht mitbekommen, was sie machen müssen oder sich nicht merken können, was ich erkläre. Das heisst für mich, dass ich nachfrage und immer ein Auge auf sie habe, um zu sehen, ob sie den Auftrag verstanden ha­ben. Früher wäre ich vielleicht wütend geworden, jetzt sehe ich, wie viel Mühe sich diese Kinder geben und dass manche von ihnen eine engere Begleitung brauchen.

Wichtig ist mir auch ein transparenter Umgang. Wir besprechen in der Klasse oft, dass wir Menschen alle unterschiedlich sind und Vielfalt etwas Schönes ist. Ich nehme mir immer wieder Zeit, um die verschiedenen Qualitäten der Kinder im Klassenverband zu würdigen. Auf der anderen Seite gehen wir offen damit um, dass wir Schwächen haben und es beispielsweise nicht für alle Kinder gleich einfach ist, an alles zu denken. Die Kinder unterstützen sich gerne gegenseitig, wenn man sie dazu einlädt. Beispielsweise frage ich: ‹Wer hilft XY dranzudenken, dass er/sie die Finken anzieht?›»
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