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Schule

Herr Gfeller, wie arbeiten Lehrer und Eltern besser zusammen? 

Vielen Lehrpersonen machen die hohen Anforderungen an ihren Beruf zu schaffen, sie sind Burn-out-gefährdet, steigen aus. «Es reicht heute nicht mehr, eine ambitionierte Lehrperson zu sein, die ihren Beruf liebt», sagt Urs Gfeller von der Pädagogischen Hochschule Bern. Der Pädagoge über den allgemeinen Autoritätsverlust, zu hohe Ideale und wichtige Sätze am ersten Elternabend.
Interview: Evelin Hartmann
Bilder: Raffael Waldner / 13 Photo
Ein heller Raum in der Pädagogischen Hochschule Bern. Zusammengeschobene Tische sollen kleinen Gruppen die gemeinsame Arbeit ermöglichen, Loungemöbel das Entspannen. Hinter einem Raumteiler erwartet den Besucher das Herzstück des grossen Zimmers: ein alter, wunderschöner Holztisch. «So etwa soll der Klassenraum von morgen aussehen», sagt Urs Gfeller, Bereichsleiter Berufsbiografie, Beratung und Unterstützung an der PH Bern. «Wollen wir uns setzen?»

Herr Gfeller, Studien zufolge gibt jede fünfte Lehrperson in den ersten vier Jahren ihren Beruf auf. Sind es wirklich so viele? 

Ich kenne diese Studien auch. Ob dies viele sind oder ob dies vergleich­bar mit andern Berufsgattungen ist, kann ich nicht mit Bestimmtheit sagen. 
Urs Gfeller, M.A., war Primar- und Sekundarlehrer, studierte Theologie und Psychologie und liess sich zum Coach/Supervisor BSO und zum Ehe- und Familientherapeuten weiterbilden. Heute leitet er den Bereich Berufsbiografie, Beratung und Unterstützung an der Pädagogischen Hochschule Bern. Er ist Vater dreier erwachsener Kinder und wohnt in Bern. 
Urs Gfeller, M.A., war Primar- und Sekundarlehrer, studierte Theologie und Psychologie und liess sich zum Coach/Supervisor BSO und zum Ehe- und Familientherapeuten weiterbilden. Heute leitet er den Bereich Berufsbiografie, Beratung und Unterstützung an der Pädagogischen Hochschule Bern. Er ist Vater dreier erwachsener Kinder und wohnt in Bern. 

Aber welches sind die Gründe für diesen frühen Ausstieg aus dem Beruf? 

Trotz einer guten Grundausbildung, trotz ausgebauten Praktika, trotz speziellen Angeboten für Berufsein­ steigende ist der Schritt zur selbst­ verantwortlich handelnden Lehrper­son noch immer gross. Viele fühlen sich all den Ansprüchen, die sie selbst an sich stellen und die von aussen auf sie zukommen, nicht gewachsen. Andere haben das Lehr­amtsstudium von Anfang an als Grundausbildung gesehen, auf der sie weiter aufbauen möchten. 

Sie leiten an der Pädagogischen Hochschule Bern den Bereich Berufsbiografie, Beratung und Unterstützung. Dieser bietet unter anderem ein Internetforum an, über das sich Lehrpersonen beraten lassen können. Mittlerweile sind dort rund 1700 Lehrpersonen registriert. Was brennt Lehrerinnen und Lehrern heute unter den Nägeln? 

Das Spektrum an Themen, mit denen Lehrpersonen auf uns zukom­men, ist sehr breit und reicht von schwierigem Schülerverhalten oder anspruchsvollen Unterrichtssitua­tionen, fehlender Unterstützung durch die Schulleitung über Rechts­fragen bis hin zu Fragen zur Eltern­arbeit. Leider machen wir die Beob­achtung, dass viele Lehrpersonen solche Beratungsangebote wie unse­res recht spät nutzen... 
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«Viele Lehrer nutzen solche Beratungsangebote wie unsere recht spät.» 
Urs Gfeller, Pädagoge

... und diese tauchen dann in den Statistiken als diejenigen Lehrpersonen auf, die ihren Job nach 10 oder sogar 15 Jahren an den Nagel hängen. Warum? 

Sagen wir, manche von ihnen. Eini­ge haben das Gefühl, dass sie selbst immer älter und die Kinder immer jünger werden. Die Digitalisierung schreitet immer weiter voran, viele Lehrpersonen meinen, mit den neuen Fähigkeiten und Fertigkeiten ihrer Schüler diesbezüglich nicht Schritt halten zu können. Sie können sich schlichtweg nicht vorstellen, mit diesem Beruf in Pension zu gehen. Einen anderen Grund sehe ich in den gesellschaftlichen Veränderungen der letzten Jahrzehnte. 

Die da wären? 

Ich spreche insbesondere den allge­meinen Autoritätsverlust an. Früher galten Ärzte, Pfarrer und auch Lehr­personen als die unumstösslichen Instanzen auf ihrem Gebiet. Heute gibt es das Internet. Wir können uns zu jeder Zeit über alles infor­mieren und ausgewiesene Experten mit unserem (Halb-)Wissen konfrontieren.

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