Interview-Digitalisierung-Schule-Philippe-Wampfler
Schule
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Lernen die Schüler auch aus Ihren Fehlern bei der Mediennutzung?

Sie fragen mich manchmal, wenn es auf meinen Profilen zu hitzigen Diskussionen kommt: «Was haben Sie da jetzt wieder für einen Stress?». Dann schauen wir das gemeinsam an und ich frage sie: «Wie würden Sie denn jetzt reagieren?» Aber es lässt sich wirklich oft schwer vergleichen, weil Jugendliche zum Beispiel viel zurückhaltender mit öffentlicher Kritik sind.
«Unter Mädchen wird es schon als ein Akt von Aggression gewertet, wenn jemand ein Instagram-Bild nicht liked.»

Das überrascht mich.

Ja, unter Mädchen wird es zum Beispiel schon als Akt von Aggression gewertet, wenn jemand ein Instagram-Bild nicht liked. Dass wir Lehrer dann in den Kommentaren des Klassen-Youtube-Kanals eine Diskussion austragen, finden sie das peinlich. Das sei öffentliches Drama, das solle man doch nicht allen zeigen.

Wird bei Ihnen überhaupt noch auf Papier geschrieben?

Ja. Während der Stunde Notizen machen, funktioniert auf Papier besser. Da gibt es auch viele Studien, die das belegen.

Wie beurteilen Sie das Modul Medien und Informatik im Lehrplan 21?

Gelungen finde ich, dass Anwendungskompetenzen, Reflexionskompetenzen und Informatik zur Sprache kommen. Das Modul schafft eine Verbindlichkeit und ist ein Schritt in die richtige Richtung. Aber es ist keine Revolution. Der Raum, den die neuen Medien einnehmen ist zu klein, und die Medienkompetenz wird zu wenig mit anderen Kompetenzen verwoben. Ich befürchte, dass einzelne Fachlehrer deshalb denken, dass sie selbst ja nichts mehr mit neuen Medien machen müssen.
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Wie gut ist die Medienkompetenz der Jugendlichen?

Das hängt von der Perspektive ab. Erwachsene verstehen oft überhaupt nicht, wie komplex die Mediennutzung mit all ihren Kommunikationsregeln bei Jugendlichen ist. Was man alles können und wissen muss. Diese Kompetenz wird von den Erwachsenen nicht gewürdigt. An anderer Stelle sehe ich Handlungsbedarf: Vielen Jugendlichen fällt es schwer, relevante und wahre Informationen zu filtern. Da ist die Schule gefordert, die Jugendlichen aufs Leben vorzubereiten. Wenn man bei Google eine Frage eingibt, findet man immer die Antwort, die man auch hören möchte. Jugendliche sollten wieder lernen, ein Wissensnetzwerk aufzubauen und Fachleute zu fragen, wenn sie unsicher sind. Das war noch nie so einfach, wie heute, über das Internet.

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Weiterlesen: Wie viel Medien stecken im Lehrplan 21?

2 Kommentare

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Von Shahram am 05.10.2017 19:41

Sehr gut & inhaltlisch reich! Korrekt, alles sind reine Fakten. Die Kinder brauchen bestimmt den Umgang mit soziale Medien lernen & sogar mit ihnen gut arbeiten bzw. verwenden, jedoch ist aber auch stark abhängig von georafischen Lage (wo man lebt im Land od. Stadt) & den Sozio ökonomische Werte der Eltern od Umfeld. Dankeschön

Von Michael In Albon am 19.10.2017 08:33

Achtung: Die letzten JAMES-Studien (www.swisscom.com/james) zeigen keine relevanten Differenzenen zw. Stadt und Land. Das hängt wohl auch damit zusammen, dass unsere Städte mehr-bessere Dörfer sind😁. Es gibt aber Unterschiede zw. den Sprachregionen.

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